Kirche+Leben Lexikon

Was sind Katholikentage?

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Katholikentage sind Treffen katholischer Christen, bei denen religiöse, politische und gesellschaftliche Fragen erörtert werden. Sie finden seit 1950 in einem Rhythmus von zwei Jahren statt. Der 1994 in Dresden veranstaltete Katholikentag war das 92. Treffen dieser Art und das erste gemeinsame Treffen deutscher Katholiken in der ehemaligen DDR.

Von Katholikentagen gingen zahlreiche Impulse für Kirche und Gesellschaft aus, zum Beispiel für die Entwicklung einer katholisch-sozialen Bewegung, für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, u.a. durch die Gründung des katholischen Siedlungswerkes und für die Integration der Heimatvertriebenen.

Seit einigen Jahren prägt vor allem die Jugend mit ihrem Eintreten für Frieden, Umweltschutz und stärkere weltweite Verantwortung aber auch durch interne Kirchenkritik die Katholikentreffen. Teilweise gingen die Jugendlichen unter dem Titel „Katholikentag von unten“ in Konfrontation gegenüber dem offiziellen Veranstalter, dem 1952 gegründeten Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Der erste Katholikentag fand 1848 in Mainz statt. Damals nahmen die Katholiken für sich die bürgerlichen Freiheiten in Anspruch, die in der „Märzrevolution“ desselben Jahres errungen worden waren, organisierten sich auf der Grundlage von Versammlungs-, Vereins- und Pressefreiheit und forderten Religions- und Gewissensfreiheit.

Während des so genannten Kulturkampfes in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts artikulierte sich auf Katholikentagen vor allem der Widerstand gegen Bismarck und den Liberalismus.

In der Zeit des Nationalsozialismus fanden keine Katholikentage statt. Der 1933 im schlesischen Gleiwitz Geplante wurde abgesagt, nachdem der preußische Ministerpräsident und Innenminister Hermann Göring die Durchführung von einer „Treueerklärung für Führer und Reich“ abhängig gemacht hatte. Der erste Katholikentag nach dem Krieg war erst wieder 1948.