Erste Seligsprechung im Dom in Münster geleitet

Großdechant Jung: Meisner war Schlesier und Vertriebener

Auf die Wurzeln des verstorbenen Kardinals Joachim Meisner in Schlesien hat Großdechant Franz Jung (80) aus Münster hingewiesen. Meisner habe immer wieder betont, „dass er ein Schlesier und ein Vertriebener ist“, sagte Jung am Mittwoch im Gespräch mit „Kirche-und-Leben.de“. Der Großdechant war von 1983 bis 2012 Visitator für die aus der schlesischen Grafschaft Glatz vertriebenen Katholiken. Seine Visitatur hatte bis zur Auflösung 2012 ihren Sitz in Münster.

Besonders dankbar seien die schlesischen Katholiken dafür, dass Meisner am 19. September 2010 in Münster den schlesischen Kaplan Gerhard Hirschfelder selig gesprochen hatte, sagte Jung. „Es war etwas Wunderbares, dass Papst Benedikt XVI. gerade einen Landsmann von uns beauftragt hatte.“

„Kantigkeit und Mut“

Der am Mittwoch verstorbene Meisner wurde am 25. Dezember 1933 im schlesischen Breslau geboren. Er kam 1945 nach Thüringen. Der Kardinal sah die Volksfrömmigkeit in Teilen Schlesiens „auch heute noch“ als „Idealbild einer katholisch geprägten Gesellschaft“ an, wie er 2010 sagte.

Nachdem Seligsprechungen zuvor fast ausschließlich im Vatikan vorgenommen wurden, war die von Meisner geleitete Zeremonie für Gerhard Hirschfelder die erste Liturgie dieser Art im St.-Paulus-Dom in Münster. Hirschfelder kam 1942 im nationalsozialistischen Konzentrationslager Dachau ums Leben.

Jung würdigte auch die „Kantigkeit“ und den Mut Meisners: „Es machte ihn sympathisch, dass er den Mund aufmachte, wo es nötig war, auch wenn das nicht jedem passte.“