Katholischer Experte: In der Öffentlichkeit eher ein Flop

Geteilte Bilanz des Jahrs zum Reformations-Gedenken

Das Gedenkjahr 500 Jahre nach Beginn der Reformation war nach Ansicht des katholischen Ökumene-Experten Wolfgang Thönissen „in der großen Öffentlichkeit eher ein Flop“. Zufrieden zeigten sich derweil die Bundesregierung und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD).

Thönissen, Leiter des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn, sagte dem Portal „katholisch.de“, es sei nicht rübergekommen, „welche Idee hinter dem Reformationsgedenken wirklich stecken soll“. Man habe mit den Schlagworten Reformation, Demokratie, Menschenrechte und Gewissensfreiheit „hantiert“, sie aber nicht erklärt: „Dadurch ist das ganze Reformationsjahr oberflächlich und zu wenig differenziert geblieben.“

Besser sei es gelungen, ökumenische Akzente zu setzen. Thönissen betonte, „dass wir uns mit Blick auf den Zusammenhang von Rechtfertigungsbotschaft, Feier der Eucharistie, Amts- und auch Kirchenverständnis schon viel näher sind, als es gemeinhin wahrgenommen wird“. Es gebe noch keinen Konsens, aber immer wieder Annäherungen, sagte der Theologe.

„Das Jubiläum wird nachwirken“

Bundesregierung und EKD zogen hingegen eine positive Bilanz. „Wir haben weltoffen, international und ökumenisch gefeiert“, erklärten Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, gemeinsam. Unabhängig von Religion, Alter und Bildungsstand hätten sich Millionen Menschen mit der Reformation, den Folgen und der Relevanz für Deutschland, Europa und die Welt auseinandergesetzt.

„Das Reformationsjubiläum wird nachwirken. Denn es hat zu einer Verständigung über unsere Wurzeln und Werte angeregt. Dies ist zu Zeiten großer gesellschaftlicher Herausforderungen sehr wertvoll“, heißt es in der Erklärung. Der zentrale Gottesdienst und ein staatlicher Festakt zum Reformationstag finden am Dienstag in der Lutherstadt Wittenberg statt.