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Wie läuft es mit den Pastoralen Räumen? (3) - Bottrop/Dorsten

Pfarrer Potowski: Bistumsleitung lässt sehr viele Fragen offen

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Die Gemeindemitglieder in der Pfarrei St. Johannes der Täufer in Bottrop-Kirchhellen befassen sich mit der Frage, wie ihr Pfarrgebiet in einem künftigen neuen Pastoralen Raum gestaltet werden kann. Vorstellen können sich die Gremien neue Leitungsmodelle und eine intensivere Zusammenarbeit mit den Gemeinden in Dorsten und im Stadtgebiet von Bottrop, die zum Bistum Essen gehören. Wie die Gespräche verlaufen, erläutert Pfarrer Christoph Potowski von der Pfarrei in Kirchhellen.

Herr Potowski, in Ihrer Pfarrei St. Johannes der Täufer diskutieren Sie in den Gremien und Gemeindeversammlungen über die anvisierten neuen Pastoralen Räume. Von der Bistumsleitung in Vorschlag gebracht ist eine stärkere Zusammenarbeit mit den Pfarreien im Dekanat Dorsten. Wie schätzen Sie das Stimmungsbild Ihrer Pfarrei dazu ein?

Ich nehme einen sehr offenen und konstruktiv-kritischen Dialog wahr. Die Informationsabende in unserer Gemeinde sind gut angenommen worden. Die Menschen sind froh, frühzeitig und transparent informiert zu werden. Ungefiltert konnten alle Fragen und Sorgen benannt werden. Jedoch gibt es sehr viele offene Fragen, insbesondere an das Bistum Münster und die Bistumsleitung. Es gibt die Sorge, dass ein flächenmäßig großes Gebiet noch mehr Anonymität bringt beziehungsweise, dass die Kirche den Kontakt zu den Menschen immer mehr verlieren wird. Viele Gemeindemitglieder und auch ich sehen die Notwendigkeit des Prozesses aufgrund der zu erwartenden Kirchenentwicklung. Es wurde jedoch auch deutlich benannt, dass viele der momentanen Probleme „hausgemacht“ sind.

Die Gremien haben sich bereits in einem Schreiben an die Bistumsleitung gewandt, um eine stärkere Zusammenarbeit mit den Gemeinden in der Stadt Bottrop auszuloten. Diese Gemeinden liegen im Bistum Essen. Was spricht für diese „bistumsübergreifende“ Kooperation?

Es hat sich bei uns Ende 2021 eine siebenköpfige Steuerungsgruppe gebildet, die angefangen hat, Modelle zu durchdenken. Für eine Kooperation sprechen unterschiedliche Faktoren: Kommunal gehört Kirchhellen zur Stadt Bottrop (Bistum Essen), das Dekanat Dorsten aber zur Stadt Dorsten (Bistum Münster). Alle Verwaltungsstrukturen liegen für uns in Bottrop. Auch gehören wir dem Caritasverband Bottrop an, der unsere Altenheime und Senioreneinrichtungen betreibt. Ebenso ist unser Sozialwerk St. Johannes an die Caritas Bottrop angegliedert. Momentan ist eine bistumsübergreifende Kooperation schon guter Brauch, auch wenn wir natürlich eine Pfarrei im Bistum Münster bleiben werden und auch mit der Zentralrendantur im Dekanat Dorsten angebunden bleiben werden. Ein Bistumswechsel steht natürlich nicht an. Im Moment ist es ein spannender Findungsprozess.

Wie verliefen die Gespräche mit den Nachbargemeinden in Dorsten?

Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Bottrop-Kirchhellen. | Foto: Johannes Bernard
Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Bottrop-Kirchhellen. | Foto: Johannes Bernard

Im Dekanat Dorsten gibt es eine Vernetzung von Vertreterinnen und Vertretern aller Pfarreien. Bisher fanden zwei gemeinsame Treffen statt. Auch unsere Pfarrei hat zwei Vertreter der Räte und des Seelsorgeteams mit in die Gruppe eingebracht. Es laufen ehrliche und konstruktive Gespräche. Momentan tun sich viele Fragen auf, und man lernt sich gleichzeitig besser kennen. Gut ist, dass sich das Dekanat jetzt schon seit Anfang 2022 auf den Weg gemacht hat, die Prozesse zu gestalten. Auch die Vorsitzenden der Pfarreiräte haben sich schon untereinander getroffen und vernetzt. Leider ist der Sachstand über dieses Thema in den einzelnen Gemeinden noch sehr unterschiedlich.

Was erwarten Sie von der Bistumsleitung, die den Prozess zur Entwicklung neuer Pastoraler Räume koordiniert?

Im August wird es die nächste Informationsveranstaltung für unser Dekanat geben. Davon erhoffen sich die Steuerungsgruppe unserer Pfarrei und ich uns die Beantwortung weiterer konkreter Fragen. Im Moment überwiegt aber bei mir noch große Skepsis, weil bisher wenig Konkretes kam. Dies mag sicherlich auch dem Ausfall und der Verschiebung der Informationsabende geschuldet sein.

Über die Leitungsform einer Pfarrei und eines Pastoralen Raums soll ergebnisoffen gesprochen werden. Welche Form von Leitung favorisieren Sie?

Für mich müssen erst einmal grundsätzliche kirchenrechtliche Fragen geklärt werden. Ich glaube, erst dann kann man überhaupt von einer ergebnisoffenen Diskussion sprechen. Welche Modelle sind künftig überhaupt realistisch möglich? Leitungsmodelle mit Teams aus Haupt- und Ehrenamtlichen kann ich mir gut vorstellen. Auch Gemeindeleitungen ohne hauptamtliches Personal sind für mich gut denkbar. Mit Blick auf die momentanen Äußerungen aus Rom sehe ich diese Entwicklung mit großer Skepsis.

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