Nach Platz zwei für die AfD

Religionsvertreter nach Landtagswahlen in Thüringen besorgt

Mit Besorgnis und Mahnungen haben verschiedene hochrangige Religionsvertreter auf das Ergebnis der Landtagswahl in Thüringen reagiert. Der katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr sagte am Montag: „Komplizierte Verhältnisse in einer Demokratie wie jetzt in Thüringen werden von Populisten gerne genutzt, um gegen das 'System' zu polemisieren. Dagegen müssen aufrechte Demokratinnen und Demokraten aufstehen und unsere Werte verteidigen: am Stammtisch, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz und wo auch immer populistische Phrasen gedrechselt werden.“

Das Wahlergebnis zeigt laut Neymeyr eine deutliche Polarisierung in der thüringischen Gesellschaft. „Ich rufe daher alle politisch Verantwortlichen mit Nachdruck dazu auf, bei den Gesprächen der nächsten Wochen die Interessen Thüringens in den Mittelpunkt zu stellen. Jetzt ist nicht die Stunde für persönliche oder parteiliche Machtspiele.“

Kramer: AfD-Ergebnis nicht nur politische Unreife

Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, sagte: „Ich warne davor, das Ergebnis der AfD als reine Protesthaltung oder politische Unreife abzutun. Es handelt sich hier um manifeste politische Grundüberzeugungen.“ Wohin „solche Überzeugungen in einem Klima von gewaltsamer Sprache und Hass führen“ können, habe der rechtsextreme Anschlag in Halle vor knapp drei Wochen gezeigt. Mit Blick auf die Regierungsbildung sagte Kramer: „Wir werden den Kompromiss noch mehr als wichtige Form der politischen Arbeit schätzen dürfen, anstatt ihn als Niederlage zu verstehen.“

Schuster: Die Ausrede der Protestwahl zieht nicht mehr

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte: „Jeder, der am Sonntag die AfD gewählt hat, trägt eine Mitverantwortung dafür, dass das Fundament unserer Demokratie sukzessive untergraben wird. Mit billiger rassistischer Stimmungsmache und Abwertung der regierenden Parteien haben sich viele AfD-Wähler einfangen lassen.“ Fast ein Viertel der Wähler habe sich für einen „rechtsradikale Partei“ entschieden. Gerade in Thüringen gebe es keinen Zweifel an der rechtsnationalen Ausrichtung der AfD. „Die Ausrede der Protestwahl zieht nicht mehr. Wer AfD wählt, wählt den Weg in ein antidemokratisches Deutschland“, so Schuster.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, twitterte: Dass rund ein Viertel der Wähler für eine „rechtsradikale beziehungsweise in Thüringen auch rechtsextreme Partei“ votiert hätten, sei „viel mehr als ein 'Alarmzeichen'“.

Linke erste Kraft, AfD auf Platz zwei

Bei der Landtagswahl am Sonntag war die Linke mit 31 Prozent erstmals stärkste Kraft in einem Bundesland geworden. Die AfD kam auf 23,4 Prozent und legte damit über 10 Prozentpunkte zu. Die CDU verlor rund 11 Prozentpunkte und erreichte 21,8 Prozent. Die SPD kam auf 8,2 Prozent, die Grünen auf 5,2 Prozent, die FDP auf 5 Prozent.