Von Agentur für Arbeit ins Gemeinde-Praktikum vermittelt

Warum eine Polen-Auswanderin Pastoralreferentin werden möchte

Im Altenheim hat sie das eben noch erlebt. Bei einem Besuch mit Marianne Etrich. Barbara Zimon hatte die Pastoralreferentin dorthin begleitet, als Praktikantin. „Dabei habe ich gesehen, wie wichtig die Gespräche mit einer Seelsorgerin für die Bewohner sind.“

Zu Hause in Polen bleibt für solche Besuche meist keine Zeit. „Weil die Priester zu viel zu tun haben, gerade mal Eucharistie feiern und vielleicht noch die Beichte hören können.“ Auch in Polen gehe die Zahl der Priester zurück. „Aber die Aufgaben bleiben.“

So etwas gibt es in Polen gar nicht

Und Gemeinde- oder Pastoralreferenten? „So etwas gibt es in Polen nicht.“ Die 42-Jährige Mutter von zwei Kindern schüttelt den Kopf. Im Theologiestudium hatte sie zwar davon gehört. Auch, dass das eines Tages vielleicht mal in ihrer Heimat kommen werde. „Aber geändert hat sich bisher nichts.“

Und jetzt überlegt Zimon, ob  Seelsorgerin nun doch ein Weg für sie sein könnte – aber eben nicht in Polen, sondern in Deutschland. Dorthin ist sie vor vier Jahren mit ihrem Mann, ausgewandert, seit vier Monaten lebt die Familie in Delmenhorst.

Sie hat eine Grundschule geleitet

Barbara Zimon wollte das nicht: eine Ehe auf Entfernung. „In Polen gibt es das oft“, sagt sie. „Die Männer arbeiten im Ausland und die Frauen sindallein mit den Kindern.“ Also ging sie mit, als ihr Mann 2015 Arbeit als Ingenieur in Hessen fand.

Ihr Lebenslauf zählt auf, was die staatliche geprüfte Lehrerin damals aufgab: eine feste Stelle als Leiterin einer Grundschule, vorläufiger Höhepunkt ihrer Karriere, für die sie mit ihrem Studium den Grundstein gelegt hatte: mit einem Magisterabschluss in Theologie an der Theologischen Fakultät in Breslau, einem als Diplom-Kirchenmusikerin an der Universität Oppeln und einem so genannten Theologie-Licentiat, ebenfalls von dort.

Die Familie wohnt in Delmenhorst

Abschlüsse – für die in ihrer neuen Heimat in Mittelhessen kein Bedarf bestand. So dass Barbara Zimon auf Fertigungsmitarbeiterin und Technische Zeichnerin umsattelte. Nur nebenbei leitete sie einen Chor und spielte die Orgel in ihrer hessischen Gemeinde – bis die Eheleute nach vier Jahren ihre Arbeit wieder verloren.

Nach einigem Hin und Her fand ihr Mann endlich eine neue Arbeit in Bremen. Sodass die Zimons mit ihren beidenKindern im August nach Delmenhorst zogen – und Barbara Zimon über die Agentur für Arbeit ein vierwöchiges Orientierungs-Praktikum in der St.-Marien-Gemeinde in Delmenhorst zugewiesen bekam.

Sie will sich bewerben

Sie hat in dieser Zeit Senioren besucht, war bei der Erstkommunion-Vorbereitung dabei, bei Dienstbesprechungen und hat den Bußgottesdienst mitgestaltet.

„Viele Bereiche kenne ich aus Polen, wo ich das neben meinem Beruf als Lehrerin übernommen habe. Das ist in Polen üblich und wird erwartet“, erklärt sie.

Zimon: Ich bin bereit

Und? Kann sie sich nach vier Wochen Praktikum vorstellen, sich im Bistum Münster um eine Stelle in der Seelsorge zu bewerben? Barbara Zimon nickt. „Das kann ich mir gut vorstellen. Auch wenn ich weiß, dass ich noch viel an Ausbildung und Vorbereitung absolvieren muss. Aber dazu wäre ich bereit.“