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Projekt des Ehemaligenvereins des Gymnasiums St. Michael

Wiederbelebung: Marienstatue soll zurück in Ahlener Lourdesgrotte

  • Auf dem Gelände des Bildungscampus St. Michael Ahlen befindet sich versteckt eine Lourdesgrotte.
  • In den 1970er Jahren ist die Marienstatue von dort entfernt worden.
  • Jetzt will der Ehemaligenverein des Gymnasiums die Lourdesgrotte wiederbeleben.
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Wer auf dem Gelände des Bildungscampus St. Michael in Ahlen mit alten und neuen Schulgebäuden steht, vermag nicht zu ahnen, was nur wenige Meter weiter umgeben von einem dichten, fast undurchdringlichen Baumbestand schlummert. Wenn man die kleine Brücke über das Flüsschen Olfe überquert, empfängt den Eindringling ein geheimnisvolles Dickicht. Der Weg führt zu einem fast schon vergessenen Ort: der Lourdesgrotte des ehemaligen Klosters der Schwestern unserer lieben Frau.

Als Lourdesgrotte werden Mariengrotten bezeichnet, die Nachbildungen der Grotte von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich und Unserer lieben Frau von Lourdes darstellen. In dieser Grotte sah 1858 die heilige Bernadette die Muttergottes. An der Stelle der Marienerscheinungen ziert eine Madonnenfigur die Grotte. Der Marienwallfahrtsort Lourdes liegt in den französischen Pyrenäen und wird jährlich von sehr vielen Menschen besucht, darunter auch Kranke, die auf Heilung hoffen. Das Andachtsbild der Muttergottes hat – nicht nur in Frankreich – weite Verbreitung gefunden, allerorts wurden von Gläubigen Lourdesgrotten errichtet. Allein in Deutschland finden sich um die 200 Grotten dieser Art.

Vier Lourdesgrotten im Kreis Warendorf

Postkarte der Lourdesgrotte in Ahlen. | Foto:
Postkarte der Lourdesgrotte in Ahlen. | Foto: privat

Im Kreis Warendorf gibt es vier Lourdesgrotten: neben Ahlen auch in Freckenhorst auf dem Gelände des ehemaligen Klosters zum Heiligen Kreuz (jetzt Caritas-Seniorenheim) und in der Bauerschaft Schuter in Everswinkel am Hof Deipenbrock und in Wadersloh-Diestedde in unmittelbarer Nähe zur Kirche St. Nikolaus.

Um die Lourdesgrotte im Park des Bischöflichen Gymnasiums St. Michael rankt sich eine ganz besondere (Entstehungs-)Geschichte. Ausgangspunkt ist seinerzeit die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens von 1908 und die Anerkennung der Oberstufe.  Die Schwestern versprechen, wie aus den Annalen hervorgeht: „Aus der Erfahrung der Schwestern, dass die Schulgründung in Ahlen nicht bei allen zuständigen Regierungsvertretern auf Wohlwollen stieß – die Anerkennung als Höhere Mädchenschule im Entstehen galt nur für die Mittelstufe – nahmen sie ihr Vertrauen im Gebet zu Maria und versprachen den Bau einer Lourdesgrotte, wenn die Schule nach den notwendigen Revisionen als Oberlyzeum anerkannt würde.“ Die Anerkennung der beantragten Oberstufe wird für Ostern 1913 in Aussicht gestellt.

Pfarrer leitet Bauarbeiten für Lourdesgrotte

Lourdesgrotte in Ahlen früher
Die Lourdesgrotte auf dem Gelände des Bildungscampus St. Michael in Ahlen war jahrzehntelang eine Station einer Fronleichnamsprozession.| Foto: privat

Am Tage nach dem Versprechen der Schwestern überbringt ein Postbote 1000 Reichsmark zur Erfüllung ihres Versprechens. Am 12. Februar 1912 darf sich die Schule „Lyzeum der Schwestern Unserer Lieben Frau zu Ahlen i. Westf.“ nennen, aber eben nicht „Oberlyzeum“. Die Erreichung des Abiturs an St. Michael wird erst nach 1947 möglich.

Ein Pfarrer Sudowe aus Werlte bei Hannover entwirft den Plan für die Lourdesgrotte und leitet auch die Bauarbeiten. Die Anlage wird aus einem gebrannten Stein errichtet, der offensichtlich aus einem Hochofen stammt, von denen es einige in der Emaille-Stadt Ahlen gibt. Die Steine müssen hin und wieder nach Erkalten des Schmelzofens ersetzt werden. Die durch die Schmelzhitze gebogenen und mit Schlacke besetzten Steine werden für den Bau der Grotte verwendet. Sie geben der Anlage ein sehr naturgetreues Erscheinungsbild. Am 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Marias, wird die Grotte schließlich eingeweiht. In einer Nische steht eine Marienstatue, ein Geschenk der sogenannten „Marienkinder“ von St. Michael. In den Annalen steht, dass die Namen aller Bewohner St. Michaels zu Füßen der Gottesmutter in einer Urne eingemauert sind.

Marienstatue soll zurückkehren

Lourdesgrotte in Freckenhorst. Foto: Maria Kessing
Im Kreis Warendorf gibt es vier Lourdesgrotte. Eine davon steht in Warendorfer Ortsteil Freckenhorst. | Foto: Maria Kessing

Wahrscheinlich in den 1970er Jahren wird die Marienstatue entfernt, vermutlich als die inzwischen denkmalgeschützte Grotte nicht mehr Segensaltar bei den Fronleichnamsprozessionen ist. Heute gleicht die Grotte einem Dornröschenschloss, das erweckt werden möchte. Dafür setzt sich der Vorsitzende des Ehemaligenvereins, Gerd Buller, ein. Er war bis Juli 2012 stellvertretender Schulleiter am St. Michael und ist „seiner“ Schule immer noch sehr verbunden.

Buller und viele andere möchten die Grotte wieder mit einer Marienstatue schmücken, damit sie als Ort der Einkehr und Stille Menschen Trost spenden kann. Und er will dem Geheimnis um die Urne mit der Widmung aller Bewohnerinnen von St. Michael aus dem Jahr 1912 auf der Spur bleiben.

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