Blick auf den Umgang mit Missbrauch und auf die Umstände des Rücktritts

Evangelische Kirche: Kurschus-Rücktritt selbstkritisch aufarbeiten

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Die Evangelische Kirche in Deutschland will den Rücktritt von Annette Kurschus als Ratsvorsitzende selbstkritisch aufarbeiten. Geprüft werden soll zum einen der Umgang mit sexualisierter Gewalt, zum anderen die Umstände des Rücktritts selbst.

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) will die Vorgänge rund um den Rücktritt von Annette Kurschus als Ratsvorsitzende kritisch aufarbeiten. "Wir werden einen Weg finden müssen, mit solchen Vorwürfen angemessen umzugehen", sagte Synodenpräses Anna-Nicole Heinrich bei einer Tagung des Gremiums.

Kurschus war am 20. November als EKD-Ratsvorsitzende und als Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen zurückgetreten. Ihr wird vorgeworfen, als Pfarrerin in Siegen schon Ende der 1990er Jahre über Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen einen Kirchenmitarbeiter informiert gewesen zu sein, diese aber nicht gemeldet zu haben. Kurschus wies die Darstellung zurück, legte aber mit Hinweis auf die öffentliche Debatte ihre Ämter nieder. Den Rücktritt hatten zuvor insbesondere die im EKD-Beteiligungsforum organisierten Missbrauchs-Betroffenen gefordert.

Respekt für Kurschus-Entscheidung

Heinrich äußerte großen Respekt für den Entschluss von Kurschus. "Ich bedauere es, wenn bei manchen Personen der Eindruck entstanden ist, die Synode, der Rat und ich selbst haben sich nicht hinreichend solidarisch gezeigt." Für sie sei immer handlungsleitend gewesen, dass Betroffene und die Aufarbeitung an erster Stelle stehen müssten. Heinrich kündigte an, Vertreter des Synodenpräsidiums und des Rates der EKD wollten in die Arbeitsgruppen der Synode kommen, um auch selbstkritisch über die Ereignisse zu sprechen.

Die kommissarische EKD-Ratsvorsitzende und Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs sagte, der Rat der EKD wolle den eingeschlagenen Weg der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt weiter voranbringen. Sie empfinde es als "bedrückend" und "beschämend", dass es nach dem Kurschus-Rücktritt Druck aus dem kirchlichen Raum auf Betroffenenvertreter gegeben habe. Zugleich bewertete die Bischöfin, die Kommunikation rund um den Rücktritt habe gar nicht funktioniert.

Studie der EKD kommt Ende Januar

Fehrs erinnerte an die am 25. Januar geplante Vorstellung einer Studie über sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche. Sie werde "umfassend wie nie zuvor die Dimensionen sexualisierter Gewalt" aufzeigen.

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) sagte, der Kurschus-Rücktritt sei nötig gewesen. Es sei um die Frage gegangen, ob die Kirche künftig ein Ort sein könne, an dem sich Betroffene mit vollem Rückhalt melden könnten.