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Bislang 60.000 Online-Besucher bei den digitalen Veranstaltungen

Themenvielfalt beim Kirchentag – Umweltfragen, Corona und Missbrauch

  • Am Samstag des Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt standen eine Reihe gesellschaftlicher und kirchlicher Themen auf dem Programm.
  • Bei zentralen Veranstaltungen ging es um Umweltfragen, Corona und Missbrauch.
  • Mittlerweile haben etwa 60.000 Online-Besucher an den vorwiegend digitalen Angeboten teilgenommen.
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Eine breite Palette gesellschaftlicher und kirchlicher Themen hat der Ökumenische Kirchentag (ÖKT) am Samstag auf seinen Foren behandelt. Die Podien fanden wegen der Pandemie fast alle digital statt. Rund 60.000 Online-Besucher verzeichneten die Veranstalter bis zum Nachmittag. Der Samstag war inhaltlich der wichtigste Tag des Christentreffens. Am Sonntag steht der Schlussgottesdienst an.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte bei einem Forum, die Industrieländer trügen besondere Verantwortung für die Klimawende. Das resultiere aus der Geschichte, weil die Staaten während ihrer wirtschaftlichen Expansion besonders stark zu Kohlendioxidemissionen beigetragen hätten. Luisa Neubauer von der Bewegung Fridays For Future warf in der Debatte der Regierung vor, das Vertrauen der jungen Generation gebrochen und klimazerstörende Industrien gefördert zu haben.

Merkel diskutiert zum Klimaschutz

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock verlangte beim Klimaschutz die Mitwirkung aller. "Es braucht Gewerkschaften, es braucht Kirchen, es braucht Unternehmen." Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet begrüßte eine schnelle Reaktion der Bundesregierung auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz. Es komme darauf an, Klimapolitik sozial gerecht zu gestalten.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz verteidigte die vom Staat eingesetzten Finanzmittel zur Bekämpfung der Folgen der Pandemie. Sichergestellt werden müsse, "dass wir jetzt nicht auf falsche Weise auf die Krise reagieren und zum Beispiel denjenigen, die sehr viel Geld verdient haben, jetzt auch noch in Aussicht stellen, dass sie eine Entlastung bekommen." Für Außenminister Heiko Maas (SPD) kann der Weg aus der Pandemie nur ein internationaler sein: "Jeder ist nur sicher, wenn wir alle sicher sind." Er kritisierte, dass Russland und China anderen Staaten Impfstoffe nicht aus karitativen, sondern aus politischen Interessen anböten.

Forderung: Verbesserte Palliativversorgung als flächendeckende Suizidprävention

In der Debatte um Suizidbeihilfe warb der Chef der Diakonie, Ulrich Lilie, für eine "gesetzlich verankerte, flächendeckende Suizidprävention". Das gehe nur, wenn man die bestmögliche Palliativversorgung für Sterbenskranke habe. "Da ist noch richtig Luft nach oben in Deutschland", sagte Lilie auf einem im ZDF live übertragenen Podium.

Behandelt wurden auch innerkirchliche Fragen. So äußerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, die Hoffnung, dass sich seine Kirche auf eine Segnungsform für gleichgeschlechtliche Paare verständigen könne. Zugleich wiederholte er Kritik an entsprechenden Gottesdiensten, "gerade weil sie auch als provokativ wahrgenommen" worden seien.

Zwei Foren zum Thema Missbrauch

Bei zwei Foren ging es um Missbrauch. Dabei nannte die Religionswissenschaftlerin Katharina Kracht die Auflösung des Missbrauchsbetroffenen-Beirats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) "fatal und fürchterlich" sowie ein eklatantes Beispiel für Machtmissbrauch. Die EKD hatte den Schritt am Montag bekanntgegeben und Proteste ausgelöst. Kracht gehörte dem Beirat an. Der Sprecher des EKD-Beauftragtenrats zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns, kündigte an, die EKD wolle weiter Betroffene beteiligen. Nach einer externen Evaluation solle im Herbst überlegt werden, wie es weitergehen soll".

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, sagte, das Zusammenwirken von Kirche und Betroffenenbeiräten sei für alle "ein hochanspruchsvolles Unternehmen". Betroffene mit unterschiedlichen Verletzungen und Kirchenerfahrungen gingen in ein Gremium, das "gemeinsame Voten abgibt". Die Präsidentin des Bundesgerichtshofs (BGH), die evangelische ÖKT-Präsidentin Bettina Limperg, sagte, die Kirchen könnten die Aufarbeitung nicht alleine bewältigen. "Man kann die Kirchen hier nicht alleine lassen, es ist auch eine staatliche Aufgabe", sagte Limperg. So müssten Staatsanwaltschaften - wo immer möglich - tätig werden.

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