Katholischer Welttag der Kranken am 11. Februar

Warum Krank-Sein durchaus gesund ist

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Die fiesen Seiten des Winters nehmen so ziemlich jeden in Beschlag und hauen selbst den härtesten Brocken um. „Normal“ sind laut Medizinern  bei Erwachsenen sogar zwei bis vier grippale Infekte pro Jahr. Doch sie verändern alles: Sofa statt Schreibtisch, Wärmflasche statt Werkbank, Dauerschlaf statt Dauerstress. Im Großen und Ganzen alles kein Drama, sagt ein befreundeter Arzt weise schmunzelnd: „Mit Medikamenten geht das für gewöhnlich nach einer Woche wieder weg, ohne Medikamente dauert es sieben Tage.“

Dennoch: Selbst eine prinzipiell harmlose Erkältung macht uns unmissverständlich klar, dass kein Mensch nur stark, immer gesund, dauerhaft widerstandsfähig ist. So gut es sich anfühlt, fit und strotzend vor Energie durchs Leben zu hüpfen – wer die schwachen Zeiten einfach ausblendet, macht sich was vor. Und vor allem: Das ist keine Frage des Alters!
Unsere Gesellschaft ist spitze – auch im Verdrängen von Krankheit und Schwäche. Wenn eine Krankenkasse sich „Gesundheitskasse“ nennt, ist die Botschaft klar: Das Unangenehme wird ausgeklammert. Stattdessen geht der Blick vor allem auf die Erhaltung der Gesundheit. Das ist nicht nur schöner, das kommt auch billiger. Anders gesagt: „Bleiben Sie gesund, tun Sie uns den Gefallen.“

„Das ist doch krank!“

Wie verletzend und ausgrenzend Gesundheitswahn oder Schwächeangst sein können, lässt sich an einer Redewendung erkennen, die längst nicht nur von Jugendlichen verwendet wird: „Das ist doch krank!“, sagt man, um seine Missbilligung über einen Sachverhalt, eine Meinung oder Handlung einer Person auszudrücken. Krank ist demzufolge nicht nur „nicht normal“. Vielmehr: Was überhaupt nicht geht, was unzumutbar, völlig falsch, skandalös ist – das ist krank. Krank heißt also nicht nur nicht gesund. Der Kranke ist inakzeptabel.

Wie müssen sich chronisch oder schwerkranke Menschen angesichts solcher Wortungeheuer fühlen! Doch offenkundig sind Skandalisierung und Diskriminierung von Krankheit  und Kranken keine Erfindung unserer Zeit. Auch das Neue Testament berichtet von stigmatisierten Leiden quer durch alle medizinischen Fachbereiche: Jesus hat es mit orthopädischen Fällen zu tun, mit dermatologischen, gynäkologischen, neurologischen, psychologischen. Und mit der vermeintlichen „Ersten Hilfe“ der Leute: weg mit den Kranken, vor die Tore der Stadt, aus dem Blick, aus dem Sinn mit diesen unerträglichen Unberührbaren!

Der Manko-Messias

Es hat mich immer bewegt, dass Jesus eben nicht der militärische Umstürzler war, nicht der esoterische Theoretiker und schon gar nicht der perfekte Riten-Vollzieher. Er war vielmehr ein berührender Liebhaber der Unnormalen, der Nicht-Gesunden, Nicht-Starken. Christus ist der Manko-Messias, der Heiland für die Unheilen. Und er nimmt sich ihr Leid derart zu Herzen, dass er es selber durchlebt: Ausgrenzung, Schmerz, Sterben, Tod.

Christen allemal dürfen deshalb Schwächlinge sein. Wie jeder in dieser Gesellschaft seine Schwächen hat, auch wenn er sie verbirgt und nicht selten sogar dazu gezwungen wird. Die christliche Botschaft und damit die Kirche hat also nicht nur einen schwachen Moment, wenn sie sich hier und da oder zum Weltkrankentag am 11. Februar mit den Geschwächten und Schwachen solidarisiert. Im Gegenteil: Es ist ihre Stärke, allen ihre Schwachheit und Begrenztheit vor Augen zu führen. Und zu zeigen: Seht, so ist der Mensch.