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Katholiken feiern erstmals wieder mit Prozessionen

Fronleichnam in Zeiten der Krise - Missbrauch auch Predigtthema

  • Mit festlichen Prozessionen und Gottesdiensten unter freiem Himmel haben die Katholiken in Deutschland am Donnerstag das Fronleichnamsfest gefeiert.
  • Im Vorfeld des Fronleichnamsfestes hatte es mancherorts Debatten darüber gegeben, ob die Prachtentfaltung der Kirche angesichts des Missbrauchsskandals noch angemessen sei.
  • So erklärte der Eichstätter Bischof Hanke in seiner Predigt, dass die Prozession "nicht als Manifestation und Selbstdarstellung der Kirche" diene.
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Mit festlichen Prozessionen und Gottesdiensten unter freiem Himmel haben die Katholiken in Deutschland am Donnerstag das Fronleichnamsfest gefeiert. Der mittelalterliche Name bedeutet so viel wie "Fest des Leibes und Blutes Christi"; das Fest erinnert an die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie.

Erstmals seit drei Jahren konnten die Prozessionen wieder ohne große Corona-Einschränkungen stattfinden. Auch Jahrhunderte alte Traditionen wie die Seeprozession auf dem Staffelsee in Oberbayern oder die seit dem 14. Jahrhundert überlieferte "Mülheimer Gottestracht" auf dem Rhein in Köln waren wieder möglich. In vielen Städten fanden Freiluftmessen auf zentralen Plätzen statt, darunter auf dem Marienplatz in München, dem Roncalli-Platz in Köln oder auf dem Römerberg in Frankfurt.

Bätzing mit Kritik an Russland

Der Limburger katholische Bischof Georg Bätzing rief die Katholiken zum Engagement für andere Menschen auf. Man könne Christus nur dann an Festtagen wie Fronleichnam und "in seidenen Stoffen" verehren, wenn man ihn auch in den Armen und Ausgestoßenen verehre, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Frankfurt.

Bätzing verurteilte das Vorgehen Russlands, Hunger als politisches Druckmittel einzusetzen. Die Zahl der Hungernden steige durch Kriege, Korruption und terroristische Bedrohung weltweit wieder an. Der Limburger Bischof betonte mit Blick auf den Kreuzestod Jesu, Christsein bedeute auch, Opfer zu bringen. "Opfer, das ist eine Realität unseres Lebens", sagte er und verwies auf die "mutigen Ukrainern und Ukrainerinnen, denen die Freiheit ihres Landes offenbar mehr wert ist als ihr Leben, sodass sie sich den Angreifern entgegenstellen".

Woelki: Fronleichnam passt in heutige Zeit

Für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki passt die 750-jährige Tradition der Fronleichnamsprozession auch in die heutige Zeit. Auch wenn der Glaube in einer zunehmend multikulturellen und säkularen Gesellschaft aus der Öffentlichkeit zurückgedrängt und zur Privatsache gemacht werde, lasse er sich nicht auf den Raum der Kirche eingrenzen, sagte der Erzbischof bei der Messe vor dem Kölner Dom.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx dankte allen, die den christlichen Glauben in einer von Krieg und Krisen geprägten Zeit in die Öffentlichkeit trügen. "Wir reden nicht nur über die Kirche an einem solchen Tag, wir zelebrieren nicht uns selbst, sondern wir erinnern die ganze Gesellschaft an den Kern des christlichen Glaubens."

Debatte um Prachtentfaltung

Der Münchner Erzbischof bezeichnete als verstörend, dass beim Krieg in der Ukraine "auf beiden Seiten getaufte Christen sind, wie es so oft in Europa der Fall war". Das erinnere schmerzlich daran, dass "Europa, der am christlichsten geprägte Kontinent der Welt", die brutalsten Kriege in der Geschichte erlebt haben dürfte.

Im Vorfeld des Fronleichnamsfestes hatte es mancherorts Debatten darüber gegeben, ob die Prachtentfaltung der Kirche angesichts des Missbrauchsskandals noch angemessen sei. Marx sagte dazu, ein "Abgrund der Gewalt und der Unterdrückung" sowie die "Zerbrechlichkeit des Lebens" seien in den vergangenen Jahren auch an vielen anderen Punkten deutlich geworden, "auch in der Kirche", so Marx. Er wies darauf hin, dass die "Macht des Bösen" immer wieder durchbreche. Sie zeige sich darin, "andere Menschen zu unterdrücken - sexuell oder finanziell oder geistlich".

Bischof Hanke: Fest als Zeichen im Alltag

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke erklärte in seiner Predigt, dass die Prozession "nicht als Manifestation und Selbstdarstellung der Kirche" diene. Dazu habe man aktuell, in einer Zeit, "wo viel Dunkelheit greifbar wird", keinen Grund. Vielmehr trage man die geweihte Hostie als Zeichen der Gegenwart Jesu "dorthin, wo unser Alltag sich ereignet".

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiern Katholiken das Fest Fronleichnam. Dabei bringen sie öffentlich zum Ausdruck, dass Christus in Brot und Wein mitten unter ihnen ist. Als sichtbares Zeichen wird eine reich verzierte Monstranz mit einer geweihten Hostie in feierlicher Prozession durch die Straßen getragen.

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