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Mitarbeiter der Geschäftsstelle hat in Münster ein „Heimspiel in Westfalen“

Seit zwölf Jahren reist Uwe Röcher mit dem Katholikentag

Seit zwölf Jahren reist Uwe Röcher mit den Katholikentagen von Stadt zu Stadt. Auch in Münster wird er seinen Arbeitsplatz in der Geschäftsstelle nur für etwa 24 Monate einnehmen. Auch dieses Mal soll es keine Durchgangsstation bleiben.

Nein, ein Nomade ist er nicht. Er hat zumindest ein anderes Gefühl. Auch wenn seine Verweildauer an seinen Wohnorten immer nur bei maximal drei Jahren liegt. „Ich versuche trotzdem, heimisch zu werden“, sagt Uwe Röcher. „Meistens gelingt das auch.“ Der 57-Jährige reist seit 2004 dem Katholikentag voraus, um zu organisieren. Als Mitarbeiter der Geschäftsstelle ist er für alles zuständig, was mit Information, Anmeldung oder Unterbringung der Teilnehmer zu tun hat.

Es beginnt immer gleich: Kisten, Möbel, Material – sein Büro hat nur den Standort gewechselt, nicht die Funktion. Auspacken, Sortieren, Einrichten sind seine ersten Aufgaben. In diesen Tagen tut er das besonders gern, sagt er. „Ich komme das erste Mal wieder nach Westfalen.“ Auch wenn die Region bei Siegen, in der er aufwuchs, weit entfernt von Münster liegt: „Ich kenne die Städtenamen und die Menschen sind mir vertraut – es ist von Beginn an Heimat für mich.“

Borussia-Dortmund-Fan

Eine Kiste verrät das: Schwarz-gelbe Fanartikel holt er daraus, um sie an den traditionellen Platz in seiner mitreisenden Vitrine im Büro zu stellen. Er ist großer Fan von Borussia Dortmund und die Nähe seines neuen Arbeitsplatzes hat ihm einen besonderen Leckerbissen ermöglicht: „Ich habe eine Karte für das nächste Heimspiel ergattert.“

„Ich spüre in Münster eine große Begeisterung bei den Menschen. Sie wollen den Katholikentag und sind bereit, sich einzubringen.“
Uwe Röcher

Dabei soll es nicht bleiben. Nach der Arbeit setzt er sich nie aufs Sofa, er geht immer raus. „Nur im Kontakt mit den Menschen kann ich mir ein echtes Heimatgefühl aufbauen.“ Sport, Nachbarschaftstreffen, auch mal die Kneipe – er sucht die Begegnung, um den Raum zu füllen, der für die nächsten zwei Jahre sein Aufenthaltsort sein wird. Dieses Mal hat er eine Wohnung in Greven gemietet. „Ich gehe immer gern in die kleineren Orte im Umland, weil es dort nicht so anonym ist.“

Die Wochenenden gehören seiner Frau, die in Stuttgart wohnt. Dort hat der Reisende auch seinen festen Wohnsitz gemeldet. Entweder fährt er mit dem Zug oder sie kommt zu ihm. „Das sind im Augenblick nur etwa vier Stunden – nicht schlecht.“ Anreisen von den vergangenen Katholikentagen in Ulm, Saarbrücken, Osnabrück, München, Mannheim, Regensburg und Leipzig waren zum Teil länger. „Bislang haben wir das aber immer gut hinbekommen – auch wenn es natürlich nicht das Optimale ist.

Fäden ziehen im Hintergrund

Wieso tut er sich eine solche Wochenendbeziehung an? Seine Antwort ist einfach: „Weil mir die Arbeit viel Freude macht.“ Das merkte er schon sehr früh, kurz nachdem er sein Sportstudium beendet hatte. In Dortmund organisierte er Anfang der 1990er Jahre ein Deutsches Turnfest. „Mir gefiel es von Beginn an, im Hintergrund am Gelingen eines solchen Großereignisses mitzuwirken.“ Wenig später fand dort ein Evangelischer Kirchentag statt und Röcher bekam die Chance, dort einzusteigen. Fünf weitere Kirchentage sollten folgen.

Als Protestant passte auch der Hintergrund. „Ein Treffen von Gläubigen ist kein Sportereignis, es bleibt nicht an der Oberfläche, hat mehr Tiefgang.“ Das haben auch die Katholikentage, zu denen er 2004 „wechselte“. „Es gibt immer einen großen personellen Austausch zwischen diesen Veranstaltungen.“ Ihn sprach „die katholische Seite“ an, weil eine Stelle frei wurde, die zu seinem Aufgabengebiet passte. Röcher gibt zu, dass er in seiner neuen Aufgabe einen zusätzlichen Charme fand, der zu ihm passte: „Katholikentage sind kleiner als Evangelische Kirchentage und die Veranstaltungsstädte nicht so groß – es ist ein bisschen persönlicher.“

Gemeinsames Bier am Feierabend

Er wird in den kommenden Monaten hunderte Menschen kontaktieren und tausende Teilnehmer mit Informationen versorgen. Er kann sich gut vorstellen, dass es die größte Veranstaltung wird, die er bislang betreute. „Ich spüre hier eine große Begeisterung bei den Menschen. Sie wollen den Katholikentag und sind bereit, sich einzubringen.“ Das Persönliche im kleinen Rahmen bleibt für ihn deshalb besonders wichtig. Er findet das auch im Team, das zum Teil ebenfalls aus „Mitreisenden“ besteht. Sechs von künftig insgesamt etwa 50 festen Mitarbeitern der Geschäftsstelle waren schon beim Katholikentag in Leipzig in diesem Jahr dabei. „Natürlich gibt es da auch mal ein gemeinsames Bier nach Feierabend.“

Im Augenblick ist es ruhig. Es ist die angenehmste Phase in seinem Katholikentags-Zyklus, sagt er. „Ich habe einen geregelten Tagesablauf, kann pünktlich Feierabend machen.“ Das wird sich ändern, je näher das Großereignis rückt. Der Kontakt, den er derzeit mit Pfarrgemeinden und ehrenamtlichen Helfern sucht, ist erst der Anfang. Mit der Zeit wird sein Arbeitsvolumen ansteigen. Unterkünfte müssen gesucht, Absprachen für Verkehrskonzepte getroffen, die Anmeldungen organisiert werden. „Den Höhepunkt erreicht das Pensum kurz vor Beginn, wenn das Informationsmaterial verschickt wird und die Unterbringung endgültig gestemmt werden muss.“

Großes Aufräumen danach

Wartet nach dem Katholikentag das Loch zum Durchatmen? „Im Gegenteil“, sagt Röcher. „Dann geht es noch einmal richtig los.“ Denn nach der Abreise der Teilnehmer wartet das große Aufräumen. „Vom Wasserglas bis zum Rednerpult – alles muss eingesammelt und eingepackt werden, damit es zum nächsten Veranstaltungsort transportiert werden kann.“ Das ganze Team der Geschäftsstelle muss dann mit anpacken.

Dann wird bestimmt keine Zeit für einen Stadionbesuch sein, das weiß er schon jetzt. Erst einige Wochen später wird er sich wieder eine Auszeit gönnen. „Mit meiner Frau in Südtirol“, sagt Röcher. „Um den Kopf frei zu bekommen, gibt es für mich nichts Besseres als zu wandern.“ Danach wird er wieder die Kisten packen. „Für den Ökumenischen Kirchentag, der ansteht.“ Oder? „Vielleicht ergibt sich ja eine neue Perspektive – ich hätte auch nichts dagegen, in Münster zu bleiben.“

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