Professor aus Münster: Verfassung ist religionsfreundlich

Jurist Wißmann: Das Grundgesetz ist Glücksfall und Erfolgsmodell

Das Grundgesetz ist nach Auffassung des Münsteraner Juristen Hinnerk Wißmann „ein Glücksfall für die deutsche Geschichte, ein Erfolgsmodell im internationalen Vergleich“. In einem Interview mit „Kirche+Leben“ sagte Wißmann: „1949 wurden sehr kluge Entscheidungen getroffen.“ Daher gebe es keinen Handlungsbedarf, das seinerzeit als Provisorium geplante Grundgesetz zu ändern, erklärt der Jura-Professor, zu dessen Forschungsschwerpunkten das Religionsverfassungsrecht gehört.

Wißmann sagte, der Staat sei eindeutig religiös neutral. Die Präambel und die Formulierung „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott“ könne nicht mehr im Sinne einer Verchristlichung des Staates gedeutet werden. „Mit dieser Präambel ist aber eben auch gesichert: Das Grundgesetz ist religionsfreundlich und etabliert keinen atheistischen Staat“, erklärte der Jurist, der das Kommunalwissenschaftliche Institut an der Universität Münster leitet.

„Der Staat mäßigt sich und erkennt die Rolle der Religion an“

Hinnerk WißmannDer Jurist Hinnerk Wißmann sagt: Das Grundgesetz funktioniert. | Foto: Christof Haverkamp

Laut Wißmann gibt es im Verhältnis von Staat und Religion eine Reihe von Schnittstellen, bei denen die Religion als gesellschaftliche Kraft „auch den staatlichen Bereich imprägniert und steuert“. Als Beispiele nannte der Jurist den Religionsunterricht oder die besonderen Rechtsformen für die Kirchen oder die Möglichkeit, dass die Religionsgemeinschaften im Sozialstaat eine große Rolle spielten. „Daraus folgt: Der Staat mäßigt sich selber, indem er die Rolle der Religion anerkennt.“

Am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verkündet. Der Text fußt auf mehreren Vorgängern. Nach der brutalen NS-Diktatur setzten die Väter und Mütter des Grundgesetzes die Menschenwürde bewusst an den Anfang.