Symbolisch Kerzen in vielen Kirchen entzündet

Katholischer Reformprozess Synodaler Weg hat begonnen

Mit Gottesdiensten in vielen Bischofskirchen ist am Sonntag ein neuer Reformdialog der katholischen Kirche in Deutschland eröffnet worden. Zum Beginn des Synodalen Weges entzündeten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, im Münchner Liebfrauendom gemeinsam eine Synodalkerze. Beide gehören dem Präsidium des Synodalen Wegs an.

Eine Synodalkerze wurde auch im Kapitelsamt im St.-Paulus-Dom in Münster entzündet, ebenso in manchen Kirchen in Pfarreien im Bistum Münster. Nach dem symbolischen Auftakt steht vom 30. Januar bis zum 1. Februar 2020 die erste Synodalversammlung in Frankfurt an. Alle Vollversammlungen sollen live im Internet übertragen werden.

Marx: Hindernisse beseitigen, um Zeugen der Hoffnung zu sein

Mit dem auf zwei Jahre angelegten Synodalen Weg wollen die Bischöfe und das ZdK über die Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschland beraten. Ein Ziel ist, nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Schwerpunktthemen sind die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche. Höchstes Gremium des Prozesses ist die Synodalversammlung mit mehr als 200 Frauen und Männern. Bis Mitte Dezember soll die Teilnehmerliste komplett sein.

Kardinal Marx warb in seiner Predigt darum, aufeinander zu hören und auch bei unterschiedlichen Meinungen zur Einmütigkeit zu finden. „Nach der schrecklichen Erfahrung, dass sexueller Missbrauch in der Kirche stattgefunden hat“, gelte es nun, „Gefährdungen systemischer Natur“ anzuschauen, etwa „falsche Herrschaftsorgansiationen“. Um wieder glaubwürdige Zeugen der Freude und der Hoffnung zu sein, „müssen wir manche Hindernisse beseitigen“.

Marx: Volk Gottes offen für neue Erfahrungen

Dies könne aber nur in Einheit mit der Weltkirche und dem Papst geschehen, fügte er hinzu. Zudem brauche es Offenheit für das Wirken des Heiligen Geistes und eine Atmosphäre des Gebets, sonst könne der Synodale Weg nicht fruchtbar sein. Die Kirche sei „kein geschlossenes System, keine Zitadelle, die sich einmauert“, sondern das Volk Gottes, das miteinander unterwegs und offen sei für neue Erfahrungen.

„Glaubwürdigkeit ist absolut notwendig und die wollen wir wiedergewinnen durch unsere selbstkritische Arbeit“, betonten Marx und ZdK-Präsident Thomas Sternberg in einer Videobotschaft zum Auftakt. Alle Katholiken seien eingeladen, sich zu beteiligen, etwa über die Internetseite www.synodalerweg.de.

Verbindlichkeit umstritten

Umstritten ist, wie verbindlich die Beschlüsse der Beratungen sein können. Viele Katholiken hoffen auf konkrete Veränderungen und sehen darin eine der letzten Chancen, die aktuelle Krise zu überwinden. Andere verweisen darauf, dass gerade die besonders strittigen Themen nicht in Deutschland entschieden werden könnten.

Diese Spannung wurde auch in einem Pressegespräch nach dem Gottesdienst in München sichtbar. ZdK-Vizepräsidentin Kortmann betonte, nach fast 30 Jahren diverser Reformdialoge in Deutschland müssten nun „belastbare Ergebnisse“ erzielt werden. „Erneuerung fängt auch damit an, dass man Strukturen erneuert“, sagte sie. Sie rechne damit, „dass sich vieles an den Themen Zölibat und Priestertum der Frau entzünden wird“, auch wenn es noch andere Themen gebe.

Marx: Hohes Interesse im Ausland am Synodalen Weg

Marx wandte sich dagegen, „jetzt schon Ergebnisse zu erwarten“. Synodaler Weg bedeute nicht: „Wie setze ich meine Sache durch?“, sagte er. Zudem sei „völlig undenkbar, dass die Kirche in Deutschland irgendetwas entscheidet ohne die anderen“. Gleichwohl spüre er ein hohes Interesse im Ausland daran, „was wir in Deutschland machen“. Manche Länder wollten Delegationen zum Synodalen Weg entsenden: „Ich glaube, es wird munter werden, aber wir werden gut miteinander streiten.“