Aktualisiert: Merkel begründet Nein mit Verfassung

Bundestag beschließt „Ehe für alle“

Homosexuelle Paare in Deutschland können künftig die Ehe schließen. Das entschied der Bundestag am Freitagmorgen in Berlin mit den Stimmen von SPD, Grünen, Linken und mehreren Unions-Abgeordneten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stimmte mit Nein. Voraussichtlich am 7. Juli befasst sich der Bundesrat mit dem Gesetz, das nicht zustimmungspflichtig ist.

Lebhafte, emotionale und respektvolle Debatte

Eine sichere Mehrheit hatte sich schon am frühen Morgen abgezeichnet, als SPD, Grüne und die Linksfraktion die Abstimmung über die „Ehe für alle“ gegen die Union auf die Tagesordnung gesetzt hatten. Auch dafür bekamen sie bereits Unterstützung aus den Reihen der Union.

In einer lebhaften, emotionalen und respektvollen Debatte machten Befürtworter und Gegner ihre Positionen noch einmal deutlich. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann sagte, es gehe um Gleichstellung, nicht um das Geschlecht der Menschen. Die Opposition verwies auf den langen Weg zur rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare und sprach von einem historischen Tag.

Merkel: Nein zur Ehe, Ja zur Adoption

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Ablehnung des Gesetzentwurfs zur „Ehe für alle“ mit dem besonderen Schutz der Ehe durch Artikel 6 des Grundgesetzes begründet. Die Ehe werde dort als Verbindung von Mann und Frau verstanden, sagte Merkel am Freitag im Anschluss an die Abstimmung im Bundestag vor Journalisten. Sie erhoffe sich nun nicht nur gegenseitigen Respekt, sondern auch, dass mit der Entscheidung mehr gesellschaftlicher Frieden und Zusammenhalt geschaffen werde. Zur Frage der Volladoption erklärte sie, dass dies auch gleichgeschlechtlichen Paaren möglich sein solle und nach ihrer Überzeugung nicht im Widerspruch zum Kindeswohl stehe.

393 Abgeordnete stimmten für die Öffnung der Ehe. SPD, Grüne und Linke haben zusammen 320 Stimmen. Somit kamen mehr als 70 Stimmen von der Union.