Rosi Hannemann engagiert sich seit mehr als 30 Jahren für Asylbewerber

Mit der Spende eines Fernsehers fing die Flüchtlingshilfe an

„Kommen Sie rein. Hier ist ein Haus der offenen Türe”, ruft Rosi Hannemann durch die offene Haustür. Umschauen dürfe man sich aber nicht. Sie zeigt auf Körbe von Hausrat und mehrere Kisten mit Wasserkochern. „Das alles ist für die Flüchtlinge”, sagt die 73-jährige Frau aus Dinslaken und lacht. „Hier in unserem Haus war immer schon der Bär los.”

Nur langsam wird Rosi Hannemann ruhiger. Ihre Hektik ist durchaus nachvollziehbar. Sie hat aufregende Tage hinter sich. Am 7. September war sie zu Gast beim Bürgerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue in Berlin. Traditionell lädt das Staatsoberhaupt engagierte Ehrenamtler zu einem Gartenfest ein. Für Rosi Hannemann ging damit ein Wunsch in Erfüllung.

Vom Papst geehrt

In diesem Jahr war Rosi Hannemann mit ihrem Mann auch dabei. Denn sie kümmert sich seit mehr als 30 Jahren in der Fliehburg um Menschen, die auf der Flucht sind. Mit ihrem Mann ist sie nach Berlin gefahren. Die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sie sehr beeindruckt. Er habe davon gesprochen, dass man sich nicht wegducken dürfe, wenn es um den Bestand der Demokratie gehe. Demokratie lebe von denen, die mehr tun, als sie müssten, die Verantwortung übernähmen und Veränderungen anstoßen würden. Die Klarheit und Offenheit seiner Worte habe sie sehr berührt, sagt Hannemann. Beeindruckt hat sie auch die große Zahl der Menschen, die sich in der Gesellschaft ehrenamtlich engagieren.

Menschen, die sich ähnlich wie sie in Kirche und Gesellschaft vor allem um Randgruppen kümmern. Für ihren Einsatz hatte sie am 20. August 2017 in der Heilig-Geist-Kirche den großen „Gregorius-Orden” verliehen bekommen. Die viertgrößte Ehrung der katholischen Kirche und eine der höchsten Auszeichnungen für Laien überhaupt. Auf Empfehlung von Bischof Felix Genn und der Pfarre St. Vincentius hatte der Papst ihr diesen Orden verliehen.

Ökumenische Initiative

1988 hatte sie zum ersten Mal Kontakt zu einer kurdisch-alevitischen Familie, für die sie einen alten Fernseher spendete. Damit fing alles an. Es war die Zeit, als in Hoyerswerda und Hünxe (1991) Brandanschläge auf Asylbewerberheime verübt wurden. Durch Leserbriefe und nächtliche Mahnwachen setzte sie sich zunächst für die Menschen an der Fliehburg ein, die in ihrer Heimat verfolgt wurden. „An der Fliehburg” heißt die Straße, nach der die Einrichtung benannt ist, in der Asylberwerber leben. In dieser Zeit kam sie ihnen näher. „Sie luden mich in ihre Baracken ein.” Doch die gelernte Sozialarbeiterin tat mehr. Sie war an der Gründung des Dinslakener Flüchtlingsrats beteiligt, und sie engagiert sich in der Kleiderstube der Caritas, die bald darauf in der Fliehburg untergebracht wird.

Sie fährt mit den Familien zum Arzt, zu Behörden, zu Elternsprechtagen in die Schule, zur Schwangerschaftsvorsorge. Sie gründet mit einer kurdischen Frau in Heilig Geist den internationalen Frauentreff. „Von Anfang an haben wir eng mit der evangelischen Gemeinde zusammengearbeitet“, sagt sie. In Hiesfeld sei das Engagement durch und durch ökumenisch.

„Werde bald wieder gesund“

Im Frauentreff kommen Frauen verschiedener Herkunftsländer und Religionen zusammen: Musliminnen, orthodoxe Christinnen, Koptinnen, evangelische und katholische Frauen. Auf die Frage nach den Motiven für ihren Einsatz wird Rosi Hannemann still. Nach einigen Momenten erzählt sie, dass sie 2015 ernsthaft erkrankt gewesen sei. Die Menschen hätten ein Paket mit 40 Briefen an die Pfarrgemeinde geschickt. „Liebe Rosi, werde bald wieder gesund“, hatten sie geschrieben. „Komm bald wieder“ und „ohne dich ist es hier kalt“.