Weihnachten mit zwei Kindern, wenig Geld und ohne Mann

Vor Heiligabend als Alleinerziehende bei der Tafel

Weihnachten kann kommen. Jennifer, die lieber anonym bleiben möchte, wird gut vorbereitet sein. Sie ist sich sicher: Die Augen ihrer beiden Kinder werden wieder leuchten, wenn sie ihre Geschenke auspacken – dafür wird die 28-Jährige schon sorgen. Auch wenn das nicht einfach ist für die Alleinerziehende.

Das Geld reicht so gerade. Im Moment ist sie krankgeschrieben. Arbeiten gehen kann die examinierte Altenpflegerin aber derzeit auch nicht, dazu sind ihre beiden Jungs (3 und 12) noch zu klein.

Für normale Läden reicht das Geld der Alleinerziehenden oft nicht

„Deshalb ist das mit dem Einkaufen in normalen Geschäften manchmal schwierig“, sagt sie. Und deshalb gehört sie seit einigen Monaten zu den regelmäßigen Kunden der Caritas-Lebensmittelausgabe „CarLa“. So heißt die Tafel im oldenburgischen Friesoythe. Den Jüngsten hat die Mutter im Buggy dabei, als sie dort an diesem diesigen Freitag in der Schlange steht, auf dem Hof eines ehemaligen Gewerbebetriebes, zwischen Kisten und Paletten.

Das Brot, das die Helferinnen ihr drinnen über die Theke gereicht haben, steckt jetzt in der Plastiktüte mit den anderen Sachen: Milch, Konserven, Gemüse, etwas Obst. Aufschnitt nimmt sie nicht jedes Mal mit. „Wenn ich noch genug zu Hause habe, können andere meine Ration bekommen“, sagt sie.

Heiligabend feiert sie mit Eltern und Schwester

Immer öfter denkt sie jetzt an Weihnachten. Bis Heiligabend dauert es ja nicht mehr lange. Die Feiertage wird sie wieder bei ihren Eltern und ihrer Schwester im Nachbardorf verbringen. Familie ist ihr wichtig.

Die Familie hilft auch, wenn die Wünsche der Kinder zu groß für die alleinstehende Mutter sind. Eigentlich plant sie mit 50 Euro pro Kind für Weihnachtsgeschenke. „Wenn es teurer wird, dann teile ich mir das mit den anderen auf. Dann ist auch der Große zufrieden.“

Zur Caritas-Tafel wollte die Alleinerziehende anfangs nicht

Außerdem wird sie wieder die Wunschzettel der Friesoyther „Wunschbaum-Aktion“ ausfüllen. Sie erklärt: „Jobcenter-Kunden wie sie können darauf kleine Wünsche eintragen. Und Leute, die mehr Geld haben, besorgen die Geschenke dann.“

Zur Caritas-Tafel gehen wollte sie anfangs überhaupt nicht. Mittlerweile kommt sie jeden Freitag. Eine Freundin hatte ihr deutlich ins Gewissen geredet: „Du kannst deinen Kindern doch nicht immer nur Brot oder Nudeln hinstellen.“

Eine Freundin drängte sie, zur Tafel zu gehen

Jennifer lächelt: „Das habe ich aber auch nie gemacht.“ Stattdessen verzichtete sie lieber selber, damit ihre Kinder es gut haben. Bis sie einsah, dass die Caritas-Tafel gerade für Menschen in ihrer Situation gedacht ist.

Derzeit bleiben ihr inklusive Kindergeld, Unterhaltsvorschuss, Krankengeld und den Zuschuss vom Jobcenter alles in allem rund 1700 Euro netto. 700 Euro gehen für die Miete ab, dazu kommen die Kosten für Versicherungen und der Unterhalt für ihren 16 Jahre alten Passat. Ohne Auto kommt man in ihrem Dorf in der Nähe von Friesoythe nicht aus. Dafür kann man im Landkreis Cloppenburg relativ günstig wohnen.

Sie zahlt jeden Monat 200 Euro für alte Schulden ab

Vielleicht würde das Geld sogar einigermaßen reichen, wären da nicht „so Sachen“, wie sie ihr Schulden aus früheren Beziehungen nennt, insgesamt noch gut 13 000 Euro. 200 Euro zahlt sie jeden Monat ab.

Mit den beiden Männern, die auch die Väter ihrer Kinder sind, hatte sie wenig Glück. Der Vater ihres Ältesten  sitzt im Gefängnis. Diesen Kontakt hat sie völlig abgebrochen. Der Jüngste sieht seinen Vater zumindest einmal im Monat. Aber auch zwischen ihm und ihr ist es aus.

Über einen neuen Partner würde sie sich freuen

Und sie selbst? Was wünscht sie sich? Jennifer überlegt kurz. „Nichts Materielles jedenfalls“, sagt sie. Das hat sie auch mit ihren Eltern ausgemacht. Von denen gibt es nur Geschenke für die Enkel. „Mir reicht es, wenn die Kinder glücklich sind und wenn wir zusammensitzen können.“ Irgendwann ein neuer Partner, das wäre was. Jennifer nickt. „Natürlich wünsche ich mir auf Dauer, dass wir wieder eine Familie sind. Und dazu Arbeit für mich.“ Eine Stelle, die sie mit ihren Kindern vereinbaren kann.“

Vielleicht klappt das ja sogar nächstes Jahr, wenn der Jüngste in den Kindergarten kommt. Am liebsten würde sie als Sozialassistentin arbeiten. Auch diese Ausbildung hat sie absolviert. Ihr Traum: „Ein Job, wo ich von 8 bis 13 Uhr arbeiten kann.“