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Gast-Kommentar von Josef Bordat, freier Publizist

Glaube darf kein Aberglaube werden

Sakramentale Zeichenhandlungen sind etwas anderes als kultische Voodoo-Praktiken, ein Segen ist kein Zauberspruch, Herr Pastor nicht Harry Potter. Im Gastkommentar erläutert Josef Bordat, wie wichtig es ist, zwischen Glaube und Aberglaube zu unterscheiden.

Sakramentale Zeichenhandlungen sind etwas anderes als kultische Voodoo-Praktiken, ein Segen ist kein Zauberspruch, Herr Pastor nicht Harry Potter. Im Gastkommentar erläutert Josef Bordat, wie wichtig es ist, zwischen Glaube und Aberglaube zu unterscheiden.

Der Autor:
Josef Bordat, geboren 1972 in Straelen am Niederrhein, Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, der Soziologie und der Philosophie in Berlin und Arequipa/Perú. Josef Bordat lebt in Berlin und arbeitet als freier Publizist.

Es gibt die religionskritische Auffassung, es sei der größte Aberglaube, an eine Differenz zwischen Glauben und Aberglauben zu glauben. Der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) hat so etwas mal behauptet, gegen die Denkfigur eines vernünftigen Glaubens. Doch Christen machen zu Recht einen Unterschied zwischen Glauben und Aberglauben.

Sie verweisen darauf, dass religiöser Ritus und das daraus resultierende Regelwerk stets rational zu reflektieren sind (sie nennen es „Theologie“). Sie wissen, dass ihr Gottesdienst in seiner Wirkung offen bleibt: Sakramentale Zeichenhandlungen sind etwas anderes als kultische Voodoo-Praktiken, ein Segen ist kein Zauberspruch, Herr Pastor nicht Harry Potter.

Verschwörungstheorien innerhalb der Kirche

Und sie legen Wert darauf, dass der Glaube an Jesus Christus keine irrationale Verkürzung oder Zuspitzung weltlicher Probleme nach sich zieht, sondern zu deren Lösung motiviert. Am Reich Gottes zu bauen, ist das glatte Gegenteil von fatalistischer Endzeitstimmung.

Die Entwicklung hin zu Verschwörungstheorien und Unwissenschaftlichkeit auch innerhalb der Kirche bereitet mir insoweit große Sorge. Wenn Kardinäle von dunklen Mächten und unsichtbaren Kräften sprechen, die uns im Geheimen steuern, dann müssen die Alarmglocken der Vernunft schrillen. Das tun sie auch. Der Widerspruch gegen das auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im Frühjahr veröffentlichte Papier des Ex-Nuntius Viganò, in dem viel Wirres und Irrationales stand, war deutlich vernehmbar. Dennoch ist damit das Thema nicht vom Tisch.

Das Christentum muss immer kritisch bleiben

Religion muss sich immer wieder neu der eigenen Rationalität versichern, das Christentum immer kritisch bleiben, auch nach innen, gegen die spirituell verklärte Banalisierung komplexer Zusammenhänge, deren Ergründung nur in Kooperation aller gesellschaftlichen Kräfte gelingt – Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Kirche leisten je eigene unverzichtbare und unersetzliche Beiträge.

Wir müssen weiter widersprechen. In den Sozialen Medien, im Fitnessstudio, bei der Familienfeier. Mit Jesus lässt sich vieles einfacher deuten, aber es darf nicht zu einfach werden. Denn sonst strickt unser Glaube wieder mit an Feindbildern und fällt dabei am Ende tatsächlich auf Aberglauben zurück. Dessen Merkmal ist es, auf jede Frage eine passende Antwort zu haben. Das Chris­tentum hingegen stellt zunächst die richtigen Fragen und weist auf Antwortmöglichkeiten hin, auch, wenn diese unpassend erscheinen. Diese Differenz muss klar sein.

Die Positionen der Gastkommentare spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von „Kirche+Leben“ wider.

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