Buch-Tipp:

Dieter Falk zeigt christliches Profil im Musik-Business

Was für ein Zeitsprung! Wenn Dieter Falk zu Beginn seines Buchs „Backstage – von Pur, Popstars und den zehn Geboten“ beschreibt, wie er in den 1970er Jahren in kirchlichen Räumen musikalisch das Laufen lernte, klingt das wie aus einer anderen Welt: „Nun danket allen Gott“ in einer jazzigen Version bei einer Jugendtreffen einer Freikirche. Die 3000 Jugendlichen sind von ihren Sitzen aufgestanden und tanzen, als der Veranstalter plötzlich den Strom abdreht.

Falk und seine Band sind zu weit gegangen, als sie dem alten Kirchenlied einen neuen Rhythmus gaben. Der Auftritt ist beendet. „Ob der liebe Gott das so gewollt hätte?“, fragt sich der Musiker später.

Zum Schmunzeln

Wenn dieser Musiker, Komponist, Produzent und Autor in seiner Autobiografie auf dieses Ereignis zurückschaut, muss der Leser schmunzeln. Denn was der bald 60-Jährige mitt­lerweile musikalisch auf die Beine gestellt hat, müsste den damaligen Veranstalter heute noch peinlich berühren. Er schrieb ungezählte Lieder, produzierte Charthits etwa mit der Pop-Band Pur, feierte international Erfolge mit seinen Kompositionen und Auftritten. Auch als Juror der Talent-Show „Popstars“ im Fernsehsender Pro Sieben wurde er bekannt.

Die Kirche als Musikraum hat der Protestant dabei immer wieder betreten. Choräle gehören zu seinem Repertoire, unter anderem komponierte er das Musical „Moses“ und Pop-Oratorien wie „Die zehn Gebote“ oder „Luther“, mit denen er insgesamt 400 000 Zuschauer begeistern konnte. „Bethlehem“ wird sein nächstes Werk heißen. Von kirchlichen Großveranstaltungen ist seine musikalische Präsens nicht mehr wegzudenken. Seit 2016 hat er auch eine Professur an der Evangelischen Popakademie in Witten.

Eitelkeiten und Animositäten

Das Buch:
Dieter Falk
Backstage – Von Pur, Popstars und den zehn Geboten
192 Seiten, Hardcover 18 €
ISBN: 978-3-96340-034-6
Verlag bene!
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So erzählt sein Buch auch von dem Spagat zwischen der Härte des Musikgeschäfts und dem Glauben, der ihn trägt. Hier die Branche, in der es um viel Geld geht, in der er mit Eitelkeiten und Animositäten kämpfte und in der viele Künstler durch die Verbreitung ihrer Musik über das Internet kaum noch überleben können. Dort sein Weg durch diese Welt, der ihn trotz der großen Erfolge und Hits immer wieder dahin zurückgeführt hat, wo seine Laufbahn begann: In der künstlerischen Auseinandersetzung mit Glaubensfragen.

Er will aus Alt Neu machen, sagt Falk. „Ich übersetzte tradierte Stücke ins Hier und Jetzt.“ Dafür bürste er Choräle auch mal „reichlich gegen den Strich“. Am liebsten aber steht er heute wieder auf der Bühne, wo er die Menschen mit seiner Botschaft unmittelbar erreichen kann. Es ist die Botschaft von der Tragfähigkeit seines Glaubens. Wenn er im Buch von den Komplikationen bei der Geburt seines Sohnes berichtet, wird das lebendig: „Mein Glaube lässt mich zu jeder Zeit mit Gott sprechen, egal, wo ich gerade bin und was mir auf dem Herzen liegt.“

Kräftiges Augenzwinkern

Falk erzählt von vielen solcher Begebenheiten, auch nachdenklich, oft aber mit kräftigem Augenzwinkern und viel Humor. Dabei gibt er den Blick auf das Leben eines Erfolgsmusikers frei, der die Menschen und Strukturen des Business kennt, sich aber nie von ihnen hat verbiegen lassen. Das bekommt er durchaus gespiegelt. Etwa bei einer großen Musik-Gala von einem angeheiterten Plattenboss auf Falks Frage, warum er vorwiegend Musikerinnen produzieren soll. „Du bist doch ein gläubiger Mensch, gehst vermutlich deshalb nicht fremd und behandelst Künstlerinnen ordentlich“, ist dessen Antwort.