Gebetsanreden - Eine Serie durch den Advent (3)

Jesus - „Gutmensch“ oder theologisches Schwergewicht?

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Jesus ist doch eigentlich zu wenig. "Jesus Christus" trifft es schon eher. Warum eigentlich? Weil "Jesus" nach Leichtgewicht und Gutmensch klingt? Unserer Serie durch den Advent blickt auf die Titel, die wir für den haben, dessen Kommen diese Zeit erwartet. Passen sie noch zu uns - und zu unserer Beziehung zu dem, um dessen Ankunft sich alles dreht?

„Bin ich Jesus? Kann ich übers Wasser laufen?“ In solchen flapsigen Redensarten mancher Zeitgenossen wird klar: Er war nicht nur wundertätig, sondern auch ein ordentliches Quantum wundersam, dieser Jesus. „Jesus“ – das sagen jene Menschen, die mit dem Glauben eher aus etwas Abstand zu tun haben, mit der Kirche schon mal gar nicht.

Wo die Anrede „Jesus Christus“ das volle Bekenntnis ist, schwere theo­logische Wucht und tiefe Seelen-Beziehung, da wirkt „Jesus“ verträglicher, wie ein freundliches Leichtgewicht. Ein guter Kerl, der keinem Böses wollte. Vielleicht würden ihn heute einige „Gutmensch“ nennen. Und sie hätten so Unrecht nicht, allerdings im Wortsinn, denn ein guter Mensch, der Inbegriff des Guten, das Ja Gottes, das war Jesus ganz gewiss. Und: Er vermochte das Gute im Menschen anzurühren, zu erwärmen, anzustupsen und aufzuwecken.

Dieser Name - definitiv kein Modetrend

Im Evangelium bekommt der Gottessohn seinen Namen, weil ein Engel es so will. Bei Matthäus sagt er Josef: „Maria wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben.“ Bei Lukas ist Maria die Empfängerin der Botschaft: „Siehe, du wirst schwanger werden, und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.“

Modetrends folgte die Namenswahl also nicht – eine klare Begründung gab es allerdings: „... denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“ Jesus ist nicht nur der Retter, er heißt auch so.

Dürer: Ein Bild von einem Jesus

Albrecht Dürer: Selbstbildnis (1500)Albrecht Dürer: Selbstbildnis (1500), Alte Pinakothek, München. | Foto: Archiv

„Bin ich Jesus?“, scheint sich auch Albrecht Dürer gefragt zu haben, als er dieses berühmte Bild links 1500 im Alter von 28 Jahren gemalt hat. Lange Haare, Bart, die Handhaltung mit den drei ersten Fingern beieinander, die Frontalsicht auf den dargestellten Mann, der direkte Blick – sogar die kleine Haarsträhne oben auf der Stirn: All das sollten doch untrügliche Anzeichen dafür sein, wer hier  zu sehen ist: Jesus natürlich!

Tatsächlich aber ist es ein Selbstbildnis Dürers. Er sieht sich der sogenannten „Imitatio Christi“ verpflichtet, der Nachahmung Christi, und dem Weltenrichter – aber ganz im Dienst der Kunst. Sie löst für Dürer alle religiös besetzte, aber letztlich gescheiterte Rechtsprechung und Gerechtigkeit ab.

Ein Name für die Namenslosen

Wie auch immer: „Bin ich Jesus?“ Und wer ist Jesus für mich, wenn ich zu ihm bete? Mir ist er als der Vertraute nah, als der treue Freund, der gute Ratgeber, der weise Herzenskenner. Der zugleich mit innerer Autorität richtend Richtung gibt, der Gerechtigkeit den Weg bahnt und – so sind echte Gutmenschen eben – die Verhältnisse umkehrt: Das Krumme wird gerade.

Dieser Jesus, in dem Gott benannt wird wie wir Menschen uns Namen geben, er spricht als die vielen Namenlosen und als jene, die um ihren guten Namen gebracht wurden. Ihnen allen macht hoch die Tür!

Gebetsanreden - Eine Serie durch den Advent
Teil 1: Die Schwierigkeit, vom "Herrn" zu sprechen
Teil 2: Jesus unser "Bruder" - ist das zu nah?

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