Katholisches Büro in NRW bringt Famlien-Initiative auf den Weg

Hamers: Jedes Gesetz auf Familientauglichkeit untersuchen

Das Katholische Büro in Düsseldorf hat eine familienpolitische Initiative auf den Weg gebracht. Dazu äußert sich der Leiter des Büros, Antonius Hamers.

Kirche+Leben: Was soll mit der familienpolitischen Initiative erreicht werden?

Antonius Hamers: Wir wollen zweierlei erreichen: Wir wollen unsere Forderungen in der Familienpolitik deutlich machen. Familienpolitik ist eine Querschnittsaufgabe, die auch die Zukunft dieses Landes maßgeblich mit bestimmt. Es ist wichtig, dass Menschen ermutigt werden, Familien zu gründen, Kinder zu bekommen, und dass sie darin unterstützt werden durch die Familienphasen hindurch. Zugleich wollen wir deutlich machen, was wir als katholische Kirche in Nordrhein-Westfalen mit unseren Einrichtungen und Verbänden für Familien leisten. Das fängt bei der Schwangerschaftsberatung an, geht über die Kindergärten, die Schulen, die Jugendarbeit und bis hin zu den Familienberatungsstellen. Wir machen deutlich, wo wir gut aufgestellt sind und dazu beitragen, dass sich Menschen in Nordrhein-Westfalen für Kinder und Familie entscheiden können.

Sie haben von einer Querschnittsaufgabe gesprochen. Es gibt ja ein eigenes Familienministerium. Sollten auch andere Ressorts mit Familie zu tun haben?

Jedes Gesetz muss auf seine Familientauglichkeit untersucht werden. Bisher werden bei jeder Gesetzesinitiative Kosten und Arbeitsaufwand abgeschätzt. Es wäre gut, wenn künftig bei einem Gesetz ersichtlich wird, dass es auch Familien betreffen könnte und die Folgenabschätzung einbezogen wird, also die Frage: Welche Auswirkung hat ein Gesetz auf Familien, Partnerschaften und Kinder?

Nordrhein-Westfalen hat anders als manche Bundesländer ein eigenes Familienministerium. Sind Sie mit der Arbeit zufrieden?

Wir stehen mit dem Familienministerium in einem guten Kontakt. Es gehört zu den Ressorts, mit denen wir am meisten zu tun haben, auch weil im Familienministerium die Kinderbetreuung mit ihren Tageseinrichtungen ressortiert. Insofern ist das Ministerium ein wichtiger Partner. Zugleich wünschen wir uns schon an einigen Stellen, dass die Familienpolitik stärker gefördert wird und die Politik unsere Belange mehr in den Blick nimmt - gerade bei der Finanzierung der Kindertageseinrichtungen.

Warum?

Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf, kritisiert die Kita-Finanzierung des Landes NRW. | Foto: Jens Joest
Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros in Düsseldorf, kritisiert die Kita-Finanzierung des Landes NRW. | Foto: Jens Joest

Das ist ein Streitgegenstand, weil das Kibiz-Gesetz derzeit keine auskömmliche Finanzierung der Kindertageseinrichtungen garantiert und wir weit mehr Geld in dieses System pumpen müssen, als wir von Gesetz wegen dazu verpflichtet sind. Wir wollen als katholische Kirche Kindergärten und Kindertageseinrichtungen unterhalten, erwarten aber vom Land und von den Kommunen, dass sie sich gesetzeskonform verhalten, was die Finanzierung angeht. Da sind wir aktuell mit dem Familienministerium nicht zufrieden.

Geht es der katholischen Kirche vorrangig darum, mehr Geld für die Familienpolitik zu bekommen?

Nein, darum geht es gerade nicht. Viele familienpolitische Aufgaben sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Daher muss sich daran auch der Staat als Repräsentant der gesamten Gesellschaft finanziell beteiligen. Es geht uns auch um Zuständigkeiten, vor allem aber darum, dass Familien insgesamt stärker in den Blick geraten. Das gilt zum Beispiel für bestimmte Armutsrisiken, etwa bei Alleinerziehenden oder kinderreichen Familien. Da ist die Politik gefragt, Armutsrisiken zu verhindern. Wir wissen sehr wohl die Landesinitiative „Kein Kind zurücklassen“ zu schätzen, sehen aber an anderen Stellen weiteren Betätigungsbedarf von Landesseite. Kurz gesagt: Es geht nicht darum, uns als Kirche finanziell besser zu stellen, sondern darum, Familien zu unterstützen.

Zahlreiche Ehen in Deutschland scheitern. Ist das eigentlich eine Privatangelegenheit?

Ja und nein. Das ist eine private und zugleich eine gesellschaftliche Angelegenheit. Wenn eine Ehe auseinandergeht, betreffen die Folgen und damit auch die Kosten immer auch die gesamte Gesellschaft. Wie erwähnt, sind Alleinerziehende vielfach einem zusätzlichen Armutsrisiko ausgesetzt. Das heißt umgekehrt: Der Staat muss zusätzliche Mittel aufbringen.

Was ist zu tun?

Wir müssen Menschen ermöglichen, an ihrer Partnerschaft zu arbeiten und sie trotz einer Krise zu retten - nicht nur, aber auch weil es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und es um finanzielle Dinge geht. Es geht ja auch um die Kinder, denn gerade sie sind beim Zerbrechen einer Partnerschaft und Familie die Leidtragenden. Insofern ist es eben nicht alleine eine Privatangelegenheit der Eheleute.

Also ist auch der Staat gefragt?

Ja. Auch der Staat ist gefragt, Paare darin zu unterstützen, Krisen durchzustehen und Paare zu ermutigen, zusammenzubleiben. Eines ist völlig klar: In manchen Fällen sind Partnerschaften so gescheitert, dass es für beide Seiten nur noch der beste Weg ist, sich zu trennen. Andere Krisen können mit externer Hilfe überwunden werden. Da sind wir gerade als katholische Kirche sehr gut aufgestellt mit unseren Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, die sich darum bemühen, Menschen eine Perspektive aufzuzeigen, die Partnerschaft fortzusetzen und damit eben die Gemeinschaft der Familie aufrecht zu erhalten.

Das heißt, es kann auch vorbeugende Familienberatung geben?

Absolut. Das ist ein wichtiges Präventionsangebot.