Für Gesundheit, Soziales und Arbeit zuständig

Engagierter Katholik Laumann wird Minister in NRW

Die Hände sind riesig, der Gang ist ausholend. Wenn Karl-Josef Laumann (CDU) mit kräftiger Stimme und in einfachen Worten über Arbeitsmarkt, Pflege und Sozialpolitik referiert, spricht kein smarter Politikfunktionär, dann ist der westfälische Dialekt unüberhörbar.

Künftig wird der 59-Jährige aus dem Münsterland wieder Minister in Nordrhein-Westfalen sein - als Armin Laschets Mann für Gesundheit, Soziales und Arbeit, wie schon zwischen 2005 und 2010 im Kabinett von Jürgen Rüttgers (beide CDU). Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn nach dem Wahldebakel der NRW-CDU von 2010 waren Laschet und Laumann vorübergehend Konkurrenten um die Führung der Landespartei gewesen.

Bisher Patienten- und Pflegebeauftragter in Berlin

Am Donnerstag hängte der gelernte Schlosser sein 2014 übernommenes Amt als Patienten- und Pflegebeauftragter der Bundesregierung offiziell an den Nagel; seine Nachfolgerin wird Ingrid Fischbach (CDU). In dieser Position war Laumann der erste Spitzenbeamte in der Geschichte der Bundesrepublik, der mit einem Hauptschulabschluss und ohne akademische Qualifikation zum verbeamteten Staatssekretär auf Bundesebene vereidigt wurde.

Seit 2005 steht der Westfale auch an der Spitze der CDU-Sozialausschüsse. Er fühlt sich dem christlichen Menschenbild und der kirchlichen Soziallehre verpflichtet. Als puristischer Vertreter von Arbeitnehmerinteressen allerdings versteht er sich nicht: Eher als Vermittler zwischen sozialem und wirtschaftsnahem Flügel seiner Partei. Die Union, erläutert Laumann einmal in seiner bildlichen Sprache, sei wie ein Vogel mit zwei großen Flügeln. „Dieser Vogel kommt nur vom Boden, wenn beide Flügel kräftig schlagen.“

Katholische Karriere und KAB

Vermitteln und integrieren hat der Vater von drei Kindern auch als langjähriger Kommunalpolitiker, Betriebsrat und Mitglied der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) gelernt. Laumann, der 1957 auf einem Bauernhof in Riesenbeck geboren wurde, trat früh in die IG Metall ein, arbeitete in einer heimischen Landmaschinenfabrik und war Betriebsrat des Unternehmens mit 500 Mitarbeitern. 1990 wurde er in den Bundestag gewählt. „Der hat unheimlich an sich gearbeitet“, sagen Leute, die ihn kennen.

Auch die „katholische Karriere“ spiegelt Heimatverbundenheit wieder: Messdiener, kirchliche Jugendarbeit, Mitgliedschaft in KAB und Kolping. Dieses Engagement sieht Laumann auch als Möglichkeit, den Menschen in seiner Region verbunden zu bleiben.

In NRW Krankenhäuser besser vernetzen

Als Pflegebeauftragter hat Laumann großen Anteil an der größten Pflegereform in der Geschichte der Pflegeversicherung. Mehr Leistungen für Demenzkranke, Entlastung für pflegende Angehörige, eine gemeinsame Ausbildung für alle Pflegeberufe: Immer wieder setzte er sich auch für eine stärkere Position der professionell Pflegenden im Gesundheitswesen und gegenüber Ärzten ein. In diesem Zusammenhang forderte er die Gründung von Landespflegekammern und einer Bundespflegekammer.

Für NRW hat sich der neue Gesundheitsminister eine bessere Vernetzung der Krankenhäuser untereinander und mit der ambulanten Versorgung vorgenommen. Zudem will Laumann die Altersmedizin an den Krankenhäusern stärken. Der Koalitionsvertrag sieht eine bessere Versorgung in ländlichen Regionen vor. Dazu sollen bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach Abschluss der Ausbildung als Hausärzte in ländlichen Regionen tätig zu sein.

Was wird aus der Sonntagsöffnung?

Im Bereich Soziales und Arbeit will Laumann erreichen, dass die Zahl der langzeitarbeitslosen jungen Menschen reduziert wird. Die bestehenden Förderprogramme für Langzeitarbeitslose sollen kritisch überprüft werden. Für Hartz-IV-Bezieher sollen die Zuverdienstgrenzen überarbeitet werden. Außerdem wollen CDU und FDP über eine Bundesratsinitiative eine Flexibilisierung der Arbeitszeitgesetze erreichen.

Gespannt sein darf man, wie sich der Katholik und gewerkschaftsnahe Minister zur Ausweitung der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen stellt: CDU und FDP haben im Koalitionsvertrag festgelegt, dass Geschäfte in Innenstädten künftig sonntags doppelt so oft öffnen dürfen, nämlich acht Mal. Sowohl die Kirchen als auch die Gewerkschaften sind dagegen.