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Zu Beginn der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland

Betroffene werfen Kirche mangelnden Aufarbeitungswillen vor

  • Betroffene haben die Aufarbeitung von Missbrauch in der evangelischen Kirche als völlig unzureichend kritisiert.
  • Für Missbrauchsopfer habe sich in den vergangenen Jahren auf Ebene der Landeskirchen "nichts oder nur wenig geändert", erklärte Katharina Kracht am Sonntag.
  • Während die katholische Kirche sich einem hohen öffentlichen Druck ausgesetzt sehe, versuche die evangelische Kirche weiter "den Mythos" zu verbreiten, es handele sich um Einzelfälle.
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Betroffene haben die Aufarbeitung von Missbrauch in der evangelischen Kirche als völlig unzureichend kritisiert. Sie fordern eine unabhängige Aufarbeitung. Für Missbrauchsopfer habe sich in den vergangenen Jahren auf Ebene der Landeskirchen "nichts oder nur wenig geändert", erklärte Katharina Kracht am Sonntag. Sie und andere Betroffene äußerten sich mit Blick auf die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Kracht gehörte dem Betroffenenbeirat der EKD an, den diese im vergangenen Mai wegen verschiedener Konflikte ausgesetzt hatte. Die EKD-Synode beginnt an diesem Sonntag und will am Montag das Thema sexualisierte Gewalt behandeln. Zudem soll dort ein neuer Rat gewählt werden.

 

Mythos von Einzelfällen

 

Die Betroffenen beklagten eine mangelnde Partizipation und zu wenig Unterstützung bei der Bildung von Netzwerken. Während die katholische Kirche sich einem hohen öffentlichen Druck ausgesetzt sehe, versuche die evangelische Kirche weiter "den Mythos" zu verbreiten, es handele sich um Einzelfälle.

Kracht betonte, die Aussetzung des Beirats sei einseitig und gegen den Willen der Mehrheit geschehen. Betroffene wollten eine "reale, angemessene, transparente und nachvollziehbare Anerkennung ihres Leids". Dies werde aber durch die von der EKD eingesetzte Musterordnung nicht geleistet. Stattdessen versuchten die Landeskirchen, die "ausgezahlten Summen durch Trickserei gering" zu halten, indem Betroffene unter Druck gesetzt würden und sie etwa ein institutionelles Versagen nachweisen müssten.

 

Wunsch nach besserer Vernetzung

 

Betroffene dürften nicht so willkürlich der Täterorganisation ausgesetzt, wie das geschehen sei, so Kracht weiter. Zudem gebe die evangelische Kirche Opfern von Missbrauch nicht die Möglichkeit, sich zu vernetzen, obwohl ihnen dies zugesagt worden sei. Die Bedingungen, unter denen die Betroffenen an der Synode beteiligt würden, seien mehr als fragwürdig. So hätten sie ihre Beiträge zuvor "zum Gegenlesen" abliefern müssen.

Der Betroffene Henning Stein forderte eine unabhängige Aufarbeitung. Es müsse eine Art Wahrheitskommission eingesetzt werden. Die evangelische Kirche versuche stets, die Kontrolle zu behalten und könne deshalb eine solche Aufarbeitung nicht leisten. Zudem müsse der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, Betroffene darin unterstützten, sich zusammenzuschließen.

 

Neue EKD-Leitung sollte Aufarbeitung zur Chefsache machen

 

Rörig selbst hatte den Umgang der EKD mit Betroffenen zuletzt ebenfalls kritisiert. Derzeit gebe es noch keinen partnerschaftlichen Umgang mit ihnen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Die neue EKD-Leitung sollte die Bekämpfung und Aufarbeitung von Missbrauch künftig zur Chefsache machen.

Er sprach sich dafür aus, dass die Synode einen unabhängigen Beauftragen einsetzen solle, bei dem der Betroffenenbeirat angesiedelt werden könnte. Durch die Aussetzung des Beirats sei etwa die Erarbeitung einer "Gemeinsamen Erklärung" zur Aufarbeitung ins Stocken geraten, die die katholische Kirche vor einem Jahr unterzeichnet hatte.

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