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Gast-Kommentar der ZdK-Präsidentin über die Politik in der Pandemie

Stetter-Karp zu Corona im Herbst: Verdrängen wäre fatal

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Die Corona-Pandemie hat ihren Schrecken offenbar verloren. Die Menschen drängen nach draußen und genießen ihre Freiheit. Die Politik muss aber schon jetzt an den Herbst und Winter denken, mahnt ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp in ihrem Gast-Kommentar.

War da vielleicht etwas? Wer in diesen Tagen in Deutschland im öffentlichen Raum unterwegs ist, reibt sich zuweilen die Augen. Nicht, dass nicht zu verstehen wäre, dass es alle hinauszieht nach den Monaten im Homeoffice, über Monate in den Lockdowns zurückgeworfen auf die Familie und die mehr oder weniger engen Wohnungen in den letzten beiden Jahren der Pandemie. Die Entbehrungen haben viele bis an die Grenzen ihrer Kraft geführt und nicht wenige auch darüber hinaus, wie etwa die Jugendpsychiatrien belegen. Wer könnte da nicht verstehen, dass der Sommer mit seinen Verlockungen und neu gewonnenen Freiheiten doppelt lockt?

Die Augen reibe ich mir aus anderen Gründen: Wo immer ich derzeit mit Menschen ins Gespräch komme, am Bahnhof beim Warten auf den mal wieder verspäteten Zug oder anderswo, da begegnet mir die bange Frage: Was wird im Herbst sein? Allerorten das Bewusstsein, dass jetzt vorzusorgen wäre, dass die Politik jetzt gefordert ist, aus den Erfahrungen zu lernen. Gestern sagte eine Passantin: „Denken diese PolitikerInnen eigentlich, dass wir alle dumm sind? Für so blöd können die uns doch nicht verkaufen.“

Neues Infektionsschutzgesetz, bitte!

Die Autorin
Irme Stetter-Karp ist Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Was sie damit meinte, war klar: Warum wird nicht jetzt im Juni vor der Sommerpause im Parlament mit aller Entschiedenheit dafür Sorge getragen, dass ein neues Infektionsschutzgesetz die notwendigen Maßnahmen definiert und rechtlich absichert? Haben wir doch erlebt, wie schnell gestrickte, zu spät auf den Weg gebrachte Gesetze von den Gerichten gekippt oder im Föderalismus torpediert wurden. Nicht wenig Porzellan wurde so zerschlagen und noch mehr Vertrauen verspielt.

Der Anteil der Menschen, die sich auf den Straßen versammeln, der Demokratie misstrauen und Verschwörungs­theorien auf den Leim gehen, ist groß geworden. Die überlappenden Krisen und das notwendige Tempo im Transformationsprozess bilden eine Gemengelage, die erhebliche Risiken birgt. Gleichzeitig bin ich überzeugt: Stillstand wäre Rückschritt!

Deshalb: Jetzt entschieden für den Herbst und Winter vorbeugen, die Kraft zum Handeln beweisen und den billigen Verschwörungsmythen das Wasser abgraben.

In unseren Gast-Kommentaren schildern die Autor:innen ihre persönliche Meinung zu einem selbst gewählten Thema. Sie sind Teil der Kultur von Meinungsvielfalt in unserem Medium und ein Beitrag zu einer Kirche, deren Anliegen es ist, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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