Weihnachten zwischen Marktfrau und Fleischer

In Epe bei Gronau wird Jesus in Neapel geboren

Wer durch die Innenstadt von Epe geht, entdeckt schnell den erleuchteten Raum der Galerie von Georg van Almsick. Dort, wo Grafiken und Werke zeitgenössischer Künstler zum Verkauf angeboten werden, steht in diesen Tagen mitten im Raum eine große Neapolitanische Krippe. Sie ist unverkäuflich. „Dafür darf man sie aber umso intensiver betrachten“, sagt van Almsick schmunzelnd. Auch er wirft regelmäßig Blicke auf seine mit Leidenschaft gesammelten Figuren. 

Die historischen Sammlerstücke, die zum Teil älter als 150 Jahre sind, zeigen auf der Bühne unterschiedliche Szenen. Viele Details sind zu entdecken. Die Geburt Christi ist eingebettet in lebhaftes Treiben. Musiker, Schenken und Marktstände verbreiten südländisches Flair zu Zeiten Neapels des 18. und 19. Jahrhunderts. 

Jesus zwischen Marktfrau und Fleischer

Die Krippe zeigt das Alltagsleben des neapolitanischen Volks: die Marktfrau, die Obst und Gemüse zum Kauf anbietet, den Fleischer mit seinen Wurstwaren, die Wäscherin, die sich abarbeitet, die Musikgruppe, die unterwegs ist zur Krippe. Natürlich spielen auch das Jesuskind und Maria und Josef eine wichtige Rolle, aber sie sind in der Szenerie eingebettet in das ganz normale Leben der Menschen. 


Hedi Nacke (rechst) unterstützt Georg van Almsick beim Aufbau der Krippe. Foto: Johannes Bernard


Georg van Almsick hat auf seinen Reisen viele Krippen aus aller Herren Länder gesammelt. Die Neapolitanische Krippe jedoch hat es ihm besonders angetan. Mehrmals war der 79-Jährige in Neapel in der Via San Gregorio Armeno, der berühmtesten Krippenstraße der Welt, um nicht die neuen, sondern die historischen
Figuren zu suchen. „Ich liebe Krippen und stelle sie gern aus. Der Zauber der Weihnacht liegt in ihnen“, sagt der Kunstkenner. 

Kunstvoller Krippen-Aufbau zu zweit

Beim Aufbau und der Gestaltung der Krippenlandschaft hilft ihm seine Nachbarin Hedi Nacke. Die mehrfach ausgezeichnete Marionetten- und Puppenkünstlerin bringt die Figuren in Position und stellt sie so, dass sie den Betrachter anschauen. „Das Wesentliche an den Figuren sind die Alltagsgesichter mit ihren Entstellungen, ihren Makeln und emotionalen Ausdrücken“, sagt van Almsick. „Mit ihren originalgetreu verkleinerten Werkzeugen, Musikinstrumenten und anderen Accessoires scheinen sie uns aus ihren Glasaugen anzuschauen.“ 

Für den Kunstliebhaber ist die Darstellung der Geburt Christi das Entscheidende einer Krippe. Wenn diese in das Leben der Menschen wie hier in den Alltagstrubel von Neapel eingebunden sei, gefalle ihm die Botschaft von Weihnachten besonders gut: „Das Leben ist bunt und oft auch trubelig. Das zeigt die Neapolitanische Krippe auf einzigartige Weise.“

Georg van Almsick freut sich auf Besucher. Seine Galerie in Gronau-Epe ist von Mittwoch bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Eine gesonderte Öffnungszeit kann unter Telefon 0 25 65/10 61 vereinbart werden.