Gott kommt in meine kleine Welt

Warum die Hirten die ersten an der Krippe waren

„Der Messias ist geboren!“ Diese Freudenbotschaft verkündet der Engel des Herrn nicht im Getümmel auf einem Marktplatz, sondern ein paar Hirten auf freiem Feld. Warum bloß?

Sie waren die Ersten, die es erfuhren, mitten in der Nacht. Einfache Leute, ohne Dach über dem Kopf. Irgendwo, „auf freiem Feld“ heißt es, hatten sie ihr Lager aufgeschlagen: die Hirten. Um sich herum ihre Tiere. Kalt wird es gewesen sein, vielleicht haben sie sich Dönekes erzählt, um nicht einzuschlafen. Damit sie wach blieben und ihrer Herde nichts passierte.

Warum sie? Warum da draußen? Warum ist der himmlische Botschafter nicht tagsüber auf dem Marktplatz von Bethlehem erschienen, damit viele Menschen ihm hätten zuhören und seine Nachricht weitererzählen können?

Sie waren die Erstbesten

Wenn man das Weihnachts-Evangelium nach Lukas liest oder hört, scheint es fast so, als wäre der Weihnachts-Engel zufällig an die Hirten geraten – weil sie eben „in jener Gegend“ lagerten. Oder sie waren im Wortsinn die „Erstbesten“.

Diese Botschaft musste raus in die Welt, sofort, ohne Umwege: „Stellt euch vor: Der Messias ist geboren! Hier um die Ecke ist er zur Welt gekommen! Ihr könnt euch selbst davon überzeugen: Ihr erkennt ihn daran, dass er in Windeln in einem Futtertrog liegt. Halleluja!“

Die Hirten gehen einfach drauflos

Die Bibel schweigt sich darüber aus, was die Hirten von dieser himmlischen Ansage gehalten haben. Lukas überliefert nur, dass sie sich – was keinen wundern dürfte – schrecklich gefürchtet haben, als plötzlich dieser Engel erschien und sie – was jeden wundern dürfte – vom „Glanz des Herrn umstrahlt“ wurden.

Die Hirten aber sagen nichts, gar nichts. Sie fragen nicht, sie haken nicht nach, sie machen sich einfach auf den Weg. Anders als die Weisen aus dem Morgenland folgen sie keinem Stern, und da der Engel wieder verschwunden ist, kann auch er sie nicht führen. Die Hirten gehen einfach drauflos und halten Ausschau: nach einem Baby in Windeln in einem Futtertrog.

Stallgeruch à la Franziskus

Und das soll der Messias sein. Mit etwas Abstand betrachtet, wirkt das ganz schön bizarr. Tatsächlich aber geht es hier nicht ums Suchen. Es heißt nur, dass sie alles so fanden, wie es ihnen gesagt war. Da erst beginnen die Hirten, selber zu erzählen, von dem Engel und seiner Botschaft. Sie, die einfachen Leute, sind die ersten Zeugen dafür, dass Gott Mensch geworden ist.

Dass die Hirten und natürlich alle Christen nach Stall riechen sollen, wie Papst Franziskus sagt, bekommt hier noch einmal einen ganz eigenen Sinn. Auch wenn Weihnachten ein Fest ist – Gott kommt in meine kleine Welt, in mein Leben, so armselig es sein mag.