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Pfarrei in Laer schafft diskretes Angebot - Kitas und Eltern senden die Wünsche ab

Ein Wunschbaum in der Kirche erfüllt Kindern Träume

  • In der Kirche St. Bartholomäus der Pfarrei Hl. Brüder Ewaldi Laer/Holthausen/Beerlage steht ein Wunschbaum.
  • Kindergärten und Jugendhilfe-Einrichtungen lassen dem Pfarrer Wünsche von Kindern aus finanzschwachen Familien zukommen.
  • Einige Wünsche lassen sich dennoch nur schwer erfüllen.
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Er steht etwas kahl vorne rechts in der Kirche St. Bartholomäus der Pfarrgemeinde Hl. Brüder Ewaldi in Laer. Ein schlichter Tannenbaum mit einer großen Aufgabe: Kinder glücklich zu machen. Wie, erklärt Pfarrer Andreas Ullrich: „Dass der Baum so leer ist, ist Absicht.“ Sobald der Pfarrer einen Wunsch mitgeteilt bekommt, schreibt er ihn auf einen Stern und hängt ihn auf.

Meistens wird der Wunschzettel zügig wieder abgenommen und von Bürgern, lokalen Geschäften oder Unternehmen erfüllt: „Wir haben in der Pfarrgemeinde die Anfrage bekommen, ob wir so eine Wunschbaumaktion für Familien mit geringen finanziellen Mitteln machen könnten“, berichtet Ullrich.

Das Ganze geschieht möglichst diskret, niedrigschwellig und ohne irgendjemanden bloßzustellen: „Ähnliche Aktionen gibt es in großen Kaufhäusern, aber wir sind hier auf dem Dorf. Wenn da jedes Kind mit Namen an so einem Baum hängen würde - das geht nicht.“ Über ein Online-Formular können Kitas und Jugendhilfe-Einrichtungen nach Rücksprache mit den jeweiligen Eltern den Wunschzettel für ein bestimmtes Kind abschicken. Über eine Codenummer wird das Weihnachtspaket dann am Pfarrhaus ausgehändigt.

Pfarrer: Corona verschärft finanzielle Situation

Innenansicht der St. Bartholomäus-Kirche in Laer.
Rechts vor dem Seitenaltar (auf dem Bild nahe dem Pfeiler) in der Kirche in Laer steht der Tannenbaum, der Kinder glücklich machen soll. | Foto: Pfarrei

In manchen Familien ließen sich auch kleinere materiellen Wünsche aufgrund der finanziellen Lage nicht oder nur sehr schwer verwirklichen. „Diese Situation wird durch die Corona-Pandemie zum Teil noch verschärft“, so der Pfarrer.

Er hat alle Jugendhilfe-Einrichtungen und Kindergärten in der Umgebung angeschrieben und sie über die Aktion informiert. Armut ist kein Thema, über das man groß spricht. Die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in dem 7.000-Einwohner-Dorf schauen sich in ihrem Bereich um, welche Kinder und Jugendlichen zur Gruppe derjenigen gehören, die in einem eher finanzschwachen Haushalt aufwachsen.

Welche Kinder infrage kommen könnten

Anhaltspunkte können zum Beispiel sein, ob Familien die „Münsterlandcard“ besitzen. Diese Karte erhalten Familien, die Anspruch auf Sozialleistungen haben oder zu Geringverdienern gehören. Von einigen Einrichtungen kam die Rückmeldung, dass es keinen Bedarf gebe, so Ullrich.

Gerne mitgemacht hat die Kindertagesstätte St. Ewaldi: „Wir waren sofort begeistert. Die Idee ist einfach klasse“, berichtet Leiterin Petra Sowah. Auch auf dem Dorf gebe es Familien, „da ist das Portemonnaie nicht so voll“. Von den Eltern, die ihr Team angesprochen habe, waren die meisten erfreut, dass es so eine unkomplizierte Möglichkeit zur Weihnachtswunsch-Erfüllung gibt: „Mit den Eltern, die Bedarf hatten, haben wir dann den Wunschzettel online gemeinsam ausgefüllt.“

Was nicht am Baum hängt: Sehnsucht nach Opa und Oma

Trotz aller materiellen Wünsche - bei den Kindern in ihrer Einrichtung werden auch andere Sehnsüchte thematisiert: „Corona ist natürlich ein sehr großes Thema bei den Kindern. Das bekommen ja sogar die Einjährigen schon mit.“

Die Regeln sähen beispielsweise vor, dass kein Familienmitglied die Kinder in die Einrichtung begleiten darf. Über Gespräche mit den Kindern wird die Pandemie immer wieder verarbeitet. „Wenn wir über Wünsche sprechen, hören wir oft: ,Ich möchte mal wieder zu Oma und Opa‘“, berichtet die Einrichtungsleiterin.

Eltern hätten natürlich Angst um die Gesundheit der Älteren und hielten Abstand. Abgesehen davon hätten die Kinder ganz normale Wünsche: „Dass wir die Turnhalle wieder benutzen dürfen, oder einfach mal wieder raus gehen, einen Ausflug mit der Gruppe machen und unser schönes Dorf erkunden.“

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