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Warum die Zahlen der neuen französischen Studie so viel höher sind

Missbrauch: In Frankreichs Kirche mehr Betroffene als in Deutschland?

  • Nach der Vorstellung einer Missbrauchsstudie in der französischen Kirche fordert die "Betroffeneninitiative Süddeutschland" eine ähnliche Studie für Deutschland.
  • Die Zahlen der französischen Studie sind um ein Vielfaches höher als in Deutschland.
  • Grund ist eine unterschiedliche Methodik.
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Nach der Vorstellung einer Studie zu sexualisierter Gewalt durch Priester und andere Kirchenmitarbeiter in Frankreich fordert die "Betroffeneninitiative Süddeutschland" eine ähnliche Studie für Deutschland. Hier stehe eine "echte Aufarbeitung" und "ungeschönte Bilanz" noch immer aus, kritisierte die Selbsthilfeorganisation.

Laut der am Dienstag veröffentlichten Studie gab es in der katholischen Kirche in Frankreich seit 1950 geschätzt 216.000 minderjährige Opfer sexueller Übergriffe durch Priester und Ordensleute. Man habe zwischen 2.900 und 3.200 potenzielle Täter ermittelt. Nimmt man Laien und Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen wie Schulen und Pfarreien hinzu, kommt die Kommission auf geschätzt 330.000 Betroffene. Die Kommission erklärte, ihre Zahlen seien Hochrechnungen auf "sexualwissenschaftlicher Basis", es handele sich nicht ausschließlich um durch Quellen verbürgte Vorgänge.

Hellfeldstudie und Dunkelziffer

Die bisher größte kirchliche deutsche Untersuchung, die MHG-Studie von 2018, war dagegen eine sogenannte Hellfeldstudie, die nur tatsächlich belegte Verdachtsfälle und nicht - wie in Frankreich - die mutmaßliche Dunkelziffer zugrunde legt. Die MHG-Studie fand in kirchlichen Personalakten zwischen 1946 und 2014 mindestens 1.670 Beschuldigte, darunter mehrheitlich Priester, sowie 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe.

Der Ulmer Kinderpsychiater Jörg Fegert hatte 2019 die Zahlen der MHG-Studie mit Umfrageergebnissen zum Dunkelfeld ergänzt und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet; damit kam er ebenfalls auf eine sechsstellige Zahl kirchlicher Missbrauchs-Betroffener. Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte damals, es sei eine "schwierige Datenbasis", wenn aufgrund sehr geringer Fallzahlen Hochrechnungen angestellt würden.

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