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St.-Jakobus-Pfarrei will Glauben neu entfachen

Im Saterland klingeln jetzt Missionare an der Haustür

  • Das bundesweite Schönstatt-Projekt „Misiones – Glauben leben“ macht in diesem Jahr Station im oldenburgischen Saterland.
  • Vom 26. März bis zum 3. April sind für diese moderne Form der Gemeindemission ein Dutzend junge Leute aus ganz Deutschland in der St.-Jakobus-Pfarrei zu Gast.
  • Hausbesuche bei möglichst vielen der 7.700 Katholiken bilden einen wichtigen Teil des Projekts.
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Manche werden sich wohl wundern. Wenn es an der Haustür klingelt und zwei unbekannte Jugendliche persönlich zu einem Gespräch und zu einer Glaubenswoche der Gemeinde einladen wollen, einfach so. Ziemlich ungewöhnlich in der ländlichen Gemeinde Saterland im Kreis Cloppenburg. Aber vielleicht ist gerade das Teil des Erfolgsrezepts des Projekts, mit dem die St.-Jakobus-Pfarrei Glaube und Spiritualität neu entfachen will.

Hausbesuche bei möglichst vielen der 7.700 Gemeindemitglieder bilden ein Kernstück der Aktion „Misiones – Glauben leben“. Die läuft unter dem Dach der Schönstattbewegung jedes Jahr in einer anderen Stadt oder Gemeinde in Deutschland. In diesem Jahr hat sich das Team dafür das Saterland ausgesucht. Rund zwölf junge Leute aus dem gesamten Bundesgebiet werden dafür Ende März dort Station machen.

Missionswoche zweimal verschoben – wegen Corona

Das Ganze versteht sich als neue Form von Gemeindemission. Nicht mehr so, wie noch vor 30 Jahren vielerorts alle paar Jahre üblich: mit Predigern, meistens Ordensleuten, die abends zu Gottesdiensten und Vorträgen zu religiösen Themen einluden. Sondern: mit mehr persönlichen Gesprächen und Aktionen.

Schon seit 2019 hat sich die Pfarrei darauf vorbereitet, hat viele Gruppen in den vier verstreut liegenden Gemeindeteilen eingebunden und ein buntes Programm erstellt. Außer mit Hausbesuchen auch mit Gottesdiensten, einem Frauenfrühstück, einem Senioren-Nachmittag, offenen Café-Angeboten, drei thematischen Hausgesprächskreisen, Jugendmessen, einem Männerabend unter dem Motto „Trink mit Gott“ oder täglichem Abendlob. Zweimal, 2020 und 2021, musste das Ganze wegen der Pandemie verschoben werden. In der Woche vom 26. März bis zum 3. April soll es endlich so weit sein.

Ein Ziel: Mehr Beteiligung am Gemeindeleben

Die Schönstatt-Marienschwester Aniéla Krokauer und ihre Mitschwester Elsmarie Rosskamp leben im Gemeindeteil Sedelsberg und hatten dem Pfarreirat der St.-Jakobus-Pfarrei das „Misiones-Projekt“ vorgeschlagen, als der nach Möglichkeit suchte, die Themen Spiritualität und Glauben in der Gemeinde neu ins Bewusstsein zu rufen, nicht nur bei jungen Leuten, sondern in allen Altersgruppen.

Mehr Beteiligung am Gemeindeleben – das wünscht sich zum Beispiel Stefan Gehrold. Der Familienvater gehört zum Vorstand des Pfarreirates der St.-Jakobus-Pfarrei. Er verweist etwa auf den geschrumpften Gottesdienst-Besuch, sieht aber auch die besonderen Herausforderungen der Flächengemeinde: „Wenn man sonntags zum Gottesdienst nach Strücklingen will, sind das schon mal 15 Kilometer.“

Kritische Themen sollen zur Sprache kommen

„Wir hoffen, dass wir es schaffen, Glauben neu zu entfachen“, sagt der Pfarreiratsvorsitzende Georg Pugge. Kritische Themen sollten dabei nicht ausgespart werden. Er hat dabei zum Beispiel einen Gesprächsabend der Gemeindegremien mit den dem Misiones-Team zum Thema „Kirche der Zukunft“ vor Augen.

Woran misst die Gemeinde am Ende den Erfolg? Stefan Gehrold: „Für mich wäre ein Indikator, wenn es uns gelingt, Gruppen aus der Gemeinde, die zwar zur Gemeinde gehören, die aber innerhalb der Kirche nicht mehr sehr auffällig geworden sind, neu für Gemeindearbeit und Spiritualität zu interessieren.“

Die Woche soll Gemeinschaftserlebnisse möglich machen

Für Georg Pugge ist das Projekt an sich aber auch schon ein Erfolg: „Weil Menschen dabei Gemeinschaft erleben können. Nach den Erfahrungen nach Corona ist das Bedürfnis danach groß.“  Er ist optimistisch, „denn das Misiones-Team hat an anderen Orten positive Erfahrungen mit dem Projekt gemacht“.

Derzeit rührt die Pfarrei ordentlich die Werbetrommel für die Misiones-Woche. Dafür hat sie zum Beispiel 5000 Flyer drucken lassen. Außerdem hängen Plakate an den vier Kirchen. Und während der Aktion wollen die Team-Mitglieder auch vor den örtlichen Supermärkten Menschen auf die Angebote ansprechen und dazu einladen.

Was erwartet Menschen bei den Gesprächen der Haustür? „Die jungen Hausbesucher wollen nicht missionieren“, beteuert Georg Pugge. „Sie kommen, um zu hören, was Menschen bewegt und beschäftigt.“ Schwester Elsmarie Rosskamp: „Und wenn man sie reinlässt, ist es gut, wenn nicht aber auch.“

Das Projekt „Misiones – Glauben leben“
An ihren gelben Shirts sind sie von weitem zu erkennen: die Vertreter einer modernen Form von Gemeindemission, die sich selbst mit Bezug auf den Ursprung der Idee in Lateinamerika „Misioneros“ nennen. Seit 2009 ist dieses von der Schönstadtbewegung getragene Projekt Jahr für Jahr in einer anderen Stadt oder Gemeinde in Deutschland unterwegs, zuletzt – vor Corona – in der Bocholter Pfarrei St. Josef. Dabei wollen sie ihren eigenen Glauben zeigen, mit anderen darüber reden und so für die Kirche werben. Wie im Saterland bereiten sich die Gemeinden im Vorfeld auf die Misiones-Woche vor und organisieren verschiedene katechetische, soziale und spirituelle Angebote. Das Offizialat fördert das Projekt aus dem Fördertopf „Gute Idee!“ mit 3000 Euro. Weitere Informationen – auch für interessierte Pfarreien – gibt es unter www.misiones-glauben-leben.de

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