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Jugendverband will "Hinweise" in Publikationen des Beschuldigten

Fall Winfried Pilz: BDKJ kritisiert Kommunikation des Erzbistums Köln

  • Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) kritisiert die Kommunikation des Erzbistums Köln im Fall des missbrauchsbeschuldigten verstorbenen "Sternsinger"-Chefs Winfried Pilz.
  • Verantwortliche in der Kirche würden "noch immer nicht mit der dringend gebotenen Transparenz agieren".
  • Zudem würden sie "die Perspektiven Betroffener sexualisierter Gewalt in inakzeptabler Weise missachten".
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Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) kritisiert die Kommunikation des Erzbistums Köln im Fall des missbrauchsbeschuldigten verstorbenen "Sternsinger"-Chefs Winfried Pilz. "Der Umgang mit dem Fall zeigt erneut auf erschreckende Weise, dass Verantwortliche in der Kirche noch immer nicht mit der dringend gebotenen Transparenz agieren und die Perspektiven Betroffener sexualisierter Gewalt in inakzeptabler Weise missachten", erklärt der BDKJ-Bundesvorstand. Gemeinsam mit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Bischofskonferenz trägt der BDKJ-Bundesverband das Jugendhaus Düsseldorf.

Am 27. Juni habe das Erzbistum den Vorstand des Jugendhauses informiert. "Bis zu diesem Tag waren uns als BDKJ-Bundesvorstand keine Vorwürfe gegenüber Winfried Pilz bekannt." Der BDKJ begrüße zwar einen Aufruf des Erzbistums Köln an mögliche, bisher unbekannte Missbrauchsbetroffene, sich zu melden. Es wäre aber wünschenswert gewesen, wenn ein solcher Aufruf deutlich früher veröffentlicht worden wäre, so der Verband.

BDKJ will Hinweise in Publikationen von und Nachrufen auf Pilz

Pilz war von 1977 bis 1983 Referent im Jugendhaus Düsseldorf. Der BDKJ-Bundesvorstand erklärt jetzt: "Wir setzen uns als Mitträger des Jugendhaus Düsseldorf e.V. für die erneute Überprüfung des Archivs und die Veröffentlichung des Ergebnisses ein."

Auch wolle man sich dafür einsetzen, dass Veröffentlichungen von Pilz, "sofern möglich", mit einem Hinweis versehen werden. Zudem sollten Nachrufe oder Ehrungen in Publikationen entfernt und durch einen Hinweis ersetzt werden.

Zeitnahe gegenseitige Information verlangt

"Wir fordern von den Verantwortlichen in den (Erz-)Bistümern Kooperation und Transparenz, um sexualisierte Gewalt wirksam aufzuarbeiten", heißt es. Es sei dringend nötig, dass sich kirchliche Organisationen künftig gegenseitig "verlässlich und zeitnah" Informationen über Mitarbeiternde zur Verfügung stellen, die sexualisierte Gewalt ausgeübt haben sollen.

Laut Erzbistum Köln wurde Pilz 2012 beschuldigt, einen schutzbefohlenen Erwachsenen in den 1970er Jahren missbraucht zu haben. Der damalige Kölner Kardinal Joachim Meisner erlegte dem Priester 2014 eine Geldstrafe auf und verbot ihm den Kontakt zu Minderjährigen ohne Anwesenheit weiterer Erwachsener.

Auch Bistum Dresden hatte kritisiert

Zuvor hatte bereits das Bistum Dresden-Meißen die Kölner Kommunikation kritisiert. Das sächsische Bistum erfuhr nach eigenen Angaben erst im Juni vom Fall Pilz und dem Umgangsverbot. Pilz lebte von 2010 bis zu seinem Tod 2019 als Ruhestandsgeistlicher im Bistum Dresden-Meißen, wo er nach Bistumsangaben auch Vertretungsdienste übernahm.

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