Vollversammlung erneuert Forderung nach Segnung für homosexuelle Paare

ZdK ringt um Satzung für Synodalen Weg – und stimmt zu

Spannung bis zum Schluss. Am Freitagnachmittag wollte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) bei seiner Vollversammlung in Bonn über die Satzung des Synodalen Wegs abstimmen. Dieser Schritt war nötig, um den Dialog zur Zukunft des kirchlichen Lebens wie geplant zum 1. Dezember in Gang zu bringen. Doch einige Teilnehmer hatten noch Redebedarf. Einmal mehr wurden die Herausforderungen sichtbar, vor denen die Kirche in Deutschland steht.

Da war von Kräften die Rede, die den Dialog zwischen Laien und Bischöfen stoppen wollen, bevor er überhaupt beginnt. Da wurde der Trierer Bischof Stephan Ackermann ins Feld geführt, dessen Pfarreireform vorerst aufgrund eines Votums aus dem Vatikan auf Eis gelegt wurde. Und da offenbarte ein Änderungsantrag von Karl zu Löwenstein die Konfliktlinien hinter den Kulissen. Statt Diskussionen um Struktur und Verfasstheit von Kirche solle die von Papst Franziskus geforderte „Neuevangelisierung“, also die Verkündung der Botschaft Jesu, stärker in den Mittelpunkt rücken.

„Vielleicht die letzte Chance auf Erneuerung“

Sollten die von Löwenstein geforderten Satzungsänderungen eine Mehrheit im Plenum bekommen, verschiebe sich der Start des Synodalen Wegs um mindestens ein halbes Jahr, gaben die ZdK-Vizepräsidentinnen Karin Kortmann und Claudia Lücking-Michel zu bedenken. Fast flehentlich warb eine Vertreterin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands um Zustimmung zur Satzung. Es sei „vielleicht die letzte Chance auf Erneuerung“. Am Ende gaben die Mitglieder der Vollversammlung mit großer Mehrheit bei 17 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen grünes Licht für den Reformdialog.

Ein Blick auf die Nachrichtenlage zeigt, welchen Fliehkräften die Kirche in Deutschland aber auch andernorts ausgesetzt ist – und das nicht nur aus Sicht jener, die auf Reformen drängen. Grundsätzlich sei nichts Schlechtes an dem Synodalen Weg, gab beispielsweise Kurienkardinal Robert Sarah in Kloster Weltenburg zu Protokoll, fügte jedoch hinzu: „Wenn eine Synode darauf abzielt, die Lehre zu verändern, dann ist sie keine Synode mehr.“

Hohe Erwartungen an Synodalen Weg

Dabei sind die Erwartungen an die zunächst auf zwei Jahre befristete Initiative hoch. Die Zulassung von Frauen zur Diakonenweihe, Lockerungen bei der verpflichtenden Ehelosigkeit von Priestern, eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit sind nur einige der Forderungen, die im Vorfeld kursierten – obwohl alle Verantwortlichen unisono betonen, keine Ergebnisse der Gespräche vorwegnehmen zu wollen.

Verabschiedet hat die Vollversammlung des ZdK ein Papier zur Segnung von lesbischen und schwulen Paaren. Wenn solche Paare für ihr gemeinsames Leben den „kirchlich vermittelten Segen Gottes“ wünschten, dürften diese nicht abgewiesen werden, heißt es darin. Andernfalls schaffe die Kirche „Härten“ und mitunter „existenzielle Notsituationen“.

ZdK: Keine Verwechslungsgefahr mit Trauung

Nach geltender katholischer Lehre kann es das Sakrament der Ehe nur zwischen Mann und Frau geben. Die Kirche beruft sich dabei vor allem auf die biblische Überlieferung und das sogenannte Naturrecht, nach dem der Geschlechtsakt immer auch auf Zeugung von Nachkommen ausgelegt sein muss. Der katholische Katechismus fordert deshalb Homosexuelle zur Keuschheit auf. Gleichzeitig mahnt das für Glaubensfragen maßgebliche Lehrbuch, den Betroffenen „mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen“ und sie keinesfalls „in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen“.

Das ZdK hatte sich bereits 2015 prinzipiell für eine Segnung homosexueller Paare ausgesprochen. In dem jetzt verabschiedeten Papier bezeichnet das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien die theologischen Grundlagen, auf denen gleichgeschlechtliche Paare von Segnungsfeiern ausgeschlossen werden als überholt. Auch bestehe keine Verwechslungsgefahr mit der Sakramentenspendung in der Eheschließung.

Marx würdigt scheidenden Generalsekretär Vesper

Unterdessen steht an der Führungsspitze des ZdK ein Wechsel an. Am 1. Januar tritt Marc Frings die Nachfolge des langjährigen Generalsekretärs Stefan Vesper an. Dieser wurde am Freitagabend verabschiedet. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würdigte den 63-Jährigen mit den Worten, er habe seinen Dienst „fest im Glauben, beharrlich in der Sache und überzeugt vom Auftrag der Laien in der Kirche“ versehen.