Die Stationen auf dem Lebensweg von Frank Buhs haben eine Konstante

Vom Landschaftsgärtner zum Priester zum Baumarktleiter zum Küster

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Sein Lebenslauf liest sich wie der eines Rastlosen. Frank Buhs ist das aber nicht. Er schlug zwar häufig neue Wege ein, wurde Landschaftsgärtner, dann Priester, leitete ein Gartencenter und einen Baumarkt, bevor er in diesem Jahr Küster wurde. Seine Orientierung verlor er aber nie.

Gradlinig ist das nicht. Wenn Frank Buhs über seinen Lebensweg erzählt, sind da einige unerwartete Biegungen und plötzliche Kurven dabei. Aber keine Richtungsänderung. Der 58-Jährige machte an keinem Punkt halt und drehte komplett um – auch wenn das die unterschiedlichen Stationen vielleicht vermuten lassen. Die führten ihn vom Landschaftsgärtner zum Priester-Beruf, wieder zurück zur Arbeit als Landschaftsgärtner, danach zur Leitung eines Gartencenters, dann zur Leitung eines Baumarkts und jetzt zum Küster-Dienst in der münsterschen Pfarrei Liebfrauen-Überwasser.

Wo ist da die Konstante? Wenn er berichtet, kommt sie nach und nach zum Vorschein. „Der Mensch, die Offenheit, auf den anderen zuzugehen, ihm zuzuhören…“, sagt Buhs. Es ist eine „christliche Grundhaltung“, von der er spricht. Und die hatte Platz in jeder Aufgabe, die er annahm. Egal ob beim Plattenverlegen, als Seelsorger oder im Umgang mit Mitarbeitern. „Als ich meinen Priesterberuf aufgab, habe ich ja nicht meine Grundeinstellung geändert.“ Er nahm das Menschenbild, das er in seiner Zeit als Priesteramtskandidat, Diakon und Kaplan vertieft hatte, mit in alle folgenden Begegnungen.

 

Die erste Kurve ging Richtung Theologie

 

Nach der Realschule in seiner Heimatstadt Ahaus hatte er eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner gemacht. „Ich hatte schon als Kind die Gartenarbeit geliebt“, sagt Buhs. Danach die erste Kurve: „Ich wollte noch einmal zur Schule gehen und machte mein Abitur.“ Aber nicht das Studium der Landschaftsarchitektur folgte, sondern das Theologiestudium in Münster. Mit einem Ziel, das während seinem Engagement in der Pfarrgemeinde gewachsen war: „Ich wollte Priester werden.“

Das wurde er 1990 und ging zur Kaplanszeit nach Ostbervern. „Eine tolle Zeit, in der ich vielen Menschen begegnen und für sie da sein konnte.“ Aber auch eine Zeit, in der er ihm bewusst wurde, dass die Lebensform des Priesters nicht die seine war. Auch der Zölibat spielte dabei eine Rolle. Eine Erkenntnis, der er mit aller Konsequenz begegnen wollte. „Es stand für mich damals außer Frage, dass ich das Amt des Priesters aufgeben musste.“ Alles andere wäre nicht „wahrhaftig“ gewesen, sagt Buhs.

 

Keine leichte Weggabelung

 

Diese Weggabelung in seinem Leben war aber alles andere als leicht. „Ich hatte das Gefühl, völlig aus der Welt zu fallen.“ Studium, Priesterausbildung, Einsatz in der Seelsorge – die Zeit, in der er sich auf seinen Beruf vorbereitet hatte, war lang gewesen. Die Berufung, die er gespürt hatte, war intensiv. Und jetzt das: Raus aus seiner Position, aus dem priesterlichen Auftrag, aus dem Leben in der Pfarrgemeinde. Und auch aus wirtschaftlicher Sicherheit: „Ich hatte keine Ahnung, wo und wie ich wieder Fuß fassen sollte.“

Geholfen haben ihn damals die, die eigentlich hätten enttäuscht sein können von seiner Entscheidung: Ein „verständnisvoller Bischof Lettmann“, der „ohne irgendwelche Vorwürfe“ ein „wirklich seelsorgliches Gespräch“ mit ihm führte. Die Menschen seiner Pfarrgemeinde, die ihm bei seinem „ehrlichen Schritt“ beistanden.  Auch Freunde, die sowohl seinen konsequenten Weg in den Priesterberuf mitgetragen hatten, als auch seine konsequente Entscheidung diesen zu verlassen mittrugen.

 

Ein ehrlicher Schritt

 

„Das war damals keine Frage von Schuld“, sagt Buhs. Weder von anderer, noch von seiner Seite. „Ich wäre zwar gerne Priester geblieben, aber die Konditionen waren von Beginn an klar gewesen.“ Er sagt es heute noch ehrlich: „Ich wusste, was mich in dieser Lebensform erwartete.“ Das Gefühl dafür aber konnte er erst entwickeln, als er sie lebte. „Jeder Mensch, der bemerkt, dass seine Empfindungen nicht zu seiner Realität passen, macht einen ähnlichen Schritt.“

Sein Schritt führte ihn zu einem Projekt für jugendliche Arbeitslose in Gelsenkirchen. Unter seiner Anleitung machten sie erste Erfahrungen im Bereich der Landschaftsgärtnerei. „Das war noch sehr nah an meinem ehemaligen seelsorglichen Auftrag.“ Benachteiligten helfen, ihnen Perspektive geben, Mut machen. „Es war schön zu erleben, wie sie Selbstvertrauen fanden“, sagt Buhs. „Wie sie Stolz entwickelten, wenn sie ihre Ängste überwanden und Ziele erreichten.“

 

Sein Weg in den Baumarkt

 

Als die befristete Stelle auslief, musste er die nächste Kurve nehmen. Dieses Mal ging es in ein Gartencenter, in dem er die Leitung übernahm. Das Hintergrundwissen für die Gärtnerei brachte er ja mit. Aber was gab ihm die Qualifikation für die Führung eines Unternehmens? „Ich glaube, bei meinen Einstellungen hat mir immer geholfen, dass mir der Umgang mit Menschen leichtfiel.“ Eine kommunikative Fähigkeit, die er nicht auf einem Manager-Seminar gelernt hatte. Es war die Haltung, die er mitbrachte, nicht nur Arbeitskräfte und Zahlen zu sehen, sondern auch Menschen und ihre Hintergründe.

Fast 30 Jahre blieb er in diesem Bereich tätig – eine ungewohnt gradlinige Entwicklung für ihn. Lediglich die Arbeitgeber wechselten. Am Ende war er Leiter eines Baumarktes in Marl. Vielleicht wäre es ohne weitere Kurven und Abzweigungen weitergegangen, wenn da nicht wieder ein Gefühl gewachsen wäre, das irgendwann nicht mehr zu seiner Grundausrichtung passte. „Die wirtschaftlichen Zwänge standen immer mehr im Vordergrund – die Möglichkeit der Aufmerksamkeit für die Mitarbeiter schwand.“

 

Schnell getroffenen Entscheidung

 

Er will das nicht romantisieren. „Die Leitungskraft in einem Unternehmen kann nicht alles schönreden und sanft abfedern.“ Da gibt es auch menschlich bittere Entscheidungen, die getroffen werden müssen. „Dem Pfarrer geht es da in seiner Pfarrei nicht anders.“ Es bleibt dabei aber ein Spielraum, sagt Buhs. „Die Art und Weise, wie ich Dinge sage, wie ich mit Fehlern umgehe oder Erwartungen äußere.“ Er machte allerdings die Erfahrung, dass der zeitliche und wirtschaftliche Druck so stark wurde, dass auch für dieses Vorhaben kaum Raum blieb.

Buhs sagt, dass es am Ende für ihn eine logische Folge war, noch einmal „abzubiegen“ und sich einen neuen Arbeitsbereich zu suchen. „Letztlich blieben für mich zu viele Dinge unerledigt, zu viele Gespräche zu kurz und zu viel Menschliches zurück.“ Als er im vergangenen Jahr im Internet auf die Anzeige für die Stelle als Küster in St. Michael stieß, war die Entscheidung deshalb schnell getroffen. Anfang 2021 begann er in seinem neuen Job.

 

Zurück zu einer bekannten Station

 

Ein wenig ist Buhs zurückgekehrt zu einer Kulisse, die er aus seinem Lebenslauf gut kennt. „Ich weiß aus meiner Kaplanszeit ja noch, was in einer Pfarrgemeinde so läuft.“ Und das Handwerkliche, das jetzt wieder zu seinen Aufträgen gehört, ist ein wenig eine Rückkehr zu ersten Arbeitsjahren in der Gartengestaltung. „Die Entscheidung war richtig“, sagt er. Auch weil viel Fahrtzeit von seinem Wohnort Münster zum Arbeitsplatz entfällt. Seine Frau und seine Kinder freut das besonders.

Wieso ist er nie in den seelsorglichen Bereich zurückgekehrt, als Pastoralreferent, als Diakon oder vielleicht als Sozialarbeiter? „Die Frage stand nie an“, sagt Buhs ohne lange zu überlegen. Warum kann er gar nicht so genau sagen. Vielleicht liegt es an seinem Gefühl, nie wirklich als Seelsorger aufgehört zu haben. „Sind wir Christen nicht alle dazu aufgerufen?“ Als Küster hat er dafür gute Voraussetzungen. „In der Kirche, bei den Gottesdiensten und im Pfarrheim begegne ich so vielen Menschen.“ Er hat jetzt viel mehr Zeit und Raum für seine Offenheit in diesen Begegnungen als im Baumarkt.

 

Keine neue Richtungsänderung in Sicht

 

Bleibt die Frage, ob es auf seinem Lebensweg irgendwann noch einmal eine Kurve gibt, die er nimmt. Er lacht. „Die sehe ich nicht.“ Er nennt auch den Grund, warum er sich in seinem neuen Aufgabenbereich „rundum wohl“ fühlt. Es sind wieder die Menschen, es ist wieder die Kommunikation. Dieses Mal vor allem in seine Richtung. „Ich bin in der Gemeinde überall total herzlich und offen empfangen worden.“

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