Nach Rücktrittsforderung des Saarbrücker Oberbürgermeisters Uwe Conradt

Bischof Ackermann dachte an Rücktritt: „Derzeit aber kein Grund“

  • Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat in vergangenen Jahren "mehrfach" an Rücktritt gedacht.
  • Das sei etwa geschehen, "weil diese Forderung an mich gestellt worden ist, oder auch, weil andere Bischöfe ihren Rücktritt angeboten haben", sagte Ackermann.
  • Zugleich betonte er trotz einer neuen Forderung dieser Tage: "Ich sehe derzeit keinen Grund, meinen Rücktritt anzubieten."

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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat in vergangenen Jahren "mehrfach" an Rücktritt gedacht. Das sei etwa geschehen, "weil diese Forderung an mich gestellt worden ist, oder auch, weil andere Bischöfe ihren Rücktritt angeboten haben", sagte Ackermann der "Saarbrücker Zeitung". Zugleich betonte er: "Ich sehe derzeit keinen Grund, meinen Rücktritt anzubieten."

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hatte als Reaktion auf den Zwischenbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier (UAK) Ackermann und seinen Vorgänger Reinhard Marx, seit 2008 Erzbischof von München, zum Rücktritt aufgefordert. Ackermann sagte, er werde sich der Frage nach Rücktritt "womöglich wieder zu stellen haben", wenn die UAK "die Amtszeit Ackermann untersucht". Es könne sein, "dass diese Frage dann nochmals virulent wird", so der seit 2009 amtierende Bischof von Trier.

Verwunderung über Rücktrittsforderung des Saarbrücker OB

Er habe sich bislang gegen einen Rücktritt entschieden, weil er der Überzeugung sei, "dass ich als Bischof und in den vergangenen zwölf Jahren als Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz durchaus mithelfen konnte, Verbesserungen zu erreichen, beim Thema Aufarbeitung, beim Thema Prävention". Ackermann (59) hatte im Mai erklärt, er wolle das Amt des Missbrauchsbeauftragten - das er seit 2010 innehat - zur Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz im September abgeben.

Dass Oberbürgermeister Conradt seinen Rücktritt fordert, ist aus Sicht Ackermanns "ein ungewöhnlicher Vorgang, der mich verwundert hat". Die beiden im UAK-Zwischenbericht geschilderten Fälle der Vertuschung von Missbrauch im Bistum Trier seien zwar gravierend und erschreckend, lägen aber viele Jahrzehnte zurück. "Das Vorgehen der damals Verantwortlichen im Bistum war ganz klar kriminell", betonte Ackermann.

Ackermann: Im Zwischenbericht kein Rücktrittsgrund

Der Kommissionsbericht zeige zugleich mit Blick auf sein eigenes Handeln als Bischof, "dass wir heute in einer ganz anderen Situation sind, dass wir mit dem Thema Missbrauch ganz anders umgehen". Der Bischof sagte, er könne im Bericht "nicht erkennen, dass es Hinweise gibt, die irgendwie unausgesprochen nahelegen, dass ich als Bischof meiner Verantwortung nicht gerecht geworden bin und deshalb zurücktreten sollte". Conradt hatte seine Rücktrittsforderung an Ackermann in dieser Weise begründet.

"Ich hätte es angemessener gefunden, dass der Oberbürgermeister, um seine Erschütterung zum Ausdruck zu bringen, mit mir per Telefon oder Brief Kontakt aufnimmt, so wie es viele Christen im Saarland tun", ergänzte Ackermann. "Wenn er dann den Eindruck gehabt hätte, das prallt am Bischof ab, hätte er immer noch die Öffentlichkeit suchen können." Bisher habe er mit Conradt noch nie ein längeres Gespräch geführt.