Staatsministerin aus Münster ruft Politiker zu öffentlichem Bekenntnis auf

Grütters warnt vor Entchristlichung der Gesellschaft

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat vor einer Entchristlichung der deutschen Gesellschaft gewarnt. „Eine strikte religiöse Neutralität des Staates und eine Privatisierung der Religion fördert nicht Toleranz und Weltoffenheit der Gesellschaft. Im Gegenteil: So legt man die Axt an ihre Wurzeln“, sagte sie am Freitagabend in der Hamburger Petrikirche.

Grütters verwies auf ein Dilemma bei der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Religion: „Wo sie im öffentlichen Leben Präsenz zeigt, gelten Weltoffenheit und Toleranz häufig als gefährdet. Wo sie aber aus dem öffentlichen Leben verschwindet, ertönt das Klagelied vom Untergang des Abendlandes.“

Demokratie verträgt „jede Menge Religion“

Sie plädierte für eine Gesellschaft, die sich zu ihren christlichen Wurzeln und ihrer Identität bekennt. Gerade dadurch könne man dem Fremden Raum geben, ohne sich bedroht zu fühlen: „Unsere vom Christentum geprägte Geschichte, trägt und prägt auch unsere Kultur der Verständigung.“

Grütters appellierte an alle Christen, sich öffentlich zu ihren Werten zu bekennen. Das gelte auch für Politiker. Die freie Kunst könne darüber hinaus wichtiger Vermittler dieser Werte sein. Eine offene und kulturfreundliche Demokratie vertrage ihrer Auffassung nach „jede Menge Religion“.

Konferenz zur „Zukunft der Religion“

Die aus Münster stammende Kulturstaatsministerin, die auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist, äußerte sich im Rahmen einer Konferenz zur „Zukunft der Religion“, die noch bis Samstag in Hamburg stattfindet. Veranstalter sind die „Zeit“-Stiftung und der „Zeit“-Verlag. Die Tagung setzt sich mit der Rolle des Glaubens in unserer Gesellschaft auseinander.

Unter den Referenten sind auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Vatikanbotschafterin Annette Schavan und die jesidische Filmemacherin Düzen Tekkal.