Autor aus Friesoythe bringt auch Musik in Morgenandachten bei Radio Bremen 2 unter

Gott um kurz vor sechs – so fesselt Heinrich Deboi die Radiohörer

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Eine anspruchsvolle Aufgabe: Radiohörer auf dem Weg ins Büro oder am Frühstückstisch mit einem Drei-Minuten-Text im Radio für ein religiöses Thema zu interessieren. Als Mitglied im Morgenandachten-Team bei Radio Bremen 2 stellt sich Heinrich Deboi dieser Herausforderung. Fürs nächste Jahr plant er eine Woche mit Texten zum Beispiel über „Let it be“ und „Yesterday“.

Im Moment sitzt er an Andachten über Popsongs, als Projekt für 2023. „Manche Lieder transportieren ja tiefgründige Botschaften“, erklärt Heinrich Deboi. Seine Idee: Jeder seiner Radiobeiträge im nächsten Jahr soll mit ein paar Takten von „Let it be“, „Yesterday“ oder „Morning has broken“ beginnen - und so die Radiohörer von der ersten Sekunde an mitnehmen.

„Die Songs bieten ideale Ansatzpunkte für eine Drei-Minuten-Andacht“, sagt der 62-Jährige. „Weil oft mehr dahintersteckt, als in einem seichten Schlager.“ Und genau darüber wollte er in seinen Beiträgen sprechen.

Heinrich Deboi musste die Redaktion erst mal überzeugen

Doch die Redaktion von Radio Bremen 2 winkte erst einmal ab. Radioandachten seien Textbeiträge, Musik darin nicht vorgesehen. Aber Heinrich Deboi ließ nicht locker. Er lächelt. „Und am Ende konnte ich den Kulturchef des Senders überzeugen.“

Ausgestrahlt werden diese Beiträge in der ersten Juliwoche 2023 auf Bremen Zwei, von Sonntag bis Samstag. In der Woche davor wird er letzte Feinheiten mit dem katholischen Rundfunkbeauftragten Christof Haverkamp absprechen. „Und dann geht es ins Studio.“

Er kennt das schon. Immer donnerstags werden die Dreiminüter produziert. „Meist dauert es nicht lange. Ich übe die Texte ja vorher ausgiebig, fast wie ein Schauspieler.“ Wo er die Stimme heben oder senken muss, wo Pausen wichtig sind, solche Sachen.

Popsongs bieten viele Möglichkeiten

Damit das rüberkommt, was er sagen will. Zum Beispiel, dass in „Morning has broken“ das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ drinsteckt. „Und bei ,I am sailing‘ muss es nicht nur um eine Beziehungskiste gehen, sondern vielleicht ja auch um das Segeln auf dem Meer des Lebens.“ Ideen hat er schon.

Die Musik selbst sei auch wichtig. „Als Schlüssel zu den Herzen der Menschen“, sagt der Mann, der bereits als Schulkind mit elf Jahren zum ersten Mal als Organist den Gesang einer Gemeinde begleitet hat. Anfangs in einer Kapelle in seiner Heimatstadt Friesoythe (Kreis Cloppenburg), kurz darauf auch in der großen St.-Marien-Kirche.

Mit 11 Jahren saß Heinrich Deboi schon als Organist an der Orgel

„Ich kam mit den Füßen noch nicht ans Pedal“, sagt Heinrich Deboi lächelnd. Musik habe ihn geprägt. Noch als Schüler machte er das C-Examen für Kirchenmusik und studierte nach der Bundeswehr Kirchenmusik und Germanistik in Hannover, um Gymnasiallehrer zu werden.

Glaube und Gottvertrauen - für Heinrich Deboi gehört beides fest zum Leben. In seiner Kindheit
hat er es von seinen Eltern mitbekommen. „Sie führten ein Schuhgeschäft und lebten ihren Glauben ganz selbstverständlich. So wurde er auch für mich eine feste Überzeugung.“ Das sei auch wichtig für seine Andachten. „Weil es sehr schnell einstudiert klingt, wenn man nicht selbst glaubt, was man sagt.“

Texte für Menschen im Stau oder im Bad

Gottes Liebe erlebbar zu machen, darauf kommt es ihm an. Früher als Lehrer, Organist oder Chorleiter. Und seit fünf Jahren als Sprecher von Morgenandachten. Dann aber für ein ganz spezielles Publikum: an Wochentagen morgens kurz vor sechs für eilige Pendler auf dem Weg zur Arbeit oder Menschen am Frühstückstisch oder im Bad.

Er weiß, dass man die nicht überfordern darf. „Sonst schalten sie ab.“ Deshalb nutzt Heinrich Deboi für seine theologischen Botschaften immer wieder Ansatzpunkte im Alltag, aus dem, was Menschen erleben und nachvollziehen können. Die Überschriften seiner Texte heißen zum Beispiel „Diätplan“, „Rechtsvorschriften“ oder „Steuererklärung“.

Der Kontakt zum Radio entstand eher zufällig

Zu ersten Mal mit dem Radio in Berührung kam er 1992 eher zufällig. Heinrich Deboi war mit einer A-Cappella-Gruppe zum Proben auf Wangerooge. Nebenbei gestaltete die Gruppe Gottesdienste in der katholischen Inselkirche mit. Und da der Pfarrer dort gerade mit einem Rundfunk-Gottesdienst an der Reihe war, übernahm die Gruppe dabei den musikalischen Teil. „Ich habe Orgel gespielt, die Jungs haben gesungen. Es war toll!“

Wenn auch nicht ganz einfach. „Alles muss ja auf die Minute genau geplant und vorbereitet werden“, erinnert sich Heinrich Deboi an die noch ungewohnte Herausforderung. Dem Sendebeauftragten von Radio Bremen gefiel es damals sogar so sehr, dass Deboi fortan alle zwei, drei Jahre einen Live-Gottesdienst von der Insel mitgestaltete. Bis 2018 der Rotstift den regelmäßigen Übertragungen ein Ende machte - und den Anfang für Debois Karriere als Sprecher setzte.

Wer langweilt, wird abgeschaltet

Er stieg um und versuchte sich mit Morgenandachten. Nach und nach verinnerlichte er die Anforderungen: den Blick für das Publikum, die Sprache, die Konzentration aufs Wesentliche. „Es ist eine Herausforderung, in drei Minuten einen Spannungsbogen zu erzeugen“, sagt Deboi.

Als Honorar bekommt er 30 Euro pro Andacht. Meist schreibt er erst mal anderthalb bis zwei Mal so viel, wie er am Ende braucht. „Und dann dampfe ich alles ein auf das Wichtigste.“  Man bekomme ein Gespür dafür. „Auch dafür, wie man die Leute morgens am Radio nicht überfordert. Die Menschen sind ja oft noch nicht ganz ausgeschlafen, wollen wach werden, wollen mit Leichtigkeit in den Tag. Wenn man denen mit allzu theologischen Themen kommt, schalten sie ab.“

Heinrich Deboi hat seinen eigenen Qualitäts-Check

Morgenandachten auf Bremen 2
Radio Bremen 2 überträgt täglich Morgenandachten. Montags bis freitags um 5.50 Uhr, samstags um 6.50 Uhr und sonntags zwischen 10 und 11 Uhr. Bereits ausgestrahlte Morgenandachten lassen sich nachhören.

Auf die Morgenandachten im Juli freut er sich schon. Und hofft, dass er damit auch junge Menschen erreichen kann. Heinrich Deboi erinnert sich noch an eine Unterrichtseinheit mit Abiturienten über „Bridge over troubled water“ von Paul Simon und Art Garfunkel. „Anfangs schien ihnen die Musik weit weg. Bis sie plötzlich merkten, dass in dem Lied genau ihre Situation beschrieben wird.“

Direkte Reaktionen aus der Hörerschaft halten sich in Grenzen. Manchmal melden sich Bekannte mit aufmunternden oder ermutigenden Worten. Und für einen Qualitäts-Check hat Deboi deshalb seine eigene Methode. „Wenn ich mir die Stücke nach einem Jahr noch einmal anhöre und immer noch zufrieden bin.“