Nach positiven Aussagen zum Thema Homosexualität

Bericht: Vatikan verweigert Jesuitenpater das Rektorenamt

Positive Aussagen zur Homosexualität und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare haben eine weitere Amtszeit von Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig (52) als Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen verhindert. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Frankfurter Rundschau“ (Montag) berichten, verweigert die Bildungskongregation im Vatikan dem Geistlichen das „Nihil Obstat“ (Unbedenklichkeitserklärung) und verlangt einen öffentlichen Widerruf seiner Positionen.

Ein Interview von 2016

Womöglich steckt dahinter ein Interview, das Wucherpfennig 2016 der „der Frankfurter Neuen Presse“ gegeben hatte. Auf die Frage des Interviewers, warum die katholische Kirche Homosexuellen gegenüber so eine ablehnende Haltung habe, hatte der Professor für Neues Testament biblische Verurteilungen von Homosexualität als „tiefsitzende, zum Teil missverständlich formulierte Stellen“ bezeichnet: „Homosexuelle Beziehungen in der Antike waren starke Abhängigkeits- und Unterwürfigkeitsverhältnisse“, erläuterte er in dem Interview. „Liebe sollte eine egtalitäre, freie Beziehung sein, keine mit Gefälle. Das wollte Paulus eigentlich sagen, so meine These.“

Wucherpfennig, der im katholischen Stadtdekanat Frankfurt auch als Homosexuellen-Seelsorger wirkt, sprach sich demnach für eine stärkere kirchliche Anerkennung von gleichgeschlechtlich Liebenden aus.

Ordensoberer und Bischof Bätzing stehen zu Wucherpfennig

Der Jesuitenorden in Deutschland sowie die katholischen Jugendverbände (BDKJ) kritisierten die Entscheidung des Vatikan. Auch der zuständige Limburger Bischof Georg Bätzing stellte sich vor Wucherpfennig. Er habe dessen Wiederwahl als Rektor „uneingeschränkt“ zugestimmt, sagte ein Bistumssprecher. Die Hochschule gehört zum Bereich des Bistums Limburg. Bätzing habe auch in Rom deutlich gemacht, dass „Bistum und Jesuitenorden gut beraten sind, an der bewährten Hochschulleitung festzuhalten“. Der Bischof gehe weiter von einer gütlichen Lösung aus.

Der Jesuitenprovinzial Johannes Siebner sagte den Zeitungen, er stehe uneingeschränkt hinter Wucherpfennig. In einem Antwortschreiben habe er sich „befremdet“ über das römische Vorgehen gezeigt. „An Pater Wucherpfennigs Expertise, seiner Loyalität und damit auch an seiner Eignung für das Rektorenamt bestehen für mich nicht die geringsten Zweifel.“ Wucherpfennig war zuvor mit großer Mehrheit in Sankt Georgen für eine dritte zweijährige Amtszeit wiedergewählt worden.

BDKJ bittet Papst Franziskus um Einsatz für den Rektor

Der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie rief Papst Franziskus auf, sich direkt einzuschalten und die Lehrerlaubnis zu gewähren. Der Fall habe eine große Signalwirkung, da die Hochschule Sankt Georgen wichtig für den theologischen Nachwuchs in Deutschland sei. Die Verweigerung der Lehrerlaubnis sei „unerträglich“ und ein Missbrauch von Macht. Wucherpfennig stehe für eine Kirche, wie sie sich viele junge Christen wünschten.