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Ökumenisches Projekt an der Wasserburg in Lüdinghausen geht weiter

Idee dank Corona: Burg Vischering bietet wunderbare Gottesdienst-Kulisse

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Als es in der Corona-Pandemie galt, alternative Orte für Gottesdienste zu finden, mussten die Kirchen in Lüdinghausen nicht lange suchen. Seit mehr als einem Jahr wird an der Gräfte der Wasserburg Vischering ökumenisch gefeiert, gesungen und gebetet.

Der Regen hat vor wenigen Minuten aufgehört. Jetzt kämpft sich die Sonne durch die Wolken über der Burg Vischering bei Lüdinghausen. Es ist viel los in den Parkanlagen rund um die Gebäude der Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert. Seit mehr als einem Jahr mischen sich an den Sonntagen die touristischen Besucher der Anlage mit den Teilnehmern an einem besonderen Gottesdienst. Die biegen kurz vor der Brücke zur Burganlage nach rechts ab. Dort steht unter einer großen Platane ein Tisch mit weißer Decke, Kreuz, Kerzen und Blumen.

Die Pfarrgemeine St. Felizitas und die evangelische Gemeinde in Lüdinghausen haben zur ökumenischen Feier eingeladen. „Aus der Not geboren“, sagt Pastoralreferent Ruth Reiners mit Blick auf den ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020. „Bei den Einschränkungen für die Gottesdienste in den Kirchen suchten wir nach einer Alternative.“ Dass diese im Freien vor der Burg Vischering gefunden wurde, hat eine Vorgeschichte. „In der Vergangenheit gab es zu besonderen Anlässen immer mal wieder Freiluft-Gottesdienste an diesem Ort.“

Die Ökumene in Lüdinghausen funktioniert

Auch dass dieses Angebot ökumenisch organisiert wurde, ist nicht überraschend. „In Lüdinghausen schauen wir bei größeren Projekten immer sofort, ob wir nicht etwas gemeinsam auf die Beine stellen können“, sagt Pastorin Silke Niemeyer. Der Heiligabend etwa wird schon seit vielen Jahren gemeinsam begangen. Auch schon vor der Burg Vischering. „Im Winter in einer wunderbaren Kulisse.“

Die gibt es an diesem Ort zu jeder Jahreszeit. Und so verwundert es nicht, dass die ökumenischen Gottesdienste an der Burg in der ganzen Corona-Zeit keine Pause machten. Durchgehend kamen die Menschen zum gemeinsamen Gebet auf die Wiese zwischen den Gräften und Teichen, auch bei Regen und Sturm. Nur bei den schweren Schneefällen im Februar drohte eine Unterbrechung. „Wir sind mit einer kleinen Gruppe trotzdem hierhergekommen und haben ein Vaterunser gebetet“, sagt Niemeyer. „Wir wollten unbedingt behaupten können, ununterbrochen hier gewesen zu sein.“

Umzug in den Schatten

Vor einigen Wochen sind sie allerdings umgezogen. Während zuvor die große Wiese an der Vorburg Ort der Gottesdienste war, singen und beten sie jetzt unter dem Laubdach der Platanen direkt an der Burg-Gräfte. Der heiße Sommer hatte den schützenden Schatten notwendig gemacht. Die Nähe zum Wasser hat an diesem Tag einen besonderen Gast angelockt: Eine Gans ist aus dem benachbarten Teich geklettert und watschelt neugierig durch die Gottesdienstgemeinde. Genug Platz hat sie, denn die Abstandsregel wird weiterhin ernst genommen.

Es sind nicht mehr 1500 Teilnehmer, wie sie zum ersten Gottesdienst am 24. Mai vergangenen Jahres kamen. Einige hundert kommen aber immer noch regelmäßig. Der QR-Code für die Luca-App hängt einlaminiert am Baum, Zettel für die persönlichen Daten im Fall einer Nachverfolgung liegen bereit, beim Singen werden die Masken aufgesetzt. Die Menschen sitzen verstreut. Auf bereitgestellten Bänken, mitgebrachten Klappstühlen oder Decken.

Equipment wird im Torhaus gelagert

„Mit dem Ordnungsamt haben wir schnell und immer wieder neu die Vorgaben geprüft und umgesetzt“, sagt Reiners. Sie hat ohnehin eine große Bereitschaft aller Beteiligten festgestellt, die passenden Voraussetzungen zu schaffen. So unterstütze auch der Kreis Coesfeld das Projekt von Anfang an. Nicht zuletzt durch die Möglichkeit, Tische, Bänke, Lautsprecher und weiteres Equipment im Torhaus zu lagern.

Die Lautsprecher spielen eine wichtige Rolle, auch wenn die Gottesdienst-Wiese nicht mehr so weitläufig ist wie zuvor. „Die Schwestern aus dem Franziskanerinnenkloster gegenüber der Burg öffnen immer ihre Fenster, um mitzufeiern“, sagt Markus Breuer. Der Seelsorger aus dem benachbarten Altenheim St. Antonius gehört zu dem großen Team, das sich beim Dienst am Altar abwechselt.

Besucher schätzen die Atmosphäre

Einige Lieder, die Lesung, Predigt und Gebete – mehr braucht es nicht zu einem Erlebnis, das die Corona-Beschränkungen lange überdauern wird. Davon ist auch Siegfried Mack überzeugt, der mit seiner Frau seit mehr als einem Jahr jeden Sonntag aus Olfen anreist. „Wir haben einen Ersatz für die ausfallenden Gottesdienste in unserer Kirche gesucht und etwas gefunden, das viel mehr ist.“ Die Kulisse schafft eine Atmosphäre, die biblischen Worten für ihn außergewöhnlichen Ausdruck verleiht. „Wir sind hier raus aus den kirchlichen Mauern mit ihren historischen Hintergründen, die auch Ballast sein können.“ Er bemerkt, wie daraus eine Freiheit entstehen kann, „die Menschen zusammenbringt, die sonst nie eine Kirche betreten würden.“

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