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Autorin verrät Details über achten Münsterland-Krimi

Wenn ein Pfarrhaus zum Tatort wird - neuer Streffing-Krimi ist da

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Darauf haben viele gewartet. Die erfolgreiche Krimi-Autorin Helga Streffing hat ihren achten Münsterland-Krimi fertiggestellt: „Tod unterm Kirchturm“. Im Interview verrät die Autorin, was die Handlung mit den beteiligten Personen so spannend macht.

Frau Streffing, gemordet wurde in ihren bisherigen sieben Müns­terland-Krimis an diversen Orten, ob in einer Schule, einem Internat oder auf einem Bauernhof. Jetzt wird ein Pfarrhaus zum Tatort. Was hat Sie dazu gebracht?

Ich finde, ein Pfarrhaus ist ein ideales Setting für einen hoffentlich spannenden Krimi. Gemeindemitglieder, Haupt- und Ehrenamtliche treffen im Pfarrbüro, Gruppenräumen, Saal oder Bibliothek aufeinander, oft wohnt der Pfarrer im Obergeschoss.

Da gibt es die Harmoniesüchtigen und die Missgünstigen. Wer kann am besten mit dem neuen Pfarrer? Wer drückt sich immer vor der Arbeit? Die einen wollen, dass alles in der Kirche so bleibt, wie es immer war. Die anderen sind frustriert, dass es eher rückwärts als vorwärts geht. Eine brodelnde Gemengelage, in der sich viele Verdächtige tummeln können.

Verraten Sie uns ein bisschen mehr: Worum geht es in „Tod unterm Kirchturm“?

Meine Hauptperson Schulpsychologin Hannah Schmielink engagiert sich an ihrem neuen Wohnort in der Kirchengemeinde, um Kontakte zu knüpfen. Schnell merkt sie, dass der neue, erzkonservative Pfarrer bei vielen seiner Schäfchen äußerst unbeliebt ist. Der plötzliche Tod der Pfarrsekretärin, eine Serie von mysteriösen Brandanschlägen und der vom Bistum geplante Abriss der Pfarrkirche bringen die Leute zusätzlich in Aufruhr.  

Während eine sommerliche Hitzewelle das Münsterland lähmt, ruft ein weiterer Todesfall im Pfarrhaus Hannahs Ehemann Jan und seine Kollegen von der Kripo auf den Plan. Es gibt reichlich Verdächtige: die Pastoralreferentin, den Küster und Organisten, die Sprecherin der KFD, die Leiterin der Bibliothek, die Lektorin, den stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstands und andere. Hannah ist vielen von ihnen begegnet. Sie weiß zu viel. Und steht plötzlich ganz allein da.

In der betreffenden Gemeinde gibt es auch ziemlich klare Kritik an konservativen Positionen, wie etwa der Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Warum war es Ihnen wichtig, diese Diskussion in Ihren Krimi einzubauen?

Die Forderungen des Synodalen Wegs unter anderem nach Weiheämtern für Frauen, Abschaffung des Zölibats und Teilen von Macht werden in der katholischen Kirche mittlerweile ziemlich breit getragen. Aber das sind ja erst mal nur Schlagworte. Wer der Kirche fern steht, weiß oft nicht, was es konkret bedeutet, wenn ein junger Pfarrer „überhaupt nicht mit den Leuten kann“, weil er „beziehungslos“ lebt, sich in eine abgehobene, veraltete Sprache und Messordnung flüchtet, die Pastoralreferentin nicht für voll nimmt, die völlig frus­triert die Stelle wechselt oder den Dienst quittiert. Ich möchte nachvollziehbar machen, wie es Menschen geht, die an solch verkrusteten Strukturen leiden. Und damit meine ich nicht zuletzt auch die Pfarrer, die zunehmend von psychischen Erkrankungen und Suchtproblemen betroffen sind, sich eine Auszeit nehmen müssen, um überhaupt wieder irgendwie funktionieren zu können.

Welche Bedeutung haben Kirche und Glaube für Sie?

Buch-Tipp:
Tod unterm Kirchturm
„Tod unterm Kirchturm“, Helga Streffing (312 Seiten, 14 €, ISBN 978-3-944974-67-5) können Sie hier bei unserem Partner Dialog-Versand bestellen. Kontakt per Telefon 0251/4839-210 oder Mail service(at)dialogversand.de

Als Jugendliche habe ich mich von Glauben und Kirche entfernt, bin dann aber in den 80er Jahren in den kirchlichen Schuldienst „geraten“ und habe schnell gemerkt, dass dort ein anderes Klima herrscht als an vielen anderen Schulen: Schüler*innen werden als Menschen wertgeschätzt, Schwache unterstützt, ein gutes Miteinander im Kollegium und zur Schulleitung gepflegt. Verantwortlich dafür sind Menschen, die sich an christlichen Werten orientieren. Diese Erfahrung hat mich geprägt und dem Glauben wieder näher gebracht. Besonders beeindruckt haben mich die Schulgottesdienste, die den Alltag von Schüler*innen und Lehrer*innen thematisieren und unter Gottes Segen stellen.

So stelle ich mir die Zukunft vor: Weil Menschen ihre Gemeinden immer weniger aufsuchen, geht Kirche dahin, wo sie arbeiten, zur Schule gehen, sich treffen, geheilt und gepflegt werden oder trauern.

Erstmals spielt Ihr neuer Krimi in Altkirchen, einem Ort, den es im Münsterland gar nicht gibt. Warum?

Nachdem meine Krimis von Ascheberg und Münster bis Rheine, von Epe und Gescher bis Tecklenburg schon in fast allen Ecken des Münsterlands und sogar in Israel (wo Hannah und Jan auf Hochzeitsreise sind) spielten, fehlte mir nur noch das östliche Münsterland, wo ich zum allerersten Mal einen fiktiven Ort geschaffen habe. Auf gar keinen Fall möchte ich nämlich, dass irgendwer auf die Idee kommt, meine Hauptfiguren seien identisch mit konkreten Personen in einer bestimmten Gemeinde. „Altkirchen“ liegt irgendwo zwischen Everswinkel, Telgte, Drensteinfurt und Warendorf, wo ich mich mit großer Freude per Fahrrad auf Recherche-Tour begeben habe, um den Leser*innen wieder sehenswerte Orte im Münsterland vorzustellen.

Wegen Corona mussten in letzter Zeit viele Ihrer beliebten Lesungen ausfallen. Wie sieht es heute aus?

Nach fast zwei Jahren ohne Veranstaltungen fand im September 2021 die Premierenlesung von „Tod im Nachbarhaus“ im Sandsteinmuseum von Havixbeck statt. Dann ging es Schlag auf Schlag: Am lodernden Kaminfeuer eines Heimathauses in Rheine, im Stift Tilbeck, im Lea-Drüppel-Theater in Haltern, in einer winterlich kühlen Kirche mit leckem Dach in Ochtrup und anderswo erwarteten mich Zuhörer*innen, die genauso begeistert waren wie ich, dass es endlich wieder losging. Ich habe jede einzelne Sekunde genossen.

Für den Herbst sind schon einige Termine geplant. In Münster lese ich zum Beispiel in der Justizvollzugsanstalt, in Rheine im neuen Quartier der Stadtbibliothek. Wie die Veranstalter hoffe ich natürlich, dass Corona uns keinen Strich durch die Rechnung macht.

Schon bei Ihrem letzten Krimi vor zwei Jahren haben Sie gesagt, Ihnen gefalle der Ruhestand ganz gut. Jetzt gibt es doch noch einen achten. Werden wir weiter von Hannah Schmielink und ihren Mordfällen lesen?

Ehrlich gesagt fällt mir zurzeit absolut kein Thema ein, das die ganze Mühe des Schreibens lohnen würde. Vielleicht war es das also mit Hannah und Jan. Sie werden auch allmählich zu alt, um solch anstrengende Fälle zu lösen.

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