Franziskus spricht mit Jesuiten über schwierige Asien-Reise

Papst: Jesus Christus heißt heute Rohingya

Spannungen vor der jüngsten Asienreise von Papst Franziskus hätten fast zu einer Absage der Visite geführt. Das berichtete das Kirchenoberhaupt der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Donnerstag) zufolge im Gespräch mit Jesuiten aus Myanmar und Bangladesch. Grund sei die Rohingya-Krise in den beiden Ländern gewesen. „Jesus Christus heißt heute Rohingya“, sagte der Papst in dem Gespräch.

Vor seinem Besuch Anfang Dezember in Myanmar war der Papst vom Erzbischof von Rangun, Kardinal Charles Maung Bo, gebeten worden, die in Myanmar nicht als Minderheit anerkannten Rohingya nicht ausdrücklich zu thematisieren. Franziskus forderte in Myanmar wiederholt die Rechte aller ein, vermied aber die Erwähnung des Namens „Rohingya“.

„Ich habe Scham für mich und für die Welt gefühlt“

Es habe sich um eine sehr schwierige Reise gehandelt, betonte Franziskus dem Zeitungsbericht zufolge. „Aber gerade weil sie so schwierig war, musste ich sie machen.“ Bei der Begegnung mit Rohingya in Bangladesch habe er sich geschämt. „Ich habe Scham für mich und für die Welt gefühlt“, betonte Franziskus unter Hinweis auf die Zurückweisung von Flüchtlingen in zahlreichen Weltregionen. Christen hätten heute die Pflicht, derartige Tragödien öffentlich zu machen, die andernfalls verschwiegen würden.

Ärzte ohne Grenzen: Mindestens 6.700 Rohingya getötet

Laut Ärzte ohne Grenzen sind im Zeitraum von 25. August bis zum 24. September mindestens 6.700 Rohingya im Bundesstaat Rakhine in Myanmar gewaltsam getötet worden. Das geht aus sechs systematischen Befragungen hervor, teilte die Organisation am Donnerstag in Berlin mit. Dazu seien in verschiedenen Teilen der Flüchtlingslager in Cox's Bazar an der Grenze von Bangladesch und Myanmar 2.434 Haushalte befragt worden.

Die Studie zeigt den Angaben nach, dass insgesamt zwischen 9.425 und 13.759 Rohingya in dem Zeitraum gestorben sind. 71,7 Prozent der Todesfälle seien durch Gewalt verursacht worden. Darunter seien 730 Kinder unter fünf Jahre gewesen. Die häufigste Todesursache seien Schussverletzungen gewesen. 9 Prozent der Toten seien lebendig in ihren Häusern verbrannt worden, 5 Prozent seien zu Tode geprügelt worden.