Drensteinfurter Pfarrei gewährte Schutz

Erfolgreiches Kirchenasyl: Junger Syrer darf in Deutschland bleiben

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Kirchenasyl ist für viele Geflüchtete die letzte Chance, um in Deutschland zu bleiben. Der Syrer Quasai Issa kam im Drensteinfurter Pfarrhaus unter. Jetzt gibt es einen Erfolg zu vermelden.

Es ist geschafft. Das Kirchenasyl von Quasai Issa ist erfolgreich beendet. Ein verschmitztes Lächeln ist dem 19-jährigen Mann durch diese gute Nachricht zu entlocken. Doch der Syrer weiß: Es bleiben viele Schritte zu gehen, um sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen zu können.

Seit dem 7. Juni wohnt Issa im Pfarrhaus in Drensteinfurt und genoss den Schutz der Pfarrei St. Regina. Das Kirchenasyl sollte den jungen Mann vor der Abschiebung nach Bulgarien bewahren, wo er sich vor einigen Monaten als Geflüchteter registrierte und schnell nach Deutschland weiterreiste. Hier wohnt seit 2015 sein Onkel Barho Issa, der den Kontakt zur Gemeinde von Pfarrer Jörg Schlummer aufbaute.

Pfarrei steht hinter dem Kirchenasyl

Gemeinsam mit dem Pfarreirat und Kirchenvorstand prüfte Schlummer das Anliegen von Quasai Issa und holte sich Rat beim Bistum Münster, der Caritas und Expertin Julia Lis vom Netzwerk Kirchenasyl ein. Ohne Aussicht auf Erfolg, so die einhellige Meinung aller, könne St. Regina dem Mann keinen Unterschlupf gewähren. Schließlich bewegt sich die Kirche mit dieser Maßnahme ohnehin auf rechtlich unsicherem Terrain. Es gebe keine Garantie oder klare Vereinbarung, dass die Ausländerbehörde das Asyl auch respektiert.

Im konkreten Fall bestand allerdings eine Aussicht auf eine Bleibeperspektive für den 19-Jährigen, weil er sich beim Grenzübertritt in Bulgarien zwar per Fingerabdruck registrierte, aber keinen Asylantrag stellte. Hätte er einen gestellt, wäre eine Abschiebung laut aktuellen Regelungen der Europäischen Union nicht zu verhindern gewesen, erklärt Julia Lis, die die Pfarrei begleitet und berät.

Weg frei für Asylantrag in Deutschland

Durch das Kirchenasyl ist jetzt die gesetzlich festgelegte Frist von sechs Monaten für eine Rückführung, die gleichbedeutend mit einer Inhaftierung in Bulgarien gewesen wäre, verstrichen. Der Weg für einen Asylantrag in Deutschland ist somit frei.

Es sei zwar zu erwarten, dass der Antrag abgelehnt werde, doch schiebe Deutschland aktuell niemanden in das Bürgerkriegsland Syrien ab, weiß Waltraud Angenendt, Sprecherin des Deutsch-Ausländischen Freundeskreises in Drensteinfurt. Bei all der Freude über das geglückte Kirchenasyl weiß sie aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass vor Quasai noch ein langer Weg der Integration liegt.

Deutsche Sprache als große Hürde

Eine große Hürde für Quasai ist die Sprache. Da kommt Anselm Richard ins Spiel. Der Redakteur im Ruhestand gehört zum Kirchenvorstand und setzt sich seit einiger Zeit zweimal wöchentlich mit dem 19-Jährigen hin. „Er ist lernwillig und hoch motiviert, aber erstmal muss Quasai unser Alphabet neu lernen“, beschreibt Richard eine große Herausforderung.

Mit Übersetzungs-Apps und der Hilfe von Muhanad Alojaily, der seit 2015 ebenfalls im Pfarrhaus wohnt, geht es langsam voran. Alojaily selbst hat sich inzwischen gut integriert und hat gleich zwei Jobs, um sein Leben zu bestreiten und seine Familie in Syrien zu unterstützen.

Quasai Issa möchte Ausbildung beginnen

Freuen sich über das erfolgreiche Kirchenasyl: (vordere Reihe von links) Barho Issa, Quasai Issa, Waltraud Angenendt, Julia Lis und Pfarrer Jörg Schlummer, (hintere Reihe von links) Muhanad Alojaily, Mahammad Alojaily und Anselm Richard. | Foto: Jan Dirk Wiewelhove
Freuen sich über das erfolgreiche Kirchenasyl: (vordere Reihe von links) Barho Issa, Quasai Issa, Waltraud Angenendt, Julia Lis und Pfarrer Jörg Schlummer, (hintere Reihe von links) Muhanad Alojaily, Mahammad Alojaily und Anselm Richard. | Foto: Jan Dirk Wiewelhove

Auf die Frage, was seine Träume und Wünsche für die Zukunft sind, zeigt sich Quasai Issa bescheiden. „Anerkennung, Sprache lernen, eine Ausbildung machen“, bricht es aus dem 19-Jährigen heraus. Mit der Anerkennung ist sein Bleiberecht gemeint. Am liebsten will er nach Hamm ziehen, wo sein Onkel Barho als Assis­tenzarzt am Evangelischen Krankenhaus arbeitet.

Um dorthin zugeteilt zu werden, braucht es die Hilfe der Drensteinfurter Unterstützer, die sich an die Behörden wenden wollen. Schließlich sei der Onkel eine wichtige Bezugsperson für den jungen Mann. Ansonsten könnte er an irgendeine Kommune in Nordrhein-Westfalen zugeteilt werden. Kein schöner Gedanke für Quasai.

Dann möchte er eine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker absolvieren und arbeiten, wie es sein Onkel und sein Mitbewohner Muhanad schon machen. Quasa möchte sich ein Leben ohne Angst vor dem Krieg in Syrien aufbauen und gleichzeitig seine Eltern und fünf Geschwister, die er in der Türkei zurückgelassen hat, finanziell unterstützen. Bis dahin wohnt Quasai vorerst weiter im Drensteinfurter Pfarrhaus und lernt fleißig Deutsch – mindestens zweimal in der Woche.

Kirchenasyl in Drensteinfurt
Die Pfarrei St. Regina hat bereits zum zweiten Mal ein Kirchenasyl für einen Geflüchteten gewährt. Pfarrer Jörg Schlummer hat gemeinsam mit dem Kirchenvorstand und dem Pfarreirat entschieden, Quasai Issa Schutz anzubieten. Während des Asyls kamen die Pfarrei und private Unterstützer für den Lebensunterhalt von Issa auf. Im Bistum Münster gibt es nach Angaben von Julia Lis vom Netzwerk Kirchenasyl aktuell etwa zehn Fälle von Kirchenasyl. (jdw)

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