Im Bistum Münster auch weniger Messbesucher

Münsters Bischof Genn bedauert gestiegene Austrittszahlen

Den negativen Zahlen bei Gottesdienstbesuchen möchte Bischof Felix Genn unter anderem mit mehr Experimentierfreude und Mut entgegentreten. Am Freitag wurden bundesweit die kirchliche Statistik vorgestellt.

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Im Bistum Münster sind wie auch bundesweit wieder mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten. Bischof Felix Genn äußerte sich zuversichtlich: „Vor gut zwei Monaten haben wir in Münster den deutschen Katholikentag gefeiert. Kirche hat sich hier von ihrer besten Seite gezeigt: Einladend und fröhlich, diskussionsfreudig und zuhörend, mit begeisternden Gottesdiensten und vielfältigen geistlichen Angeboten.“ Das sei nicht nur seine Wahrnehmung. „Wie passt das zu den Zahlen, die einen Rückgang des kirchlichen Lebens zeigen und die gerade im Blick auf die hohe Zahl der Kirchenaustritte und die geringe Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher schmerzhaft sind?“


Anzahl der Gottesdienstteilnehmer und Anzahl der Taufen. | Grafik: Bischöfliche Pressestelle Münster

Offenbar gebe es eine Kluft zwischen dem Alltag und einer Großveranstaltung wie dem Katholikentag. Umso wichtiger ist es, dass der Katholikentag eine nachhaltige Wirkung in kirchlichem Alltag entfaltet. „Wie kann das gelingen?“ fragte Genn laut Mitteilung der Bischöflichen Pressestelle Münster am Freitag.

 

Deutlich weniger Austritte als 2013

 

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Bistum Münster im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen: 8.696 Katholiken erklärten ihren Austritt, das waren 582 (sieben Prozent) mehr als im Vorjahr, aber noch immer deutlich weniger als in den Jahren 2013 bis 2015. 400 Personen, die die Kirche früher einmal verlassen hatten, traten im Bistum Münster im vergangenen Jahr wieder in die katholische Kirche ein, hinzu kamen 229 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen.


Auszug aus der Bistums-Statistik. | Grafik: Bischöfliche Pressestelle Münster

Wie die Bischöfliche Pressestelle mitteilte, sind 2017 im Bistum 14.434 Menschen durch die Taufe neu in die Kirche aufgenommen worden, 236 weniger als 2016. Die aktuelle Katholikenzahl im Bistum lag Ende 2017 bei 1,87 Millionen, das sind rund 18.000 weniger als ein Jahr zuvor. Münster ist hinter dem Erzbistum Köln das zweitgrößte Bistum in Deutschland.

 

Mehr Kinder gingen zur Erstkommunion

 

Einen Rückgang gab es im vergangenen Jahr im Bistum Münster bei den Menschen, die sonntags an der Messe teilnehmen. 2017 waren es 166.892 Katholiken (8,9 Prozent) und damit 5.690 weniger als im Vorjahr. Leicht zurückgegangen ist auch die Zahl der kirchlichen Trauungen (2017: 3.647; 2016: 3.698). Ebenfalls leichte Rückgänge gab es bei Firmungen (2017: 13.006; 2016: 13.823) und Bestattungen (2017: 19.998; 2016: 20.026). Gestiegen sind die Zahlen der Erstkommunionen (2017: 15.436; 2016: 15.145).


Trauungen und Beerdigungen im Bistum Münster im Jahr 2017. | Grafik: Bischöfliche Pressestelle Münster

Bischof Felix Genn erklärte zu den Zahlen: „Die Menschen müssen stärker erfahren, dass wir gerne für sie da sind, gerade dann, wenn sie uns brauchen; sie müssen intensiver erleben, dass wir nah an ihren Lebenswirklichkeiten sind.“ Damit das gelinge, sollten wir mutig und experimentierfreudig auf die Menschen, gerade auch auf junge Menschen, zugehen. Dann spüren die Menschen hoffentlich: Wir wollen stärker eine Kirche sein, die Beziehung stiftet, die die Beziehung zu den Menschen sucht und ihnen zeigt, dass die Beziehung zu Jesus Christus das Leben bereichert. Das muss uns besser gelingen als in der Vergangenheit.“

Er nannte als Beispiel: „Schaffen wir es, dass mehr Menschen sagen: Wenn ich sonntags in den Gottesdienst gehe, dann „bringt mir das etwas“, dann ist das ein „Gewinn“ für mein Leben?“ Das sei sicher nicht einfach. Aber „mit der großartigen Kompetenz und dem tollen Engagement, das wir bei Haupt- wie Ehrenamtlichen in unserem Bistum noch immer haben“, könne das gelingen.

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