Pastoralplan in Pfarrei Seliger Niels Stensen Lengerich verabschiedet

Weihbischof Hegge: Über Jesus nicht im Keller reden

Nach vier Jahren Reden, Planen und Schreiben hat die Pfarrei Seliger Niels Stensen Lengerich ihren Pastoralplan verabschiedet. Bei einem Besuch der Gemeinde forderte Weihbischof Christoph Hegge die Gläubigen am Donnerstagabend dazu auf, mutiger im Alltag zu sein: „Uns ist es peinlich, über Jesus zu reden", beklagte Hegge. Offenbar peinlicher, als beim Discounter einzukaufen, oder uns beim Public Viewing zu besaufen: „Schämen wir uns für Jesus?“, fragte er in der Pfarrkirche St. Margareta.

Der Glaube solle nicht „Sachglaube“ bleiben: „Reden wir auch im Alltag darüber, dass unser Handeln in einer Verbindung mit Jesus steht: Wenn ich zur Arbeit fahre, tue ich das mit Jesus, wenn ich das Essen für andere zubereite, oder wenn ich bete.“ In der katholischen Kirche falle vielen Menschen der selbstverständliche Umgang mit dem Glauben immer noch schwer: „Wir machen unseren Glauben lieber mit uns privat aus. Wir reden über Jesus nur im Keller.“

Zusammenbruch katholischen Lebens

Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde das Leben der Katholiken im Bistum Münster drastisch zusammenbrechen, mahnte Hegge, der seine zweitätige Visitation auch dazu nutzte, sich die kleineren Standorte der Gemeinde in Lienen und Leeden anzusehen: „Das liegt nicht an den vielen Engagierten, sondern weil wir die Chance verpasst haben, über die Frohe Botschaft zu reden.“

Auch die Bischöfe und Priester hätten es in den letzten 2.000 Jahren nicht geschafft die Kirche kaputt zu machen: „Es gab immer Menschen, denen das Herz für Jesus brannte“, beendete der Regionalbischof für Borken und Steinfurt seine Predigt.

Prälat Kossen: Hoffe, dass sich viele aufregen

Nach dem Gottesdienst kamen rund 50 Gemeindemitglieder zu einem „Abend der Begegnung“ mit dem Weihbischof im Gemeindezentrum St. Margareta zusammen. Den neuen Pastoralplan, den es als handliche Karte, als Buch und im Internet gibt, stellte der Pfarreirats-Vorsitzende Daniel Narberhaus vor. Unter dem Namen „Eins in Dir“ liegt er in Zukunft in allen Kirchen Lengerichs, Lienens, Ladbergens und Tecklenburgs aus.

Elf „Wege“ beschreiben die Schwerpunkte der flächenmäßig größten Gemeinde im Bistum Münster. Von Nächstenliebe über Ziele der Ökumene bis hin zur Bewahrung der Schöpfung reichen die Themen. Unter „Einladung zum Glauben“ werden beispielsweise ab sofort Tauffamilien eingeladen, sich in Familienkreisen besser zu vernetzten. Auch ein Glaubenskurs für Erwachsene soll angeboten werden.

Der Lengericher Pastoralplan als PDF.

Für Prälat Peter Kossen, Pfarrer der Gemeinde, bedeutet der Pastoralplan kein Schlusspunkt: „Ich hoffe, dass sich viele mit dem Plan auseinandersetzten, Rückmeldung geben, und dass sich auch viele aufregen!“ So bleibe Gemeinde lebendig und könne auch weiterhin auf Entwicklungen reagieren.