„Manches klingt wie aus dem Amtsblatt“

Akademiedirektor Dickerhoff kritisiert Kirchensprache

„Kirchensprache – Fachchinesisch – Gottespoesie. Wie sprechen wir vom Reich Gottes?“ lautet der Titel einer Fachtagung am 24. und 25. Mai in der Katholischen Akademie Stapelfeld. Vier Fragen dazu an Direktor Heinrich Dickerhoff.

Kirche+Leben: Herr Dickerhoff, was gehört für sie zu den Problemen von Sprache in der Kirche?

Heinrich Dickerhoff: Zum Beispiel der fahrlässige Umgang mit Begriffen. Vieles von dem, was im Lateinischen noch poetisch klingt, klingt nach der Übersetzung ins Deutsche eher wie aus dem Amtsblatt. Nehmen sie etwa das Wort „Credo“, also: „Ich glaube an“. Im Lateinischen bedeutet es  „Ich gebe mein Herz in“. Das ist schon etwas anderes als „Ich glaube an“. Mein Eindruck ist: Wir gehen in der Kirche relativ nachlässig mit Sprache um. Sowohl mit den Wörtern als auch mit dem Sprechen. Darüber wundere ich mich, da Glaube doch ein Hörereignis ist.

Brauchen wir also so etwas wie eine Modernisierung der Sprache der Kirche?

Heinrich Dickerhoff, Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld. | Foto: Michael RottmannHeinrich Dickerhoff, Pädagogischer Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld. | Foto: Michael Rottmann

Nein, Modernisieren wäre das Falsche. Aber Sprache muss intensiv werden, lebendig werden! Dazu gehört auch, zu überprüfen, ob unsere Begriffe heute überhaupt noch verstanden werden. Manche Worte haben einfach ihre Bedeutung verloren, sind aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwunden. Zum Beispiel „Barmherzigkeit“. Dieser Begriff kommt im Alltag einfach nicht mehr vor. Und wenn Begriffe nur noch in einem Kirchenkontext vorkommen, bewirken sie nichts mehr, lösen keine Bilder und Gefühle mehr aus.

Die Texte sind das eine, Ihnen kommt es aber auch auf das Sprechen selbst an, zum Beispiel wie Geschichten der Bibel vorgetragen werden.

Mehr über die Tagung „Kirchensprache - Fachchinesisch - Gottespoesie“ in der Katholischen Akademie Stapelfeld finden Sie hier.

Ja. Denn man kann durchaus lernen, Geschichten aus der Bibel oder andere religiöse Texte besser zu sprechen. Bei Märchen erlebe ich immer wieder, wie Menschen von ihrer Sprache berührt werden. Und dabei kommt es eben nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Art des Sprechens an. Ich frage mich: Warum wird die Bibel meistens einfach abgelesen? Oft mit falscher Feierlichkeit, die dann nur langweilig klingt.

Wem würden Sie die Fachtagung empfehlen?

All denjenigen Menschen, die ein Interesse daran haben, dass ihr Glaube und der der anderen nicht noch weiter verdunstet und die sich wünschen, dass die Kostbarkeit dieser Erfahrung weitergegeben wird. Und da sie in Sprache weitergegeben wird, muss man eben auch aufmerksam dafür sein.