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Identität des Mannes wurde durch Studie bekannt

Missbrauch: Bischof Bode versetzt beschuldigten Priester in Ruhestand

  • Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat einen Priester in den Ruhestand versetzt.
  • Dem Mann wird grenzüberschreitendes Verhalten vorgeworfen.
  • Seine Identität ist durch den Zwischenbericht der Missbrauchsstudie bekannt geworden.
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Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode hat einen Priester außer Dienst gestellt, dem grenzüberschreitendes Verhalten vorgeworfen wird. Wie das Bistum am Donnerstag mitteilte, wurde der zuletzt in Osnabrück wohnende Geistliche zum 1. Dezember endgültig in den Ruhestand versetzt. Er war bereits vorher angewiesen worden, bis auf Weiteres keine öffentlichen Gottesdienste zu feiern oder andere Aufgaben zu übernehmen.

Anlass der Maßnahme ist das Bekanntwerden der Identität des in den 1960er Jahren geborenen Geistlichen. Sein Fall ist in dem von der Universität Osnabrück Mitte September vorgelegten Zwischenbericht beschrieben. Damit wurde ein weiteres Mal im Bistum Osnabrück trotz anonymisierter Fallbeschreibungen der Studie die Identität eines Beschuldigten bekannt.

Missbrauchsstudie bewertet Fall neu

Die Vorwürfe grenzüberschreitenden Verhaltens gegen den jetzt pensionierten Priester beziehen sich auf Vorgänge in früheren Einsatzorten. Die Vorgänge seien „beizeiten von den dazu verantwortlichen staatlichen und kirchlichen Stellen beurteilt worden“, so die Diözese, „ohne dass dabei ein strafbares Handeln festgestellt worden wäre“. Dem Geistlichen sei daraufhin ermöglicht worden, in eingeschränktem Rahmen liturgisch tätig zu sein.

Allerdings habe sich durch die wissenschaftliche Aufarbeitung der Universität für die Bistumsleitung „eine generelle Neubewertung der Zusammenhänge im Umgang mit den Beschuldigten ergeben“, so das Bistum. Daher sei der Mann nun endgültig im Ruhestand. Damit, so die Mitteilung, „versehen nun alle in der Studie genannten Beschuldigten, die im Bistum Osnabrück eingesetzt waren, keine seelsorglichen Dienste mehr“.

Zwischenbericht nennt 16 Fälle

Im Zwischenbericht der Uni war anhand von 16 Fällen der Umgang der Bistumsleitung mit Vorwürfen sexualisierter Gewalt durch Kleriker in den Jahren seit 1945 untersucht worden. Die Forscher kritisierten dabei vor allem mangelnde Sorge um Betroffene und deren Rechte, aber auch Verstöße gegen kirchliche Vorgaben.

Die auf drei Jahre angelegte interdisziplinäre Gesamtstudie soll einerseits das gesamte Ausmaß sexualisierter Gewalt in der Diözese Osnabrück, zu der bis 1995 auch das Gebiet der Erzdiözese Hamburg gehörte, erheben. Zudem geht es um die Rolle des Umfelds von Beschuldigten und Betroffenen, also das Verhalten von Menschen in Gemeinden und Einrichtungen, in denen Kleriker Missbrauch verübten oder dessen beschuldigt wurden.

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