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Seit 1975 läuft Seligsprechungsverfahren für Gründer der Schönstatt-Bewegung

Vorwürfe aus den USA gegen Kentenich sollen neu geprüft werden

  • Der Trierer Bischof Stephan Ackermann lässt Missbrauchsvorwürfe gegen den Schönstatt-Gründer Pater Josef Kentenich aus der Zeit des Exils in den USA neu prüfen.
  • Diese seien dem Erzbistum Milwaukee ab 1994 bekannt gewesen und untersucht worden.
  • Ackermann will prüfen lassen, ob die damalige Untersuchung heutigen Kriterien entspreche oder ob wichtige Aspekte nicht berücksichtigt wurden.
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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann lässt Missbrauchsvorwürfe gegen den Schönstatt-Gründer Pater Josef Kentenich aus der Zeit des Exils in den USA neu prüfen. Ackermann bezieht sich auf bislang öffentlich nicht bekannte Anschuldigungen.

Ein Amerikaner werfe Kentenich vor, ihn zwischen 1958 und 1962 sexuell missbraucht zu haben, sagte der Bischof der Bistumszeitung „Paulinus“. Die Vorwürfe seien damals zwar geprüft worden, in der Zwischenzeit habe sich der Umgang mit Verdachtsfällen aber weiterentwickelt.

Vorwürfe waren in Milwaukee bekannt und wurden untersucht

Die Vorwürfe gegen Kentenich seien der Erzdiözese Milwaukee ab 1994 bekannt gewesen und untersucht worden, sagte Ackermann. Das Kirchengericht dort habe in einem Bericht „die Überzeugung vertreten, dass zu diesem Zeitpunkt kein Anlass bestand, die Sache weiter zu verfolgen“.

Seit 1975 läuft ein Seligsprechungsverfahren für Kentenich. Dazu habe das Bistum Trier die Unterlagen aus Milwaukee erhalten und den Bericht damals als „stimmig“ bewertet, so Ackermann. Er wolle nun prüfen lassen, ob die damalige Untersuchung heutigen Kriterien entspreche oder ob wichtige Aspekte nicht berücksichtigt wurden.

Schönstatt-Bewegung begrüßt neue Prüfung

Das Generalpräsidium der Schönstatt-Bewegung begrüßt nach eigenen Worten Ackermanns Vorgehen „im Sinn einer umfassenden Klärung ausdrücklich“. Auf ihrer Internetseite teilte die Bewegung mit, seit 1997 von den Beschuldigungen zu wissen. Das Generalpräsidium habe aber weder konkrete Vorwürfe gekannt noch Einblick in Akten erhalten.

Der Schönstatt-Gründer wurde 1951 nach einem Prüfverfahren des Vatikan in die USA ins Exil geschickt. Dort lebte er in Milwaukee und kehrte 1965 nach Schönstatt zurück. Diese Schritte werden vor allem mit Blick auf im Sommer 2020 bekannt gewordene Vorwürfe gegen Kentenich unterschiedlich bewertet.

Die Debatte um Kentenich

Angestoßen hatte die Debatte die Kirchenhistorikerin Alexandra von Teuffenbach. Sie wirft Kentenich systematische Manipulation, Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe vor. Dabei stützt sie sich unter anderem auf neu zugängliche vatikanische Dokumente aus der Zeit des Pontifikats von Papst Pius XII.

Ackermann hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe zunächst eine zweite Historikerkommission angekündigt. Nun sollen stattdessen Experten, darunter Wissenschaftler, Pallottiner und Schönstatt-Mitglieder, den Fall neu untersuchen. Sie seien in ihrer Arbeit freier und müssten nicht vatikanischen Auflagen wie etwa Geheimhaltung folgen.

Kentenichs Bewegung

Noch seien die angefragten Experten und das Bistum dabei, Arbeitsaufträge zu bestimmen. Wer dazu zählt, teilte das Bistum auf Anfrage nicht mit. Eine erste Historikerkommission, die für jedes Seligsprechungsverfahren vorgesehen ist, hatte 2007 ihre Arbeit abgeschlossen.

Die Schönstatt-Bewegung ist eine katholische geistliche Gemeinschaft, der sich eigenen Angaben zufolge bundesweit rund 20.000 Menschen zugehörig fühlen. Gegründet wurde sie 1914 in Schönstatt, einem Stadtteil von Vallendar bei Koblenz. Nach dem Zweiten Weltkrieg breitete sich die Bewegung international aus.

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