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Marie Gerling aus Dinklage hat ihren Pferdeschwanz an das Projekt Rapunzel gespendet

Zopf ab am Tag vor der Firmung – für einen guten Zweck

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50 Zentimeter lang war der Pferdeschwanz von Marie Gerling. Doch sie überlegte, sich von ihm zu trennen. Einen Tag vor ihrer Firmung war es soweit - den letzten Ausschlag gab die Möglichkeit, mit der Aktion zu helfen.

Den Freundinnen und Freunden hatte Marie Gerling vorher nichts davon erzählt: dass sie ausgerechnet einen Tag vor der Firmung einen radikalen Schnitt in ihrem Leben plante, einen Schnitt im wahrsten Sinn des Wortes. Kurz und völlig schmerzlos zwar, aber unübersehbar. Nach zehn Jahren trennte sie sich von dem, was bis dahin zu ihr gehört hatte: ihr 50 Zentimeter langer, dunkelbrauner, geflochtener Pferdeschwanz.

Die Gymnasiastin war gespannt. Auch weil sie sich fragte, wie wohl ihre Freundinnen und Freunde reagieren würden, wenn sie optisch so verändert in die Dinklager St.-Catharina-Kirche kommen würde.

Jede Menge Likes für die neue Frisur

Marie Gerling vor ihrem Friseurbesuch mit Zopf. | Foto: privat
Marie Gerling vor ihrem Friseurbesuch mit Zopf. | Foto: privat

„Manch einer hat sie vielleicht auch gar nicht erkannt“, sagt ihre Mutter lächelnd. Sie fand es ganz schön mutig, dass ihre Tochter sich derart verändert gleich in die Öffentlichkeit wagte. Doch ihre Sorge sei unbegründet gewesen, sagt Marie Gerling. Über Whatsapp und Co. gab es schnell jede Menge Lob und Likes für ihre neue Frisur. „Alle fanden das mega und haben sich mega für mich gefreut.“

Soll ich oder soll ich nicht? Lange Zeit hatte die 16-Jährige hin und her überlegt. Einerseits wünschte sie sich mal eine Veränderung. „Ich war schon länger unzufrieden mit meinen langen Haaren. Ich habe sie ja immer nur als Zopf getragen. Und im Sommer war es zu warm.“

Im Internet hatte sie auch schon nach „coolen Frisuren“ gestöbert. Andererseits sah sie durchaus die Vorteile eines Zopfs. Zum Beispiel, dass er so pflegeleicht war. „Zum Friseur musste ich nur ein, zwei Mal im Jahr.“

Anstoß gab Fernsehbericht über krebskranke Kinder

Den letzten Anstoß gab ein Fernsehbericht vor ein paar Wochen. Darin ging es um an Krebs erkrankte Kinder, die durch eine Chemotherapie ihre Haare verloren hatten und sich Perücken wünschten. Unter anderem ihnen will Marie Gerling mit ihren Haaren helfen.

„Beim Ansehen das Films ist mir noch einmal bewusst geworden, wie gut es mir geht“, sagt die Zehntklässlerin. Der Bericht wies auch  auf eine Möglichkeit hin, wie man helfen kann: mit einer Echthaar-Spende. Marie hat sich dafür das Rapunzel-Projekt des Bundesverbands der Zweithaar-Spezialisten (BVZ) herausgesucht. Der Verband sammelt und versteigert Haare und unterstützt mit dem Gewinn soziale Projekte.

Mindestens 30 Zentimeter lang muss das Haar sein

Marie Gerlings Zopf kurz nach dem Abschneiden. | Foto: privat
Marie Gerlings Zopf kurz nach dem Abschneiden. | Foto: privat

Mindestens 30 Zentimenter lang müssen die eingeschickten Zöpfe sein. Außerdem dürfen sie weder gefärbt noch auf andere Art und Weise chemisch behandelt sein. Da beides zutraf, war Marie Gerlings Entschluss schnell gefasst und der Termin beim Friseur gemacht.

Auch im Stuhl vor dem Spiegel hat sie nicht mehr gezögert. Bereut hat sie es ebenfalls nicht. „Ich fand es sogar recht angenehm, als die Haare weg waren, ein erleichterndes Gefühl“, freut sie sich im Rückblick.

Für ihre Mutter dagegen war es kein so ganz leichter Moment. „Als ich den Zopf in der Hand hielt, hatte ich ja ein Stück von Maries Kindheit in Händen“, sagt Elvira Schlarmann-Gerling. „Man berührt sie, man kämmt sie, man streichelt sie.“ Als sie die Schachtel mit der Haarspende auf die Post gegeben habe, „da habe ich ein Stück Kindheit weggeschickt“.

Marie Gerling wünscht sich Kontakt zu Betroffenen

Marie Gerling nach ihrem Friseurbesuch ohne Zopf. | Foto: privat
Marie Gerling nach ihrem Friseurbesuch ohne Zopf. | Foto: privat

Jetzt hofft Marie Gerling, dass ihre Haare einem krebskranken Kind das Leben angenehmer machen. Um darüber noch etwas mehr zu erfahren, hat sie ihrer Haarspende einen Brief mit ihren Kontaktdaten beigelegt. Vielleicht, so hofft sie, lässt sich damit ja sogar der Kontakt zu einem betroffenen Kind herstellen.

Und was würde sie anderen raten, die sich etwas Ähnliches wie sie überlegen. Sie lächelt. „Nicht lange nachdenken. Einfach machen!“

Das Projekt Rapunzel
Marie Gerling hat ihr Haar an die Aktion „Rapunzel“ gespendet. Die Haare werden für die Verwendung in Perücken versteigert und der Erlös an ein wohltätiges Projekt weitergeleitet. Vor einigen Jahren war das zum Beispiel das Kinderhospital Balthasar in Olpe. Im vergangenen Jahr kamen 230 Kilo Haare zusammen. Deren Auktion erbrachte 100.500 Euro. Nach Abzug der Ausgaben konnten anschließend 75.000 Euro das Hilfsprojekt „Achse“ für Patienten mit Seltenen Erkrankungen weitergeleitet werden. Nähere Informationen unter www.bvz-Rapunzel.de.

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