Rezension des Buchs „Mission Manifest“

Rettet die charismatische Mission die Kirche?

Eine ungewöhnliche Selbstverpflichtung steht am Anfang: „Ich bin bereit für Mission“, heißt es auf Seite 7 des Buches „Mission Manifest“. Und: „Ich will, dass mein Land zu Jesus findet. Ich verpflichte mich für den Zeitraum von einem Jahr, eine bestimmte Aufgabe zu übernehmen.“

Deutschland sei Missionsland geworden, behaupten die Autoren. Sie fordern, gegenzusteuern, um die Kirche zu retten. Feuer müsse für den Glauben brennen und weitergegeben werden. Die Mission, so liest man auf dem Buchrücken, sei „die vielleicht letzte Chance für das Christentum, zu überleben“.

Ein „Comeback“ der Kirche möglich?

Ähnlich dramatische Worte wählte der Herder-Verlag in einer Ankündigung für eine Pressekonferenz zum Buch: „Während offizielle Kirchenvertreter wie gelähmt erscheinen“, heißt es da, „haben sich zahlreiche religiöse Initiativen und Gemeinschaften zusammengeschlossen“. Sie zeigten im Buch, „dass ein Comeback der Kirche durchaus möglich und stückweise schon Realität ist“.

Elf Autoren haben Beiträge für das „Mission Manifest“ beigesteuert, darunter die Menschenrechtlerin Sophia Kuby, Mitglied der Gemeinschaft Emmanuel, der Publizist Bernhard Meuser, Mitinitiator der deutschen Ausgabe des Jugendkatechismus Youcat, und der Zisterzienser Karl Wallner, Gründungsrektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz in Österreich.

Gründer der „Mehr-Konferenz“

Prominentester Autor dürfte Johannes Hartl sein, ein 38-jähriger promovierter Theologe aus Niederbayern, der das „Gebetshaus“ gegründet hat und leitet – eine Einrichtung in Augsburg, in der überwiegend katholische und evangelisch-freikirchliche Christen mitwirken. In Augsburg veranstaltet Hartl die „Mehr-Konferenz“, ein ökumenisches Glaubens-Event, amerikanisch inszeniert, mit Popmusik und ausgefeilter Bühnentechnik, mit Vorträgen und Diskussionen, Gebeten und Lobpreis.

Anfang Januar lockte die diesjährige „Mehr-Konferenz“ rund 11.000 Besucher nach Augsburg, darunter viele junge Leute. Viel Sympathie hegen Hartl und seine Mitstreiter für evangelikale Bewegungen, die sich ähnlich charismatisch verhalten. Mit dem Niedergang der Kirche wollen sie sich nicht abfinden, sondern gegensteuern, auch durch Gebete. Inhaltlich stützen sie sich auf das Schreiben „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus.

Viel Schwarz-Weiß-Malerei

Viel schreiben die Autoren über Mission. Aber sie skizzieren nur diffus, was sie mit Mission konkret meinen. Und malen vieles in Schwarz-Weiß: Auf der düsteren Seite die katholische Volkskirche, angeblich völlig am Ende – auf der hellen Seite die vorgeblich kraftvolle eigene moderne Initiative, mit jungen, begeisterten Anhängern. Eine etwas differenziertere Zustandsbeschreibung würde eher der Wirklichkeit entsprechen.

Bernhard Meuser/Johannes Hartl/Karl Wallner (Hg.): „Mission Manifest – Die Thesen für das Comeback der Kirche“, 240 Seiten, 20 Euro, Herder-Verlag, ISBN 978-3-451-38147-8

Hartls selbstbewusstes Auftreten, sein Gebetshaus und die „Mehr-Konferenz“ haben innerkirchlich Anfragen hervorgerufen. Vermutlich bewegt sich alles noch im Rahmen der katholischen Kirche, aber umstritten ist es gleichwohl. Der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet sprach in den ARD-Tagesthemen vor einem Jahr von einer „aggressiven Inszenierung“. Sie erscheine wenig pluralitätsfähig und habe kaum noch etwas mit kontinentaleuropäischen Traditionen gemein.

Sicher ist: Die „Mehr-Konferenz“ in Augsburg wird weiter für Diskussionsstoff sorgen. Wer sich ein Bild vom Gedankengebäude der charismatischen Macher verschaffen will, ist mit „Mission Manifest“ bestens bedient.