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Mathayo Londross dankt seinem „Kimani“ Georg Aßmann

Ein Massai in Ahlen: Wie ein Hirtenjunge zum Umwelt-Experte wurde

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Mathayo Londross, ein junger Massai aus Tansania, ist zu Gast in der Pfarrei St. Bartholomäus in Ahlen gewesen, um seinen „Vater“, Pfarrer Georg Aßmann, zu besuchen. Als Londross zehn Jahre alt war, wurde er von Aßmann, der 17 Jahre lang eine Gemeinde in Tansania leitete, im Pfarrhaus aufgenommen, um die Ziegen zu hüten. Diese Fürsorge sollte seinen weiteren Lebensweg bestimmen – und sie bleibt unvergessen.

Es sind herzliche Worte, die Mathayo Londross wählt, wenn er über Pfarrer Georg Aßmann spricht. Der junge Mann, ein Massai aus Tansania, kennt den seit drei Jahren in Ahlen lebenden Aßmann gut, denn dieser hat von 2001 bis 2018 eine Massai-Gemeinde in Landanai/Simanjiro in Tansania geleitet.

„Mit einem Herzen voll Barmherzigkeit und Liebe bezahlte mir Papa Kimani, so nenne ich Georg Aßmann, einen Lehrer, der mir jeden Abend das Lesen und Schreiben beibrachte, nachdem ich vom Ziegenhüten nach Hause kam. Aber als ob das nicht genug wäre, beschloss er, mich 2002 an der Landanai Primary School einzuschreiben. Als Papa Kimani die St. Joseph's Schule für Massai-Jugendliche gründete, hat diese Schule das Leben vieler junger Menschen in unserem Distrikt Simanjiro und den umliegenden Regionen verändert, da viele von uns einen Beruf oder ein Studium aufnehmen konnten.“

 

„Er war wie ein richtiger Vater“

 

Mathayo Londross hat seinen „Vater“ Georg Aßmann in Ahlen besucht, um ihm für vieles zu danken, was er ihm auf seinen Lebensweg mitgeben konnte. Wenn er über ihn spricht, wählt er Worte, die aus seinem Innersten kommen und die Mentalität eines Massai ausdrücken: „Kimani wurde für mich ein richtiger Vater, der mich zu seinem Sohn gemacht hat und mich lehrte, als Christ zu leben und zu arbeiten.“

Vor einiger Zeit hat Mathayo Londross in seinem Land seinen „Bachelor of Science“ in Umweltgesundheit gemacht. Als Angestellter des Staates kümmert er sich um Gesundheits- und Umweltfragen und überwacht die Ausbreitung der Corona-Pandemie in der Region Arusha in der Nähe zum benachbarten Kenia.

 

Einsatz für Menschenrechte und Gleichberechtigung

 

Außerdem ist er Vorsitzender einer Organisation, die Massai-Gemeinschaften bei der Gesundheitserziehung und bei der Finanzierung von Schulbildung der Kinder hilft. „Wir wollen ein Bewusstsein für den Klimawandel und den Umweltschutz schärfen. Wir streiten für Menschenrechtserziehung, Gleichberechtigung und die Ausrottung bösartiger Praktiken wie die der weiblichen Genitalverstümmelung oder des sexuellen Missbrauchs von Mädchen und Frauen.“

Wenn der junge Massai über das langjährige Wirken von Georg Aßmann spricht, merkt man, wie gerührt die Zuhörenden sind. Auch der Seelsorger, der 17 Jahre vom Bistum Münster freigestellt war, um mit der Volksgruppe der Massai leben zu können, ist emotional gerührt.

 

Schöne Erinnerungen an Zeit bei den Massai

 

„Das eigene Wirken selbst zu beurteilen, ist mit der Gefahr verbunden, sich selbst besser darzustellen, als man in Wahrheit war“, sagt Aßmann im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. Der Besuch seines „Sohnes“, um im Sprachbild zu bleiben, bedeute ihm viel: „Vielleicht darf man doch ein wenig stolz auf das sein, was man leisten konnte“, sagt er.

Viele schöne Erinnerungen verbindet Aßmann mit seiner Zeit bei der Volksgruppe der Massai. Es sind Geschichten, in denen spürbar werden kann, was Mission im eigentlichen Sinn bedeutet.

 

Auf das Evangelium folgte Stille

 

So erzählt Aßmann von einem Gemeinde-Treffen folgendes: Er wurde gebeten, das Sonntagsevangelium zu lesen, was er tat. In die danach eintretende Stille lud er alle ein, doch einen Satz zu nennen, der besonders haften geblieben sei. Der in dieser Gemeinschaft angesehene und wohlhabende Geschäftsmann ergriff gleich das Wort. Dann senkten sich alle Blicke, und es trat eine bedrückende Stimmung ein.

„Ich selbst sagte nicht viel, wiederholte nur den Satz, der sich mir aus dem Evangelium einprägte. Es folgten die Kollekte – der Geschäftsmann gab wie üblich seinen großen Schein, die anderen kleine Münzen – und das Gebet“, erzählt Aßmann weiter.

 

Pfarrer Aßmann teilt Milchtee mit allen

 

Und weil die Gastgeberin an diesem Tag etwas mehr tun wollte, gab es Tee und einfache Brötchen. Für den Geschäftsmann und den Pastor gab es Tee mit teurer Milch, für alle anderen Tee ohne Milch. Der Geschäftsmann wollte schon den ersten Schluck trinken, als Aßmann sein Satz aus dem Evangelium „Bei euch soll es nicht so sein“ (Lk 22,26) in den Sinn kam.

„Ich sagte, ich könne unmöglich Milchtee trinken, wo alle anderen nur Wassertee hätten. Wir könnten ja teilen. Erstaunte und fragende Gesichter, die mich jedoch nicht davon abhielten, meine Tasse Tee mit anderen aufzuteilen, bis jeder ein paar Tropfen hatte. Der Geschäftsmann konnte nicht anders, als es mir gleich zu tun. Alle lachten, über den wässrigen Milchtee, und freuten sich, dass die sonst so bleierne Stimmung plötzlich nicht mehr da war. Noch monatelang erzählte man sich im ganzen Dorf davon und einer sagte: „Das Evangelium ist kein Predigt-, sondern ein Lebensgrund.“

 

Aßmann baut Schulprogramm auf

 

Gefragt nach einem Fazit seines Wirkens in Tansania, sagt Aßmann: „Überall da, wo es mir gelang, das Evangelium neben wohlmeinenden Worten auch in amüsanten guten Taten zu leben, da geschah etwas zum Aufbau der Gemeinde. Wenn man so will, war ich nur ‚stimulierend‘ tätig, um Vorhandenes als Gewinn für alle neu ans Licht zu bringen.“

Aßmann verweist auf das Schulprogramm, das auf seine Initiative hin und gegen manche staatliche Behinderung gegründet wurde. Die Schule samt Internat sollte neben der Bildungseinrichtung auch ein Ort zur Selbsthilfe sein unter dem Motto „Schüler helfen Schülern“ und ein Einübungsort für christliches Leben.

 

Leben in Tansania entwickelt sich weiter

 

„Jeden Morgen vor der Schule wurde gemeinsam das Tagesevangelium gelesen und ein selbstformuliertes Gebet gesprochen. So erfuhren unsere Schüler, dass Christsein auch außerhalb des Kirchengebäudes gelebt werden kann und Jesus mehr bedeutet als Weihnachten und Ostern“, erläutert Aßmann.

Stolz ist Aßmann darauf, dass einige der ersten Schulabsolventen den gemeinnützigen Verein „Elatia“ gebildet haben, der Schülerinnen und Schülern heute zu einer Ausbildung verhilft und für die Rechte von Mädchen und Frauen eintritt: „Das sich so etwas weiterentwickelt hat, ist schon eine gute Sache.“

Als deutscher Pfarrer in Tansania
Pfarrer Georg Aßmann war von 2001 bis 2018 als Priester („Kimani“) im tansanischen Landanai tätig. Dort baute er ein Schulprojekt für Massai-Jungen auf. Seit vielen Jahren besteht auch eine rege Partnerschaft zwischen Landanai und der Gemeinde St. Ludgeri in Ahlen, der Heimatgemeinde von Aßmann. Bei einem Besuch der Ordensschwestern „Unserer Lieben Frau vom Kilimanjaro“ in Moshi/Tansania lernte der damalige Pfarrer der Gemeinde St. Dionysius Nieukerk am Niederrhein 1998 das erste Mal Massai aus dem Dorf Mtakuja kennen. Wie selbstverständlich nahmen sie Aßmann als einen der ihren auf und gaben ihm den Namen Kimani. Der Name bedeutet „Weiser Vater inmitten seiner zahlreichen Kinder“. Kimani erlernte nach und nach die Landessprache. 2001siedelte Aßmann nach Tansania über und trat im Erzbistum Arusha das Amt des Pfarrers der Gemeinde Landanai an – mitten in der Massai-Steppe im Simanjiro-Gebiet mit einer Fläche von 3.330 Quadratkilometern.

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