„Ausmaß beschämend und bedrückend“ - Papst plant internationale Beratung im Februar

Missbrauchsstudie: Ackermann bedauert vorzeitige Veröffentlichung

Die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ ist durch eine Indiskretion an diesem Mittwoch vorzeitig in einigen Medien veröffentlicht worden. Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann aus Trier, bedauerte diese vorzeitige Veröffentlichung und bezeichnete sie in einer Erklärung als verantwortungslos.

Ackermann betonte, der Vorgang sei umso ärgerlicher, als die Gesamtstudie bislang noch nicht einmal den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz bekannt sei. Wie geplant werde sich die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 25. September mit der Studie und den daraus zu ziehenden Konsequenzen befassen. Gemeinsam mit dem Forscherkonsortium um Prof. Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim werde die Studie vorgestellt und erläutert.

„Bedrückend und beschämend“

„Wir wissen um das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs, das durch die Ergebnisse der Studie belegt wird“, betonte Ackermann. „Es ist für uns bedrückend und beschämend.“ Vor vier Jahren sei die Studie in Auftrag gegeben worden, „und gerade wir Bischöfe stellen uns den Ergebnissen“. Ziel der Studie, an der sich alle 27 Diözesen in Deutschland beteiligt hätten, sei es, „mehr Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche zu erhalten“, teilte der Bischof mit, „und zwar um der Betroffenen willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholen“.

Ziel sei eine verantwortungsvolle und professionelle Aufarbeitung. Er sei überzeugt davon, dass die Studie eine umfangreiche und sorgfältige Erhebung sei, die Zahlenmaterial und Analysen biete, „aus denen wir weiter lernen werden“. Das gelte auch für die Erkenntnisse, die eine vertiefte Einsicht über das Vorgehen der Täter und über das Verhalten von Kirchenverantwortlichen in den zurückliegenden Jahrzehnten ermöglichten. „Die Studie ist eine Maßnahme, die wir nicht nur der Kirche schuldig sind, sondern vor allem und zuallererst den Betroffenen“, unterstrich Ackermann.

Gerade mit Blick auf die Betroffenen sexuellen Missbrauchs sei die „verantwortungslose Vorabbekanntmachung“ der Studie ein schwerer Schlag. Für die Woche der Herbst-Vollversammlung vom 24. bis 27. September hätten die deutschen Bischöfe geplant, ein Beratungs-Telefon für diejenigen zu schalten, die aufgrund der Berichterstattung aufgewühlt seien und mit jemandem sprechen möchten. Diese Menschen bat Ackermann darum, sich bis zur Bereitstellung des Beratungs-Telefons an die Telefonseelsorge (Tel. 0800/1110111 oder 0800/1110222), die Internetseelsorge (www.internetseelsorge.de) sowie die Missbrauchsbeauftragten der Bistümer zu wenden.

Papst will mit Bischofskonferenzen über Missbrauchsfälle beraten

Papst Franziskus kündigte unterdessen an, er wolle sich im Februar mit den Chefs der weltweiten katholischen Bischofskonferenzen im Vatikan über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche beraten. Das Treffen zum Thema Kinderschutz finde vom 21. bis 24. Februar im Vatikan statt, sagte die vatikanische Vizesprecherin Paloma Garcia Ovejero am Mittwoch bei einem Pressebriefing.

Es ist das erste Mal, dass Papst Franziskus die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema Missbrauch versammelt. Mehrere Bischöfe hatten Franziskus Ende August wegen der Skandale zur Einberufung einer Sondersynode aufgefordert.

Franziskus beruft internationale Versammlung ein

Der Papst habe nach seinen Beratungen mit dem Kardinalsrat entschieden, eine internationale Versammlung der Spitzen der katholischen Bischofskonferenzen einzuberufen, um „über die Vorbeugung von Missbrauch verletzlicher Minderjähriger und Erwachsener“ zu sprechen, sagte Ovejero. Sie verlas eine entsprechende Mitteilung des Kardinalsrates zum Ende der dreitägigen Beratungsrunde an diesem Mittwoch.

Demnach war beim 26. Treffen des Rates gemeinsam mit dem Papst das Thema Missbrauch „ausführlich“ besprochen worden. Der Bostoner Kardinal Sean Patrick O'Malley, Vorsitzender der päpstlichen Kinderschutzkommission und Mitglied im Kardinalsrat, informierte über die Arbeiten der Kommission.

Ovejero betonte erneut, die Kardinäle hätten dem Papst in der aktuellen Krise Unterstützung zugesichert. Zu eventuellen weiteren Klärungen durch den Heiligen Stuhl könne sie nichts sagen. Der Kardinalsrat habe entsprechende Klärungen angekündigt, nicht der Heilige Stuhl, so die Vizesprecherin des Vatikans.