Mehr Austritte als im Jahr des Missbrauchsskandals

Bistum Münster: Austritte trotz Rückgangs auf hohem Niveau

Die Zahl der Kirchenaustritte im Bistum Münster bleibt trotz eines Rückgangs auf hohem Niveau: 2015 verließen im Bistum 9.794 Katholiken ihre Kirche, teilte die Bischöfliche Pressestelle am Freitag mit. Positive Zahlen meldet sie bei den Taufen und kirchlichen Trauungen.

Die Zahl von 9.794 Austritten bedeutet zwar einen Rückgang um 2.065 Austritte oder 17 Prozent im Vergleich zu 2014. Dennoch liegt die Zahl für ein Jahr ohne besondere Ereignisse in einer bisher ungewohnten Höhe. In „ruhigen“ Jahren seit der Jahrtausendwende verließen zwischen 5.000 und 7.000 Katholiken im Bistum Münster die Kirche. Selbst 2010, als flächendeckend Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche bekannt wurden, lag die Zahl der Austritte – damals 8.063 – unter dem Niveau von 2015.

Genn: Schmerzhafte Zahl – Keine Angaben zu Gründen

Bischof Felix Genn sprach mit Blick auf 9.794 Austritte von einer schmerzhaft hohen Zahl: „Das sollten wir nicht einfach so hinnehmen.“ Zu Gründen für das anhaltend hohe Niveau äußerte sich der Bischof am Freitag nicht. Angesichts der Verbesserung im Vergleich zu 2014 sagte Genn, er hoffe, man habe „den Tiefpunkt überschritten“.

Als positives Zeichen wertet er die Zahl von 14.317 Taufen im Bistum. Das waren 366 oder 2,6 Prozent mehr als 2014. Ebenso freut sich der Bischof über 3.650 kirchliche Trauungen im vergangenen Jahr – ein Plus von 61 oder 2,0 Prozent im Vergleich zu 2014.

Die Zuwächse liegen parallel – wenn auch leicht unterhalb – der Bevölkerungsentwicklung: Die Zahl der Geburten legte 2015 bundesweit um 3,2 Prozent zu. Die Zahl der standesamtlichen Trauungen stieg um 3,6 Prozent.

Weiterhin weniger als zehn Prozent Messbesucher

Leicht gesunken ist die Zahl der Messbesucher: 2015 besuchten im Bistum 183.442 Menschen sonntags die Gottesdienste, 6.325 weniger als 2014. Der Wert schwankt stets, da die Messbesucher an zwei Wochenenden stichprobenartig gezählt werden, eine Hochrechnung folgt. Wenn am Zähl-Wochenende in einem Jahr ein gut besuchter Familiengottesdienst stattfindet und im Folgejahr nicht, verändert das die Werte für die betroffene Pfarrei gleich für das ganze Jahr.

Ein Trend scheint sich gleichwohl zu verfestigen: 2015 besuchten 9,6 Prozent der Katholiken im Bistum Münster die Sonntagsmessen. Der Wert liegt im dritten Jahr in Folge unterhalb von zehn Prozent.

14.397 junge Katholiken wurden 2015 im Bistum gefirmt, nach 14.057 Firmlingen im Jahr zuvor. 15.864 Kinder gingen zur Erstkommunion, 2014 waren es noch 17.333 gewesen. Gestiegen ist die Zahl der kirchlichen Bestattungen – von 19.815 auf 20.308 im Jahr 2015.

Genn dankt engagierten Katholiken im Bistum

Bischof Genn betonte, gerade angesichts der Austrittszahlen wolle er den Katholiken im Bistum auch danken: „Danke, dass Sie Kirche sind, Danke, dass Sie dazugehören, obwohl diese Kirche nicht alle Ihre Erwartungen erfüllen kann.“ Genn lobte vor allem die vielen tausend ehren- und hauptamtlich Engagierten. Sie gäben „glaubwürdige Zeugnisse der frohen und das Leben bereichernden Botschaft Jesu“.

Der Bischof erneuerte den Anspruch, im Bistum Münster „eine einladende, mitten im Leben und unter den Menschen stehende Kirche“ sein zu wollen, die nicht für sich, sondern für andere und gerade für die Schwachen in der Gesellschaft da sei.

Mit 1,9 Millionen Katholiken Ende 2015 ist Münster laut Bischöflicher Pressestelle das Bistum mit den zweitmeisten Kirchenmitgliedern in Deutschland. Das Erzbistum Köln bleibt Spitzenreiter.